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25.06.2026
05:46 Uhr

Ein bisschen Spaß muss sein: Wie ein Schlager-Streit zur Lehrstunde über politische Feigheit wird

Ein bisschen Spaß muss sein: Wie ein Schlager-Streit zur Lehrstunde über politische Feigheit wird

Es ist eine jener Geschichten, die auf den ersten Blick banal anmuten – und bei näherer Betrachtung doch entlarvend sind. In Wien feierte die FPÖ am vergangenen Samstag ihr 70-jähriges Bestehen mit einem Volksfest mitten auf dem Stephansplatz. Herbert Kickl umgeben von europäischen Rechten, ein Publikum in bester Stimmung, und – man höre und staune – keine Gegenproteste in Sicht. Doch statt über das Fest selbst diskutiert man nun über einen Auftritt, der nie stattgefunden hat.

Der Schlager, der zum Politikum wurde

Die Bild-Zeitung berichtete, die Freiheitlichen hätten ursprünglich den Volksmusik-Star Heino als Stargast verpflichten wollen – und ihm dafür angeblich rund 100.000 Euro geboten. Der Sänger habe abgelehnt, mit der Begründung, sich von keiner politischen Kraft vor deren Karren spannen lassen zu wollen. Stattdessen sang dann der 89-jährige Roberto Blanco seinen Klassiker „Ein bisschen Spaß muss sein“ – laut Bericht für eine deutlich bescheidenere Gage.

Die FPÖ widerspricht dieser Darstellung vehement. Man habe zwar mit dem Management von Heino verhandelt, doch wegen eines „überzogenen und absurden Preises“ den Kontakt nicht weiterverfolgt. Nicht Heino habe abgesagt, sondern man habe ihn schlicht nicht gebucht. Die Partei droht mit rechtlichen Schritten, sollte die Behauptung weiterverbreitet werden.

Die wahre Pointe steckt im Detail

Doch die eigentlich aufschlussreiche Episode dieser Geschichte ist nicht die Frage, wer wem nun abgesagt hat. Es ist eine Aussage von Heinos Manager Helmut Werner, die einen tiefen Blick in die Befindlichkeiten unserer Zeit erlaubt. Hätte Heino für die FPÖ gesungen, so der Manager, „wäre der Aufschrei groß gewesen“. Und weiter: Bei Heino gehe man ohnehin schon im Vorfeld davon aus, dass er „politisch nur rechts sein kann, was er definitiv nicht ist“.

„Wenn Heino diesen Auftritt für die FPÖ gemacht hätte, wäre der Aufschrei groß gewesen.“

Man lese diesen Satz langsam und lasse ihn wirken. Hier offenbart sich das ganze Elend einer Kulturlandschaft, in der allein der Verdacht, mit einer bestimmten politischen Strömung in Verbindung gebracht zu werden, zur existenziellen Bedrohung stilisiert wird. Ein Schlagersänger soll seine Liedchen also nur dort trällern, wo es dem medialen Wohlfühlkonsens nicht zuwiderläuft. Wer hätte gedacht, dass „Ein bisschen Spaß muss sein“ einmal zum politischen Statement geraten würde?

Von Mut und Auslaufmodellen

Es ist bezeichnend, dass die Verteidigung Heinos vor allem darauf abzielt, seine Distanz zu allem vermeintlich „Rechten“ zu betonen. Als wäre das die schlimmstmögliche Unterstellung. Die Logik dahinter ist so durchschaubar wie ermüdend: Selbst der Auftritt bei einer legalen, demokratisch gewählten Partei wird zum Skandalon erklärt, das es um jeden Preis zu vermeiden gelte.

Roberto Blanco hingegen, so darf man festhalten, machte aus seinem Auftritt schlicht das, was Künstler eigentlich tun sollten: Er unterhielt das Publikum, ohne sich von Gesinnungswächtern den Terminkalender diktieren zu lassen. Ob mit oder ohne Absicht – er bewies damit mehr Rückgrat als so mancher zeitgenössische Kulturbetrieb, der sich in vorauseilendem Gehorsam selbst zensiert.

Ein Lehrstück über den Zeitgeist

Letztlich ist diese kleine Wiener Posse mehr als ein Streit zwischen einer Partei und einer Boulevardzeitung. Sie ist ein Spiegelbild jener gesellschaftlichen Verkrampfung, in der das politische Spektrum auf einer Seite künstlich tabuisiert wird. Während Millionen Bürger in Österreich wie in Deutschland längst andere politische Präferenzen entwickelt haben, klammern sich Teile von Medien und Management an die alten Reflexe der Ausgrenzung.

Wie diese juristische Auseinandersetzung am Ende ausgehen mag, sei dahingestellt. Bemerkenswert bleibt jedoch, dass ein harmloser Schlagerauftritt eine derartige Welle der Empörung auslösen kann. Vielleicht braucht es tatsächlich wieder mehr Persönlichkeiten mit Mut und Charisma – und weniger Funktionäre, die schon beim leisesten Hauch des „Rechtsverdachts“ zusammenzucken. Denn eines ist gewiss: Ein bisschen Spaß muss sein. Ein bisschen Haltung allerdings auch.

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