
Chinas Wirtschafts-Zar ist tot: Sein Werk zerlegt Xi Jinping gerade

Er machte aus einem Agrarstaat die Werkbank der Welt – und starb als Mahnung: Chinas früherer Ministerpräsident Zhu Rongji ist am 12. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Peking gestorben. Staatsmedien nannten eine Krankheit als Todesursache. Mit ihm verschwindet der letzte große Architekt jener Reformära, die China reich machte – und die heute Stück für Stück abgewickelt wird.
Der Technokrat mit dem eisernen Gesicht
Zhu war ausgebildeter Elektroingenieur, kein Ideologe. Von 1991 bis 2003 – erst als Vizepremier, dann ab 1998 als Regierungschef – setzte er um, was Deng Xiaoping mit seinem berühmten Bild vom "Überqueren des Flusses durch Ertasten der Steine" nur skizziert hatte.
Die Presse taufte ihn den Wirtschafts-Zaren. In China trug er Spitznamen wie "Zhu mit dem eisernen Gesicht". Er krempelte die Planwirtschaft um, sanierte das Steuersystem, ging gegen Korruption vor – und handelte 2001 den Beitritt zur Welthandelsorganisation aus. Ein Datum, das auch für Europas Industrie zur Zäsur wurde: Von da an konkurrierten deutsche Mittelständler mit Fabriken, die unter völlig anderen Bedingungen produzierten.
Der Preis: Millionen Entlassungen, eine Immobilienblase
Der Umbau war brutal. Die Zerschlagung defizitärer Staatsbetriebe kostete zig Millionen Arbeiter ihren Job – ohne nennenswertes soziales Netz und, wie es in dem Bericht heißt, ohne faire Entschädigung. Der private Sektor war schlicht zu schwach, um diese Menschen aufzufangen.
Noch folgenschwerer wirkt bis heute die Steuerreform der 1990er. Sie zentralisierte die Einnahmen in Peking und stärkte die Zentralregierung – doch den Kommunen blieb kaum etwas. Ihr Ausweg: Landverkäufe. In Kombination mit dem staatlichen Bodeneigentum entstand das berüchtigte "Land-Finanz"-Modell, das die Immobilienpreise in astronomische Höhen trieb. Die heutige chinesische Immobilienkrise, so die Analyse, hat hier ihre Wurzel.
"Tofu-Bau": Ein Wort, das bis heute sitzt
1998 brachen am Jangtse die Deiche. Zhu inspizierte den Dammbruch in Jiujiang, entdeckte Pfusch und minderwertiges Material – und schimpfte öffentlich über ein "Tofu-Reste-Projekt". Der Vergleich mit dem wertlosen Pressrückstand der Sojaquark-Produktion wurde zum geflügelten Wort für Korruption am Bau.
Insider-Berichten zufolge stellte sich Zhu Ende der 1990er auch gegen die Verfolgung von Falun Gong. Am 25. April 1999 versammelten sich rund 10.000 Anhänger friedlich nahe dem Regierungssitz Zhongnanhai. Zhu soll Vertreter empfangen, die Freilassung Inhaftierter angeordnet und intern vor Imageschaden gewarnt haben. Der damalige Parteichef Jiang Zemin startete Monate später dennoch die landesweite Kampagne.
Die eigentliche Lehre fĂĽr Anleger
Peking wollte Jiang Zemin in diesem Jahr besonders hoch ehren. Zhus Tod hat diese Inszenierung überschattet – und die Öffentlichkeit daran erinnert, wer die Wohlstandsjahre wirklich zu verantworten hatte.
Die bittere Pointe: Was ein Reformer in zwölf Jahren aufbaute, lässt sich unter autoritärer Herrschaft in wenigen Jahren rückabwickeln. Beobachter sehen genau das in der Wirtschaftspolitik Xi Jinpings – bis hin zum schwindenden Gewicht Hongkongs als Finanzplatz.
Für Sparer im Westen steckt darin eine unbequeme Erkenntnis: Eigentumsrechte, Rechtssicherheit und offene Märkte sind keine Naturgesetze, sondern politische Entscheidungen. Sie können sich ändern. Wer sein Vermögen breit streut, tut deshalb gut daran, auch physische Edelmetalle als staatsferne Ergänzung im Depot zu berücksichtigen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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