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Kettner Edelmetalle
29.07.2026
06:07 Uhr

Eine Billion Euro verbrannt – und der Strom bleibt teuer: Industriechef rechnet mit der Energiewende ab

Eine Billion Euro verbrannt – und der Strom bleibt teuer: Industriechef rechnet mit der Energiewende ab

Es gibt Sätze, die sitzen wie ein Faustschlag. Der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, hat einen solchen Satz geliefert: Rund eine Billion Euro habe die deutsche Energiewende bislang gekostet – und gebracht habe sie nichts. Man muss diese Zahl nicht auf den Cent nachrechnen, um zu spüren, worauf sie zielt. Sie zielt auf ein Land, das sich sein wichtigstes Fundament, nämlich billige und verlässliche Energie, mit ideologischem Eifer selbst weggesprengt hat.

„Netzinfrastruktur wie in Albanien“

Kullmann hält den nordrhein-westfälischen Braunkohleausstieg im Jahr 2030 für schlicht undurchführbar. Es fehlten die Gaskraftwerke, es fehle ein belastbares Netz, und bezahlbaren Wasserstoff gebe es ohnehin nicht. Sein Vergleich mit der Infrastruktur eines Balkanstaates dürfte in Berliner Ministerien für Empörung sorgen – nur widerlegen kann ihn dort niemand. Deshalb rechne er mit einem Weiterbetrieb der Kohlekraftwerke mindestens bis 2033, womöglich länger.

Wer Kraftwerke abschaltet, bevor der Ersatz gebaut ist, handelt nicht klimapolitisch mutig, sondern volkswirtschaftlich fahrlässig.

Der Bundestag hat mittlerweile den Weg für neue Reservekraftwerke freigemacht. Noch 2026 sollen neun Gigawatt ausgeschrieben werden, zwei weitere Gigawatt im Jahr darauf. Sie sollen die berüchtigten Dunkelflauten abfedern. Nur: Kraftwerke wachsen nicht über Nacht aus dem Boden, sie brauchen Jahre. Und über eine Reserve für drei moderne Braunkohleblöcke bis Ende 2033 muss die Bundesregierung erst noch entscheiden. Wieder einmal wird improvisiert, wo längst geplant sein müsste.

Die Billion ohne Kassenbon

Fairerweise sei angemerkt: Eine detaillierte Aufschlüsselung seiner Billionen-Schätzung hat Kullmann nicht vorgelegt. Welche Netzkosten, Subventionen, Kraftwerksinvestitionen und Folgelasten darin stecken, bleibe offen. Es handle sich um eine politische Bewertung, nicht um eine testierte Bilanz. Doch genau das ist die Pointe: Auch die Bundesregierung hat nie eine ehrliche Gesamtrechnung vorgelegt. Wer den Bürger jahrzehntelang zahlen lässt, ohne ihm die Endsumme zu nennen, darf sich über pauschale Schätzungen nicht beschweren.

1,6 Prozent – und der Rest der Welt schaut zu

Kullmann fordert, das deutsche Klimaziel von 2045 auf 2050 zu verschieben. Sein Argument: Deutschland verursache lediglich 1,6 Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Auch schärfere Regeln im europäischen Emissionshandel lehnt er ab. Für die Vergangenheit findet er deutliche Worte – die „Greta-Hörigkeit“ in Berlin und Brüssel sei zu groß gewesen. Von der AfD grenzt er sich ausdrücklich ab, deren antieuropäischer Kurs schade der Wirtschaft. Bemerkenswert bleibt dennoch, dass ein DAX-Manager heute öffentlich ausspricht, was noch vor wenigen Jahren als Ketzerei galt.

3.200 Stellen weniger – die Rechnung zahlen die Beschäftigten

Während in Berlin über Zieljahre gestritten wird, wird in den Werkshallen abgebaut. Evonik streicht zwischen 2027 und 2029 rund 3.200 Stellen, davon 2.150 in Deutschland. Bereits laufende Kürzungen von 2.800 Stellen bis Ende 2026 kommen obendrauf. Genannt werden schwaches Wachstum, internationaler Wettbewerbsdruck und strukturelle Nachteile Europas. Sozialverträglich soll das Ganze ablaufen – ein Wort, das in Industriedeutschland inzwischen wie eine Beruhigungspille wirkt.

Dabei sind die Zahlen nicht einmal katastrophal: Für das zweite Quartal erwartet der Konzern ein bereinigtes EBITDA von 600 bis 650 Millionen Euro, gestützt durch Lieferengpässe asiatischer Wettbewerber und eigene Sparprogramme. Doch dieser Vorteil dürfte verpuffen. Was bleibt, sind Energiepreise, die Investitionen ins Ausland treiben. Die Reformen der schwarz-roten Koalition reichen Kullmann nach eigener Aussage nicht – ein bemerkenswertes Zeugnis für eine Regierung, die mit dem Versprechen wirtschaftlicher Vernunft angetreten war und stattdessen die Klimaneutralität 2045 im Grundgesetz verankert hat.

Was das für Sparer bedeutet

Wenn eine Industrienation ihre Energiebasis demontiert, dreihundert Milliarden neue Schulden auflegt und die Rechnung an kommende Generationen weiterreicht, dann ist das kein Konjunkturthema, sondern ein Währungsthema. Kapitalflucht aus dem Standort Deutschland beginnt selten mit einem Knall, sondern mit stillen Standortentscheidungen. Wer sein Vermögen breit aufstellt, sollte physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung nicht ignorieren – Gold und Silber lassen sich weder durch Notenbankbeschlüsse verwässern noch durch politische Zielverschiebungen entwerten.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt die Auffassung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und erfolgt auf eigenes Risiko. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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