
Cherson vor dem Blackout-Winter: Gouverneur rät zur Flucht

Es ist ein Satz, der aufhorchen lässt: Der Gouverneur der südukrainischen Region Cherson, Oleksandr Prokudin, hat die Einwohner der Stadt aufgefordert, ihre Heimat zu verlassen. Auslöser ist ein russischer Luftangriff auf das Heizkraftwerk der Frontstadt in der Nacht zum Donnerstag. Die Sicherheitslage sei „äußerst schwierig“, so Prokudin auf Telegram.
Vier Gleitbomben – und das Kraftwerk ist tot
Nach Angaben des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz schlugen vier Gleitbomben in der Anlage ein. Sämtliche verbliebenen Aggregate zur Strom- und Wärmeerzeugung seien damit außer Betrieb, berichtete der Kyiv Independent.
Es war nicht der erste Treffer. Doch diesmal, so der Gouverneur, sei der Schaden so gravierend, dass mit einem normalen Betrieb des Kraftwerks in diesem Winter nicht mehr zu rechnen sei.
„Ich wende mich erneut an die Einwohner von Cherson, insbesondere an Familien mit Kindern und ältere Menschen: Wenn Sie die Möglichkeit haben und Verwandte oder Freunde in sichereren Regionen haben – reisen Sie aus.“
Kein Strom für Stunden – sondern für Monate?
Prokudin warnte, die Stadt könne nicht nur für Stunden oder Tage, sondern über einen längeren Zeitraum ohne Strom und Heizung bleiben. Stadtverwaltung, kommunale Betriebe, Energieversorger und Regierung suchten bereits nach Notlösungen für die Wärmeversorgung.
Die Dimension der Angriffe ist erdrückend. Ukrainischen Medienberichten zufolge wurden seit dem 1. Juli rund 170 gelenkte Fliegerbomben über der Region abgeworfen – in knapp zwei Monaten mehr als im gesamten ersten Halbjahr. Hinzu kämen über 1.700 Kampfdrohnen binnen zwei Monaten, darunter zunehmend strahlgetriebene Modelle. Allein in einer Woche sei die Zahl der Angriffe kleiner FPV-Drohnen auf 6.500 gestiegen.
60.000 Menschen harren aus – darunter 4.000 Kinder
Trotz allem leben laut Kyiv Independent noch mehr als 60.000 Menschen in Cherson, unter ihnen über 4.000 Kinder. Vor Kriegsbeginn im Februar 2022 waren es rund 280.000. Die Stadt wurde im November 2022 von ukrainischen Truppen zurückerobert – seither liegt sie am Dnipro direkt an der Front, in Reichweite russischer Artillerie.
Die Behörden bieten Berichten zufolge Hilfe bei Evakuierung, Transport und Unterbringung an. Eine Zwangsräumung ist das nicht. Aber ein Appell, der Bände spricht.
Auch die Krim bleibt nicht verschont
Aus Sewastopol auf der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim wurden am Freitag ebenfalls Drohnenangriffe gemeldet. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew erklärte laut Reuters, ein fünfstöckiges Wohnhaus sei getroffen worden, vier Menschen seien verletzt. Auch ein Hotel, ein Kindergarten und über ein Dutzend Fahrzeuge seien beschädigt worden. In der Nähe von Öldepots habe Gras Feuer gefangen – die Depots selbst blieben demnach unversehrt.
Die bittere Lehre für Europa
Der Krieg ist längst ein Krieg gegen Kraftwerke, Umspannwerke und Heizanlagen. Wer die Energie eines Landes zerstört, zerstört seine Widerstandskraft – das ist die kalte Logik dieser Angriffe.
Für Beobachter ist das auch eine Mahnung an westliche Regierungen: Energieversorgung ist keine Nebensache der Politik, sondern ihre Grundlage. Wer sie schwächt – durch Krieg oder durch ideologisch getriebene Planung –, riskiert den Wohlstand ganzer Gesellschaften. In unsicheren Zeiten setzen viele Bürger deshalb auch auf krisenfeste Sachwerte wie physisches Gold und Silber, die sich über Jahrhunderte als Absicherung bewährt haben.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











