
Fico bleibt weg: Kriegs-Warnung statt Gipfel-Selfie mit Selenskyj

Er hatte zugesagt – und kam dann doch nicht. Der slowakische Regierungschef Robert Fico ist am 18. September 2026 dem ersten Gipfel der neuen „Karpatischen Acht“ im ukrainischen Bukovel ferngeblieben. Offizieller Grund: Krankheit. Einen Tag zuvor hatte er in Prešov eine Rede gehalten, die in Kiew kaum Begeisterung ausgelöst haben dürfte.
Ein neues Format – und gleich eine Lücke am Tisch
Wolodymyr Selenskyj hat mit dem Treffen im Skiort Bukovel ein neues Bündnisformat aus der Taufe gehoben: Ukraine, Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Österreich und Serbien, flankiert von EU-Vertretern und Wirtschaftsdelegationen. Medienberichten zufolge geht es um Verkehr, Energie, Investitionen – und um Rüstungslieferungen.
Anwesend waren unter anderem Polens Premier Donald Tusk, Serbiens Präsident Aleksandar Vučić und Rumäniens Staatschef Nicușor Dan. Die Slowakei ließ sich laut Berichten von Marek Eštok vertreten, einem Staatssekretär im Außenministerium. Eine diplomatische Herabstufung, die in Kiew registriert worden sein dürfte.
Die Rede, die den Ton bricht
Am Vortag sprach Fico in Prešov vor Studierenden und Klinikpersonal. Ein vollständiges amtliches Transkript liegt nach Angaben aus Medienberichten nicht vor, mehrere Passagen sind aber dokumentiert. Der Tenor: eine Warnung vor einem gesamteuropäischen Krieg.
„Die Lage war mit Blick auf die Möglichkeit eines gesamteuropäischen militärischen Konflikts noch nie so ernst und angespannt wie jetzt.“
Besonders scharf fiel seine Kritik an der Aufrüstungslogik in Brüssel aus. Die Gewinner des EU-Haushalts 2028 bis 2034 seien nach seinen Worten die Rüstungsunternehmen – „nicht die Bürger“. Und weiter, sinngemäß: Wer irreguläre Migration, schwindende Wettbewerbsfähigkeit und explodierende Energiepreise nicht in den Griff bekomme, ersetze diese Unfähigkeit bisweilen durch kriegerische Rhetorik.
Artikel 5 – der wunde Punkt
Fico stellte laut den dokumentierten Passagen die Frage, ob sich jemand vorstellen könne, dass der NATO-Bündnisfall ausgerufen werde und slowakische Soldaten in einen Konflikt zögen, ohne zu wissen, gegen wen und wofür. Zur NATO bekannte er sich ausdrücklich. Aber:
„Aber als Regierungschef werde ich alles tun, damit die Slowakei niemals in einen militärischen Konflikt hineingezogen wird.“
Er endete mit einem Appell an die „großen Jungs in der Politik“, Vernunft anzunehmen. Ein Satz, der in vielen europäischen Hauptstädten wie eine Provokation klingen dürfte – und in vielen Wohnzimmern wie gesunder Menschenverstand.
Krankheit oder Kalkül?
Fico sagt seit dem Attentat auf ihn im Mai 2024 immer wieder Termine aus gesundheitlichen Gründen ab. Ob diesmal allein die Gesundheit den Ausschlag gab oder ob politische Erwägungen mitspielten, lässt sich seriös nicht beantworten – es bleibt Spekulation.
Aus Sicht unserer Redaktion ist der eigentliche Vorgang ein anderer: In der EU gibt es kaum noch Regierungschefs, die das Wort „Frieden“ ohne rhetorischen Sicherheitsabstand aussprechen. Während Berlin über Sondervermögen, Wehrdienst und Rüstungsquoten debattiert, fragt ein Nachbarland öffentlich, wer die Rechnung bezahlt. Die Antwort ist in allen Mitgliedsstaaten dieselbe: der Steuerzahler.
Geopolitische Unsicherheit dieser Größenordnung hinterlässt Spuren an den Märkten – historisch profitieren in solchen Phasen vor allem Sachwerte. Physische Edelmetalle gelten vielen Anlegern deshalb als nüchterne Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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