
„Diesel, Diesel, Diesel“: Trump setzt Selenskyj in New York unter Druck

Es geht um Sprit, Preise und Wählerstimmen: US-Präsident Donald Trump trifft am Dienstag am Rande der UN-Generalversammlung in New York den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Trumps zentrale Forderung: ein Energie-Waffenstillstand mit Moskau. Russland habe die Kontrolle über seine Dieselindustrie „unglücklicherweise verloren“, erklärte Trump.
Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er am Montag, „eine große Zahl“ russischer Dieselraffinerien sei „in die Luft gesprengt“ worden und zumindest vorübergehend außer Betrieb. Details nannte er nicht.
Der Kanzler der Zapfsäule
Warum der plötzliche Eifer? Ein Blick auf die Tanksäulen in den USA liefert die Antwort. Nach Daten des Automobilclubs AAA kletterte der durchschnittliche Diesel-Einzelhandelspreis erstmals über 6,50 Dollar pro Gallone — ein Rekord. Die Lieferketten leiden nicht nur unter dem Ukraine-Krieg, sondern auch unter dem Iran-Konflikt, der die Durchfahrt durch die Straße von Hormus einschränkt.
Medienberichten zufolge lautete Trumps Botschaft in einem Telefonat mit Selenskyj schlicht: „Diesel, Diesel … Diesel“. Nach Angaben von Reuters ist Trumps Zustimmung zuletzt auf einen Tiefstwert von 32 Prozent gefallen — wenige Wochen vor den US-Zwischenwahlen im November. Teurer Sprit ist in Amerika politischer Sprengstoff, und das dürfte die Eile in Washington erklären.
„Dieser lächerliche und niemals endende Krieg mit der Ukraine muss beendet werden. Die ganze Welt leidet, während 25.000 Menschen, meist Soldaten, jeden Monat getötet werden. Was für eine Schande!“ — Donald Trump auf Truth Social
Kiew bietet Deeskalation — gegen Gegenleistung
Selenskyj gab sich verhandlungsbereit. Man diskutiere mit der Trump-Administration Ideen, um dem Frieden näherzukommen, „beginnend mit starken Deeskalationsschritten“. Die Bedingung: Russland müsse aufhören, ukrainische Energieanlagen, kritische Infrastruktur und Lebensmittelexporte zu attackieren. Dann folgten entsprechende Schritte auch von ukrainischer Seite. „Lösungen sind möglich“, so der Präsident.
Kiew beharrt darauf, dass russische Energieanlagen legitime militärische Ziele seien. Am Sonntag flog die Ukraine nach Einschätzung von Beobachtern den größten Drohnenangriff auf die Region Moskau seit Kriegsbeginn; eine Anlage einer Raffinerie am Stadtrand wurde beschädigt, drei Menschen starben. Am selben Tag endete die Wahl zur russischen Staatsduma, aus der die kremlnahe Partei „Einiges Russland“ laut fast vollständigen offiziellen Ergebnissen mit einer Rekordzahl an Mandaten hervorging.
Ein Winter, der über Europa mitentscheidet
Ein Vorgeschmack auf die Fragilität solcher Absprachen: Trump hatte vergangene Woche bereits eine Einigung über den Verzicht auf Angriffe gegen Energieziele verkündet — einen Tag später sollen russische Schläge Tankstellen in Kiew getroffen haben. Russlands Verteidigungsministerium kündigte zudem „massive Schläge“ gegen die ukrainische Energieinfrastruktur an. In St. Petersburg bildeten sich Mitte September Schlangen an Rosneft-Tankstellen.
Für Verbraucher in Europa ist das keine ferne Randnotiz. Diesel ist der Treibstoff der Logistik, der Landwirtschaft, der Heizkeller. Jeder Sprung an den Rohstoffmärkten landet über Fracht- und Energiekosten am Ende in den Regalpreisen — eine Rechnung, die deutsche Betriebe und Familien ohnehin schon schultern.
Krieg, Rekordpreise, politische Nervosität: In solchen Phasen erinnern sich Anleger traditionell an physische Edelmetalle, die als Wertspeicher außerhalb des Finanzsystems fungieren und als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen gelten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir empfehlen keine konkreten Finanzprodukte. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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