
Comeback in der Wahlnacht: Netanjahu greift wieder nach der Macht!

Totgesagte leben länger. Bei der Parlamentswahl in Israel hat das rechte Lager um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Nacht zum Mittwoch kräftig aufgeholt. Nach Auszählung von mehr als 40 Prozent der Wahlurnen kommt sein Block vorläufigen Berechnungen zufolge auf 56 Sitze, das Lager seiner Gegner auf 49. Bis zur absoluten Mehrheit in der Knesset fehlen dem Regierungschef damit noch fünf Mandate.
Vom Patt zum Vorsprung
Am Dienstagabend sah es noch ganz anders aus. Die Nachwahlbefragungen der großen israelischen Fernsehsender zeigten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, beide Blöcke lagen Medienberichten zufolge bei 51 oder 52 Sitzen. Zeitweise führte sogar die Opposition. Manche deutsche Medien schrieben Netanjahu in der Nacht bereits als Verlierer ab.
Doch mit jeder ausgezählten Urne drehte sich das Bild. Laut internationalen Berichten lag der Netanjahu-Block auch nach Auszählung von rund 55 Prozent der Stimmen bei 56 Sitzen. Die Zahlen schwanken zwar noch, der Trend aber ist eindeutig. Die überwiegend arabische Vereinte Liste und die Partei Ra'am kommen zusammen auf 16 Mandate.
Zur Einordnung: Die Knesset hat 120 Sitze, regieren kann nur, wer 61 hinter sich bringt. Eine Partei allein hat das in der Geschichte Israels noch nie geschafft. Ohne Koalition geht dort nichts.
Likud klar vorn, Eisenkot gibt nicht auf
Netanjahus Likud wird voraussichtlich stärkste Einzelkraft. Prognosen sehen die Partei bei 27 Sitzen, sechs mehr als die Partei Jaschar von Herausforderer Gadi Eisenkot, dem früheren Generalstabschef der Armee. In der Nacht forderte der 77-jährige Regierungschef eine „starke, nationale, rechte Regierung“. Eine Regierung, die von arabischen Parteien abhänge, sei für ihn undenkbar.
Eisenkot sieht das anders. Die Israelis hätten für einen Wechsel gestimmt, erklärte er, und er wolle selbst eine Regierung bilden. Das Problem: Mehrere führende Oppositionspolitiker haben eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien ausgeschlossen. Wie das Anti-Netanjahu-Lager ohne sie auf 61 Sitze kommen will, bleibt sein Geheimnis.
Die offenen Stimmen der Soldaten
Entschieden ist noch nichts. Ausstehend sind vor allem die sogenannten Doppelumschlag-Stimmen. Dazu gehören Soldaten, aber auch Diplomaten und Krankenhauspatienten. Bei früheren Wahlen schnitten rechte Parteien unter Soldaten überdurchschnittlich gut ab. Das spricht für weitere Zugewinne Netanjahus.
Bemerkenswert ist die Mobilisierung: 77,7 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab, so viele wie seit 1999 nicht mehr. Es ist die erste Wahl seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 und den folgenden Kriegen in Gaza, im Libanon und gegen den Iran.
Trump mischt kräftig mit
Auch Washington hat sich eingeschaltet. Kurz vor der Abstimmung rief US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social offen zur Wahl Netanjahus auf:
„Wir müssen die Arbeit zu Ende bringen, die wir begonnen haben!“
Am Mittwoch erklärte Trump, er habe gehört, Netanjahu habe „sehr gut abgeschnitten“. Der Premier wiederum kündigte an, gemeinsam mit Trump die iranische Bedrohung „ein für alle Mal“ beseitigen zu wollen. Die Zusammenarbeit mit Parteien, die er als antizionistisch einstuft, nannte er „schlicht verboten“. Er warf ihnen vor, die Hamas zu unterstützen und israelische Soldaten als Kriegsverbrecher zu bezeichnen.
Was jetzt droht: wochenlanges Ringen
Beobachter rechnen mit zähen Koalitionsverhandlungen, womöglich über Wochen oder Monate. Laut Medienberichten könnte gerade ein Patt Netanjahu nutzen: Er bliebe dann als geschäftsführender Regierungschef im Amt, notfalls bis zu einer weiteren Wahl. Im Nahen Osten bleibt die Lage damit angespannt, die Iran-Frage ungelöst.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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