
Druckmaschinenbauer Manroland Sheetfed vor dem Aus: 748 Arbeitsplätze auf der Kippe

Es ist eine Geschichte, die man in Deutschland mittlerweile fast im Wochentakt erzählen könnte – und die dennoch jedes Mal aufs Neue schmerzt. Der Offenbacher Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed GmbH, ein Traditionsunternehmen mit Wurzeln bis ins Jahr 1871, hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Fast 750 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Wieder einmal verschwindet ein Stück deutscher Industriegeschichte hinter den kalten Kulissen eines Insolvenzverfahrens.
Déjà-vu in Offenbach
Für die Belegschaft dürfte die Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht wirken – und zugleich wie ein bitteres Déjà-vu. Bereits 2011 hatte die damalige Muttergesellschaft manroland AG Insolvenz angemeldet. Tausende verloren damals ihren Arbeitsplatz. Aus den Trümmern wurde der Geschäftsbereich für Bogenoffsetdruckmaschinen herausgelöst und als eigenständige Firma unter dem Namen Manroland Sheetfed GmbH neu gegründet. Die britische Industrieholding Langley Holdings übernahm das Ruder – mit dem vollmundigen Versprechen, den Standort Offenbach langfristig zu sichern.
Dieses Versprechen hat sich nun als hohl erwiesen. Anfang März 2026 stellte die Geschäftsführung den Insolvenzantrag. Die Briten unter Chairman Anthony Langley drehten den Geldhahn zu. Wohlgemerkt: Langley Holdings selbst erwirtschaftete zuletzt einen Gewinn von 152,3 Millionen Euro vor Steuern. Geld wäre also durchaus vorhanden gewesen. Man entschied sich schlicht dagegen, es nach Offenbach fließen zu lassen. So viel zum Thema Standorttreue internationaler Investoren.
43 Millionen Euro Verlust – und ein eingebrochener Absatzmarkt
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Allein im Geschäftsjahr 2025 häufte Manroland Sheetfed einen Verlust von 43,2 Millionen Euro an. Der Hauptgrund: der dramatische Einbruch des chinesischen Marktes. China war über Jahre hinweg der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt des Unternehmens – zeitweise entfielen rund 40 Prozent des gesamten Umsatzes auf das Reich der Mitte. Als dieser Markt wegbrach, fehlte schlicht die Alternative.
Betriebsratsvorsitzender Alexander Roth, der seit 2016 im Unternehmen arbeitet, nimmt kein Blatt vor den Mund. Die schwierige Lage habe sich schon früh abgezeichnet, erklärte er. Der chinesische Markt sei bereits zu Beginn des Ukraine-Kriegs eingebrochen. „Wir hätten früher neue Märkte erschließen müssen", so seine nüchterne Bilanz. Als Beispiel nannte er Indien – einen Wachstumsmarkt mit enormem Potenzial, den das Unternehmen sträflich vernachlässigt habe. Gerade einmal ein bis zwei Maschinen seien dort verkauft worden. Für ein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern ist das nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ein Symptom des deutschen Niedergangs
Man mag die Insolvenz von Manroland Sheetfed als Einzelfall betrachten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein Muster, das sich durch die gesamte deutsche Industrielandschaft zieht. Traditionsunternehmen, die über Jahrzehnte Weltgeltung besaßen, geraten in die Bredouille – nicht nur wegen globaler Marktverschiebungen, sondern auch wegen eines wirtschaftspolitischen Umfelds, das Unternehmen eher belastet als entlastet. Explodierende Energiekosten, eine erdrückende Bürokratie, eine Steuerlast, die international ihresgleichen sucht – all das macht den Standort Deutschland zunehmend unattraktiv.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar Besserung versprochen, doch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur wird die Staatsschulden weiter in die Höhe treiben und kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten. Ob davon auch mittelständische Industrieunternehmen wie Manroland profitieren werden, darf bezweifelt werden. Bislang fließt das Geld vor allem in Großprojekte und ideologisch motivierte Transformationsprogramme.
Sanierung unter Zeitdruck
Das Unternehmen setzt nun auf eine Restrukturierung in Eigenregie. Die Sanierungsexperten Arndt Geiwitz und Peter Fissenewert wurden eingesetzt, um einen tragfähigen Plan zu entwickeln. Geschäftsführer Mirko Kern kündigte an, das Kerngeschäft erhalten zu wollen. Ein massiver Stellenabbau gilt allerdings als unausweichlich. Wie viele der 748 Arbeitsplätze tatsächlich gerettet werden können, steht in den Sternen. Ein konkreter Plan wurde bislang nicht vorgelegt.
Die IG Metall reagierte betroffen. Erst Ende 2025 hatte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach einen Ergänzungstarifvertrag ausgehandelt, bei dem die Mitarbeiter erhebliche finanzielle Zugeständnisse gemacht hatten. Mit der Insolvenz ist dieser Vertrag hinfällig. Man wolle nun retten, was zu retten sei – aber nur mit einem tragfähigen Zukunftskonzept, hieß es.
Wenn Tradition allein nicht mehr reicht
Manroland Sheetfed steht seit über 150 Jahren für Qualität im Bogenoffsetdruck. Der Name hat weltweit Klang. Doch Tradition allein schützt nicht vor dem Untergang – schon gar nicht in einer Welt, in der sich Märkte rasant verändern und politische Rahmenbedingungen den Standort Deutschland systematisch schwächen. Es bleibt die bange Frage: Wie viele solcher Traditionsunternehmen muss Deutschland noch verlieren, bevor die Politik endlich begreift, dass eine starke Wirtschaft das Fundament jeder funktionierenden Gesellschaft ist?
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Name Manroland Sheetfed eine Zukunft hat – oder ob er endgültig zum Relikt einer besseren industriellen Vergangenheit wird. Für die 748 Beschäftigten und ihre Familien ist es mehr als eine wirtschaftliche Frage. Es ist eine existenzielle.
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