
Europas Griff nach den Sternen: IRIS2 soll Abhängigkeit von Amerika beenden
Die Europäische Union wagt einen bemerkenswerten Schritt in Richtung strategischer Unabhängigkeit. Mit dem Start des eigenen Satellitenkommunikationssystems IRIS2 will Brüssel endlich die jahrzehntelange Abhängigkeit von amerikanischen Technologieanbietern durchbrechen. Ein ambitioniertes Vorhaben, das angesichts der aktuellen geopolitischen Verwerfungen längst überfällig erscheint.
10,6 Milliarden Euro für europäische Souveränität
Das Mammutprojekt verschlingt stolze 10,6 Milliarden Euro und umfasst neben IRIS2 auch das GOVSATCOM-System. Die ersten Komponenten sind bereits in Betrieb genommen worden und werden von öffentlichen Verwaltungen sowie militärischen Stellen genutzt. Bis zum Jahr 2030 soll die vollständige Konstellation aus rund 290 Satelliten auf unterschiedlichen Umlaufbahnen einsatzbereit sein.
EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius, betonte die zentrale Bedeutung des Projekts für die Sicherheit und strategische Autonomie der Union. Die Mitgliedstaaten erhielten damit eine eigene verschlüsselte Satellitenkommunikation, die vollständig in Europa entwickelt und betrieben werde. Eine Aussage, die angesichts der zunehmenden Spannungen mit den Vereinigten Staaten unter Präsident Trump besonderes Gewicht erhält.
Ukraine bittet bereits um Zugang
Bezeichnend ist, dass die Ukraine bereits um Zugang zu dem neuen Satellitensystem ersucht hat. Die Europäische Kommission arbeite derzeit daran, entsprechende Nutzungsmöglichkeiten bereitzustellen, so Kubilius. Dies verdeutlicht, wie dringend eine Alternative zum amerikanisch dominierten Starlink-Netzwerk benötigt wird – insbesondere in Krisenzeiten, wenn die Kontrolle über sichere Datenverbindungen über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.
Europäische Industrie profitiert
Mit dem Aufbau des Systems wurden mehrere europäische Satellitenbetreiber beauftragt, darunter SES, Eutelsat und Hispasat. Damit soll die europäische Raumfahrtindustrie gezielt gestärkt und stärker in sicherheitsrelevante Wertschöpfungsketten eingebunden werden. Ein kluger Schachzug, der endlich europäisches Know-how fördert, anstatt Milliarden in amerikanische Konzerne zu pumpen.
Was bedeutet IRIS2 für Deutschland?
Für die Bundesrepublik besitzt das Satellitenprojekt eine besondere wirtschafts- und sicherheitspolitische Bedeutung. Eine eigenständige europäische Kommunikationsinfrastruktur stärkt die Handlungsfähigkeit deutscher Behörden und der Bundeswehr in sicherheitsrelevanten Lagen erheblich. Gerade in Zeiten, in denen die transatlantische Partnerschaft unter erheblichem Druck steht, erscheint dieser Schritt geradezu zwingend notwendig.
Zugleich eröffnet IRIS2 neue Perspektiven für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Raumfahrt, IT-Sicherheit und kritische Infrastruktur. Das Vorhaben fügt sich damit in die längst überfällige Debatte über technologische Souveränität ein. Denn wer die Kommunikationsinfrastruktur kontrolliert, kontrolliert letztlich auch die Handlungsfähigkeit eines Staates.
Ein überfälliger Befreiungsschlag
Man mag von der EU halten, was man will – und es gibt wahrlich genug zu kritisieren an der Brüsseler Bürokratie. Doch dieses Projekt verdient Anerkennung. Jahrelang hat Europa sehenden Auges zugelassen, wie amerikanische Tech-Giganten die kritische Infrastruktur des Kontinents dominierten. Die Abhängigkeit von Elon Musks Starlink im Ukraine-Konflikt hat schmerzhaft vor Augen geführt, welche Risiken damit verbunden sind.
Ob die ambitionierten Zeitpläne eingehalten werden können, bleibt abzuwarten. Die europäische Raumfahrtindustrie hat in der Vergangenheit nicht immer durch Effizienz geglänzt. Doch der politische Wille scheint diesmal vorhanden zu sein – und das ist in Zeiten zunehmender geopolitischer Unsicherheit mehr wert als alle Sonntagsreden über europäische Einigkeit.

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