
Das BRICS-Marinemanöver, das keines war: Südafrikas symbolischer Affront gegen Washington
Die internationale Berichterstattung überschlug sich förmlich, als kürzlich ein vermeintliches "BRICS-Marinemanöver" in südafrikanischen Gewässern stattfand. Die Vereinigten Staaten beschwerten sich prompt über Irans Teilnahme, und die Welt glaubte, Zeuge einer koordinierten Machtdemonstration des aufstrebenden Staatenbundes zu werden. Doch die Realität sieht anders aus – und entlarvt einmal mehr die Wunschvorstellungen jener, die in BRICS bereits ein militärisches Gegengewicht zum Westen erblicken wollen.
Indiens Klarstellung zerstört die Illusion
Es war ausgerechnet Indien, das dem Narrativ den Wind aus den Segeln nahm. In einer unmissverständlichen Stellungnahme erklärte Neu-Delhi, dass es sich bei der Übung "ausschließlich um eine südafrikanische Initiative" gehandelt habe, an der lediglich einige BRICS-Mitglieder teilgenommen hätten. Es sei weder eine reguläre noch eine institutionalisierte BRICS-Aktivität gewesen. Indien selbst habe nicht teilgenommen – wie auch bei früheren derartigen Unternehmungen nicht.
Diese Klarstellung ist ein Schlag ins Gesicht all jener alternativen Medien, die BRICS seit Jahren als geschlossenen antiwestlichen Block darstellen. Die Wahrheit ist nüchterner: BRICS ist und bleibt primär ein wirtschaftliches Forum, keine Sicherheitsorganisation – auch wenn sich manche Enthusiasten genau das wünschen mögen.
Warum Indien fernblieb
Die Gründe für Indiens Zurückhaltung sind vielschichtig und offenbaren die komplexen geopolitischen Verflechtungen unserer Zeit. Zum einen dürfte sich Neu-Delhi unwohl dabei gefühlt haben, an einer nicht-obligatorischen Übung mit China teilzunehmen, während die Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Ländern nach wie vor ungelöst sind. Die jährlichen Manöver im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sind eine Sache – freiwillige Zusatzübungen eine ganz andere.
Zum anderen steht Indien unter erheblichem Druck aus Washington. Präsident Trump hat bereits 25 Prozent Zölle auf indische Waren wegen des Kaufs russischen Öls verhängt, zusätzlich zu den 25 Prozent "reziproken" Zöllen – insgesamt also 50 Prozent. Weitere Strafmaßnahmen könnten die indische Wirtschaft spürbar belasten und damit die Popularität von Premierminister Narendra Modis Regierung gefährden. Ein kluger Staatsmann vermeidet unnötige Provokationen.
Südafrikas kalkulierte Provokation
Südafrika hingegen wählte den entgegengesetzten Weg. Das Land steht ebenfalls unter amerikanischem Druck – offiziell wegen der Buren-Thematik, tatsächlich aber wohl aus anderen Gründen. Washington missfällt Südafrikas Eintreten für die palästinensische Sache und die Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof wegen mutmaßlichen Völkermordes.
Statt wie Indien auf Deeskalation zu setzen, organisierte Pretoria das Marinemanöver und lud ausschließlich BRICS-Plus-Partner ein. Dies dürfte als symbolischer Akt des Widerstands gegen Trump gedacht gewesen sein – und als Signal an die eigene Bevölkerung, dass das Land trotz der Spannungen mit den USA Freunde in aller Welt habe.
Die Tatsache, dass Südafrika die falsche Wahrnehmung eines "BRICS-Marinemanövers" nicht korrigierte, sondern bewusst kursieren ließ, spricht Bände über die diplomatischen Spielchen, die hier gespielt werden.
Die unbequeme Wahrheit über BRICS
Für all jene, die in BRICS das Gegenstück zur NATO sehen wollen, ist diese Episode ein heilsamer Realitätscheck. Der Staatenbund ist weit davon entfernt, eine koordinierte Sicherheitspolitik zu betreiben. Die Interessen seiner Mitglieder divergieren erheblich, und gemeinsame Militärübungen unter dem BRICS-Banner könnten womöglich niemals stattfinden – schlicht weil der wirtschaftliche Fokus der Gruppe dem entgegensteht.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass geopolitische Realitäten komplexer sind als die vereinfachenden Narrative, die sowohl von westlichen als auch von alternativen Medien verbreitet werden. Südafrika nutzte die Gelegenheit für einen symbolischen Seitenhieb gegen Washington, während Indien pragmatisch seine wirtschaftlichen Interessen schützte. Von einer geschlossenen antiwestlichen Front kann keine Rede sein.

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