
Chemie-Beben am Rhein: BASF greift nach Evonik – Milliarden-Poker!

Der größte Chemiekonzern der Welt hat den Essener Spezialchemie-Konkurrenten Evonik im Visier. BASF bestätigte am Freitag, 25. September 2026, dass es mit Evonik und dessen Großaktionärin, der RAG-Stiftung, über eine mögliche Übernahme sondiert. Das geschieht mitten in der wohl schwersten Krise, die die deutsche Chemieindustrie seit Jahrzehnten erlebt.
Aus Ludwigshafen hieß es knapp, Verlauf und Ausgang der Sondierungen seien derzeit offen. Evonik bestätigte, eine unverbindliche Ansprache erhalten zu haben. Sie ziele auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle Aktien ab. Laufende Gespräche gebe es allerdings nicht, betonten die Essener.
Monatelang im Stillen vorbereitet
Losgetreten hatten die Nachricht Berichte der „Financial Times“ und der Agentur Bloomberg. Bloomberg zufolge soll BASF den Deal schon seit Monaten mit Beratern durchgespielt haben. Die FT berichtete unter Berufung auf Insider, BASF habe nicht nur mit Evonik selbst, sondern auch mit der RAG-Stiftung gesprochen.
Der Konzern wolle so seine regionale Präsenz und sein Produktangebot ausbauen, schreibt das Blatt. Das Ziel: mehr Schlagkraft gegen die übermächtige Konkurrenz aus China. BASF selbst erklärte recht allgemein, man prüfe fortlaufend Zukäufe, die das Kerngeschäft stärken und profitables Wachstum bringen.
Börse jubelt, Analysten zweifeln
An der Börse löste die Meldung einen Kurssprung aus. Die Evonik-Aktie stieg Berichten zufolge auf Xetra um rund zehn Prozent auf knapp 19,90 Euro. In der Spitze lag sie sogar über 20 Euro und damit so hoch wie seit Mai 2025 nicht mehr. Evonik ist an der Börse gut 8,4 Milliarden Euro wert. Rechnet man die Nettoschulden hinzu, kommt der Unternehmenswert laut Marktbeobachtern auf rund 12 Milliarden Euro.
Doch nicht alle glauben an die große Hochzeit. Ein Analyst der US-Bank JPMorgan hielt einen solchen Deal schon vor der Bestätigung für eher unwahrscheinlich, wie Fachmedien berichten. BASF habe bessere Alternativen. Zudem stelle sich die Frage, ob sich die Ludwigshafener in dieser schwierigen Phase einen teuren Zukauf leisten wollten.
Die Stiftung hält den Schlüssel
Entscheidend ist die RAG-Stiftung. Sie hält nach eigenen Angaben rund 43,8 Prozent an Evonik. Ihr Ja oder Nein dürfte über den Deal entscheiden. Die Stiftung bestätigte die Ansprache und verwies auf drei ausstehende Anleihen, die in Evonik-Aktien umgetauscht werden können. Weitere Angaben machte sie nicht. Medienberichten zufolge plant sie ohnehin, ihren Anteil langfristig auf 25,1 Prozent zu senken.
Dazu gehört auch ein Blick zurück: Die Stiftung entstand 2007, um die sogenannten Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus zu finanzieren, etwa das Abpumpen von Grubenwasser im Ruhrgebiet. Die Dividenden von Evonik sind dafür eine wichtige Einnahmequelle. Beim Verkauf geht es also nicht nur um Chemie, sondern auch um Geld, das sonst womöglich der Steuerzahler aufbringen müsste.
Zwei Riesen im Sparmodus
Beide Konzerne stecken in der Krise. Durch den Krieg im Nahen Osten sind die Energiekosten stark gestiegen. Für Unternehmen, die ohnehin unter hausgemachten Standortnachteilen leiden, ist das Gift. Weil manche Produkte knapp werden, erleben einige Anbieter zwar eine Sonderkonjunktur mit steigenden Preisen. Beobachter halten diesen Rückenwind aber für vorübergehend.
BASF hat nach eigenen Angaben von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 weltweit rund 7.000 Stellen gestrichen, vor allem am Stammwerk Ludwigshafen. Konzernchef Markus Kamieth konnte dank höherer Preise dennoch die Gewinnprognose anheben. Parallel baut er den Konzern um:
- 60 Prozent des Autolack-Geschäfts gingen an den US-Finanzinvestor Carlyle, der Rest des Gemeinschaftsunternehmens Surventis soll folgen.
- Das Agrargeschäft soll an die Börse gebracht werden.
Auch Evonik streicht bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen, davon 2.150 in Deutschland. Das verlustreiche Polyester-Geschäft mit etwa 150 Millionen Euro Jahresumsatz wird eingestellt. Auch das Geschäft mit Standardchemikalien soll abgegeben werden. Evonik-Chef Christian Kullmann fällt nach einer Operation vorerst aus. Asien-Chef Claus Rettig vertritt ihn.
Unser Fazit: Stärke oder Notwehr?
Kommt der Deal zustande, entstünde ein deutscher Chemie-Gigant. Ob er aus Stärke entsteht oder aus Not, ist eine andere Frage. Wenn sich zwei traditionsreiche Konzerne zusammentun müssen, um gegen China zu bestehen, sagt das viel über den Standort Deutschland aus. Anleger sollten sich von kurzfristigen Kurssprüngen nicht blenden lassen. Wer sein Vermögen gegen solche Unsicherheiten absichern will, kann physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Anlagen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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