
Ceuta eskaliert: Guardia Civil feuert Gummigeschosse auf eigene Bürger

In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ist die Lage außer Kontrolle geraten. Rund einen Monat nach dem Massenübertritt Tausender Migranten aus Marokko gingen Sicherheitskräfte am Strand Playa del Trampolín mit Warnschüssen und Gummigeschossen gegen demonstrierende Einheimische vor. Mehr als 2.000 Menschen waren zuvor mit spanischen und ceutanischen Fahnen durch die 80.000-Einwohner-Stadt gezogen.
„Ceuta ist kein Asyl-Lager“
Die Sprechchöre der Demonstranten lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Medienberichten zufolge riefen sie „Ceuta wird nicht verkauft, Ceuta verteidigt sich“ und „Ceuta ist kein Asyl-Lager“. Der spanischen Zeitung El Mundo zufolge forderten die Teilnehmer zudem den Rücktritt von Ministerpräsident Pedro Sánchez und des Regierungsdelegierten Miguel Ángel Pérez Triano.
„Wenn sie nicht gehen, werfen wir sie selbst raus“ – Sprechchor der Demonstranten laut El Mundo
Als sich eine Gruppe Vermummter den Migranten näherte, die am Strand Zelte und Hütten aus Wellpappe errichtet haben, griff die Polizei durch. Gummigeschosse trafen dem Bericht zufolge auch Gruppen von Migranten – bei einer chaotisch verlaufenen Essensausgabe. In sozialen Netzwerken hagelte es Kritik: Auf jene, die im Juli die Grenze überrannten, sei nicht geschossen worden, hieß es dort sinngemäß.
Wie aus einem Grenzsturm eine Dauerkrise wurde
Zur Erinnerung: Am 29. und 30. Juli überwanden nach Angaben spanischer Behörden zwischen 50.000 und 60.000 Menschen die Grenze von Marokko aus. Mindestens 57 Migranten kamen dabei ums Leben. Der Großteil kehrte binnen Tagen nach Marokko zurück – rund 48.300 laut offiziellen Zahlen. Doch Tausende blieben. Und mit ihnen ein Problem, das Madrid offenkundig aussitzen wollte.
Berichten zufolge plant die Regierung Sánchez inzwischen, mehrere Hundert minderjährige Migrantinnen aufs spanische Festland zu verlegen. Mehrere Regionen sperren sich. Verteilen statt zurückführen – das Muster kennen deutsche Kommunen seit 2015 nur zu gut.
Zehnmal so viele Anzeigen – und schwere Vorwürfe
Die Zahlen aus der Exklave sind alarmierend. Nach dem Massenübertritt hätten sich die Strafanzeigen etwa verzehnfacht: statt rund 20 nun etwa 200 pro Tag, berichten spanische Medien. Genannt werden Diebstähle, Angriffe auf Beamte und Sexualdelikte.
Staatsanwaltschaft und Polizeiquellen sprechen dem Bericht zufolge von 13 bis 16 angezeigten Fällen sexueller Übergriffe und mutmaßlicher Vergewaltigungen. Die meisten bekannten Opfer seien selbst migrantische Frauen und Mädchen, darunter Minderjährige – auch ein zehnjähriges Mädchen und ein Junge. Einige Tatverdächtige seien festgenommen oder ausgewiesen worden. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Auch Human Rights Watch und lokale Behörden bestätigen laut dem Bericht die gefährliche Lage in den wilden Camps.
Eine Warnung, die weit über Spanien hinausreicht
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Ceuta in Zeitraffer, was passiert, wenn ein Staat die Kontrolle über seine Außengrenze verliert und die Folgen anschließend seinen eigenen Bürgern aufbürdet. Die Wut der Ceutaner richtet sich weniger gegen die Menschen am Strand als gegen eine Regierung, die monatelang keine Lösung präsentiert hat.
Für Europa ist das ein Lehrstück. Wer Außengrenzen nicht schützt, muss irgendwann die Ordnung im Inneren mit Gummigeschossen sichern – gegen die eigene Bevölkerung. Ein Zustand, den sich kein Rechtsstaat wünschen kann.
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