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10.06.2026
13:01 Uhr

DFB im Schweige-Modus: Wenn der Fußball plötzlich Angst vor klaren Worten bekommt

DFB im Schweige-Modus: Wenn der Fußball plötzlich Angst vor klaren Worten bekommt

Es gibt Momente, da entlarvt sich eine Institution durch das, was sie nicht sagt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat kurz vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA eine bemerkenswerte Volte vollführt: Der Deutsche Fußball-Bund wolle sich politisch zurückhalten und nicht "reflexhaft" jede Tagespolitik kommentieren. Wie praktisch. Wie bequem. Und wie verräterisch.

Plötzliche Zurückhaltung – wo war sie früher?

In einem Gastbeitrag für das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" erklärte Neuendorf, der Verband tue gut daran, in dieser hektischen Zeit nicht jedes Ereignis sofort zu bewerten. Man wolle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren – den Fußball. Eine Aussage, die im ersten Moment vernünftig klingt. Doch wer das Gedächtnis eines Elefanten besitzt, der erinnert sich an ganz andere Töne.

Denn wo war diese sportliche Demut, als der DFB sich bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar in moralische Pose warf? Als die Nationalmannschaft sich theatralisch den Mund zuhielt, während gleichzeitig die "One-Love"-Binde zum politischen Symbol erhoben wurde? Damals war von Zurückhaltung keine Rede. Damals war der deutsche Fußball Weltmeister – im Belehren.

"Natürlich findet Sport nicht im luftleeren Raum statt. Und doch müssen wir uns letztlich auf den Fußball konzentrieren, weil er unser Kerngeschäft ist und bleibt", so Neuendorf.

Die selektive Moral des Verbandes

Man fragt sich unweigerlich: Was hat sich geändert? Vielleicht ist es kein Zufall, dass der DFB ausgerechnet jetzt die Tugend des Schweigens entdeckt – nun, da Donald Trump im Weißen Haus sitzt und Teile des Turniers auf US-amerikanischem Boden ausgetragen werden. Der erhobene Zeigefinger, der bei den Wüstenstaaten am Golf so flink in die Höhe schnellte, scheint diesmal merkwürdig erschlafft.

Neuendorf betonte zwar pflichtschuldig, der DFB stehe für "Freiheit und Demokratie, für Respekt und Toleranz, für Vielfalt und Teilhabe". Hass, Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus hätten keinen Platz. Schöne Worte, gewiss. Doch sie wirken inzwischen wie eine auswendig gelernte Litanei, die bei jeder Gelegenheit abgespult wird – ein moralisches Pflichtprogramm, das längst die Substanz verloren hat.

Worum es eigentlich gehen sollte

Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, dass sich der deutsche Fußball wieder auf das besinnt, wofür Millionen Menschen ihn lieben: auf das Spiel, auf die Leidenschaft, auf den ehrlichen Wettkampf. Auf jene Werte, die einst Generationen vor dem Fernseher vereinten – und nicht spalteten. Ein Verband, der ständig mit dem moralischen Maßband durch die Welt zieht, verliert irgendwann das Vertrauen jener, die einfach nur Fußball sehen wollen.

Der DFB sei im Austausch mit dem Auswärtigen Amt über die Lage vor Ort, hieß es weiter. Man könne und wolle nicht alles Politische ausblenden, der Fokus liege jedoch auf dem Sport. Eine Erkenntnis, die man sich auch schon vor einigen Jahren hätte zu Herzen nehmen können.

Fazit: Ein bemerkenswertes Eingeständnis

Im Grunde ist Neuendorfs Appell ein stilles Eingeständnis: Die ständige Politisierung des Fußballs hat dem deutschen Spiel mehr geschadet als genützt. Wer auf dem Platz steht, sollte um Tore kämpfen – nicht um Schlagzeilen über Armbinden. Dass diese späte Einsicht ausgerechnet jetzt kommt, mag man als taktisches Kalkül belächeln. Doch vielleicht ist es ein erster, zaghafter Schritt zurück zur Vernunft. Bleibt zu hoffen, dass der Verband diesmal seinen eigenen Worten treu bleibt – und nicht beim nächsten passenden Anlass wieder in den vertrauten Belehrungsmodus zurückfällt.

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