
Finnland liefert, Deutschland sucht: Weltpremiere unter Tage!

In Eurajoki an Finnlands Westküste ist am 4. August 2026 eine Hürde gefallen, an der Deutschland seit Jahrzehnten scheitert: Die finnische Atomaufsicht STUK hat für das Endlager Onkalo eine positive Sicherheitsbewertung vorgelegt. Die Anlage des Betreibers Posiva erfülle die Anforderungen des finnischen Atomenergiegesetzes. Damit kann die Regierung in Helsinki über die Betriebsgenehmigung bis Ende 2070 entscheiden.
Es wäre eine Weltpremiere. Kein anderes tiefengeologisches Endlager für abgebrannte Brennelemente hat diese Genehmigungsstufe je erreicht.
430 Meter tief, zehn Kilometer Tunnel – und ein Plan, der aufgeht
Der eigentliche Einlagerungsbereich liegt rund 430 Meter unter der Oberfläche. Etwa zehn Kilometer Tunnel sind bereits gebohrt, rund 40 weitere Kilometer sollen langfristig folgen. Aufgenommen werden soll der hochradioaktive Abfall der Kernkraftwerke Olkiluoto und Loviisa.
Das Sicherheitskonzept setzt auf mehrere ineinandergreifende Barrieren: Die Brennelemente kommen in Behälter aus Eisen und Kupfer, umhüllt von Bentonit, eingebettet in stabiles Grundgestein. Die Sicherheit hänge damit nicht an einem einzelnen Material oder Bauteil, betont die Aufsichtsbehörde.
Billig war das nicht – vor allem nicht an Aufwand: Seit dem Jahr 2000 flossen laut STUK mehr als 250 Personenjahre in Aufsicht und Genehmigungsprüfung. Geprüft wurde nicht nur der Betrieb, sondern auch die Sicherheit über extrem lange Zeiträume.
Genehmigt heißt noch nicht eingelagert
Die Finnen bleiben nüchtern. Das Wirtschaftsministerium will den Beschlussvorschlag im Herbst vorlegen, entscheiden muss die Regierung. Selbst danach darf Posiva keine Brennelemente einlagern, bevor STUK die Betriebsbereitschaft separat bestätigt hat.
Posiva peilt weiterhin an, bis Ende 2026 so weit zu sein. Vorher müssen jedoch die Verkapselungsanlage und die unterirdischen Einrichtungen komplett getestet sein. Die Aufsicht kann Nachbesserungen verlangen – und fordert spätestens zehn Jahre nach der Genehmigung eine erste regelmäßige Sicherheitsüberprüfung.
Und Deutschland? Ein Endlager im Jahr 2074 – bestenfalls
Während Finnland nach gut vier Jahrzehnten Arbeit den Deckel schließt, steht Deutschland noch immer vor der Landkarte. Einem vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung beauftragten Gutachten zufolge kann ein Standort frühestens 2074 benannt werden – und das nur, wenn alles glattläuft. Gesetzlich vorgesehen war einmal das Jahr 2031.
Erst danach müsste der Bundestag zustimmen, dann kämen Planung, Genehmigung, Bau. Bis der erste Castor unter Tage verschwindet, könnte das nächste Jahrhundert begonnen haben.
Die Folgekosten trägt die Gegenwart: Über 1.000 Castor-Behälter stehen in oberirdischen Zwischenlagern quer durch die Republik, ausgelegt waren sie nie für derart lange Fristen. Für Ahaus und Gorleben laufen die Genehmigungen bereits 2034 aus. Auch die Finanzierung über den Staatsfonds KENFO war Berichten zufolge auf ein Verfahren bis 2031 kalkuliert.
Ein Lehrstück über Verfahren und Ergebnisse
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Lehrstück deutscher Politik: Finnland hat einen Standort, ein Konzept und eine Aufsicht, die prüft und entscheidet. Deutschland hat Gremien, Gutachten und Zeitpläne, die sich um Jahrzehnte verschieben.
Der Atomausstieg wurde in Rekordzeit vollzogen – die Entsorgungsfrage bleibt liegen. Wer Verantwortung übernehmen will, muss nicht nur abschalten, sondern auch aufräumen. Finnland zeigt gerade, dass es geht.
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