
Flucht nach Kanada: Berlin sucht verzweifelt neue Partner für die kriselnde Autoindustrie

Wenn der wichtigste Kunde plötzlich die Preise diktiert, sucht man sich eben neue Freunde. So lässt sich die jüngste Absichtserklärung zwischen Deutschland und Kanada im Bereich der Automobilindustrie wohl am treffendsten zusammenfassen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und ihre kanadische Amtskollegin Mélanie Joly unterzeichneten in Berlin ein Papier, das eine engere Kooperation beider Länder besiegeln soll. Klingt ambitioniert. Doch reicht eine Absichtserklärung, um die tiefgreifenden Probleme der deutschen Automobilbranche auch nur ansatzweise zu lösen?
Trumps Zollkeule treibt beide Länder zusammen
Der Hintergrund dieser neuen deutsch-kanadischen Liaison ist so offensichtlich wie ernüchternd: Donald Trumps aggressive Zollpolitik hat sowohl Ottawa als auch Berlin in die Bredouille gebracht. Die USA erheben mittlerweile 20 Prozent Zölle auf EU-Importe und satte 25 Prozent auf kanadische Waren. Für die kanadische Autoindustrie, die seit Jahrzehnten symbiotisch mit dem amerikanischen Markt verflochten ist, gleicht das einem wirtschaftlichen Erdbeben. Und Deutschland? Für die hiesige Industrie sind die Vereinigten Staaten nach wie vor der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Die Abhängigkeit ist gewaltig – und genau das rächt sich nun bitter.
Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, Ziel der Vereinbarung sei es, die industrielle Basis zu stärken, Lieferketten zu diversifizieren und die Einführung emissionsfreier sowie emissionsarmer Fahrzeuge weiter zu beschleunigen. Man wolle sich künftig zur „sektoralen Entwicklung" der Autoindustrie austauschen, den bilateralen Automobilhandel fördern und die „Batterie- und Wasserstoffmobilität" gemeinsam voranbringen. Zur Umsetzung werde eine „Gemeinsame Kooperationsgruppe Automobil und Mobilität" eingerichtet.
Schöne Worte, magere Substanz?
Man muss kein Zyniker sein, um bei solchen Formulierungen skeptisch zu werden. Eine Absichtserklärung ist kein Handelsabkommen. Sie ist nicht einmal ein verbindlicher Vertrag. Sie ist – mit Verlaub – ein Stück Papier mit guten Vorsätzen. Und davon hat die deutsche Politik in den vergangenen Jahren wahrlich genug produziert. Erinnern wir uns: Schon die Ampelregierung unter Olaf Scholz hatte vollmundig angekündigt, die Abhängigkeit von einzelnen Handelspartnern zu reduzieren. Passiert ist wenig. Die deutsche Autoindustrie steckt tiefer in der Krise als je zuvor.
Der renommierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer brachte es kürzlich auf den Punkt, als er konstatierte, das „größte Problem ist Deutschland" selbst. Überbordende Bürokratie, explodierende Energiekosten, eine ideologisch getriebene Verkehrspolitik und ein regulatorisches Umfeld, das Innovationen eher erstickt als fördert – all das macht den Standort Deutschland für die Automobilbranche zunehmend unattraktiv. Daran ändert auch eine Kooperationsvereinbarung mit Kanada herzlich wenig.
Die eigentlichen Probleme liegen vor der eigenen Haustür
Statt immer neue Absichtserklärungen zu unterzeichnen und sich in wolkigen Zukunftsvisionen von Wasserstoffmobilität zu ergehen, wäre es an der Zeit, die hausgemachten Probleme endlich anzupacken. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hatte versprochen, die Wirtschaft wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Doch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Infrastruktur retten soll, wird die Steuerzahler auf Generationen hinaus belasten – und ob davon auch nur ein Cent bei der Autoindustrie ankommt, steht in den Sternen.
Kanada mag ein sympathischer Partner sein. Doch wer glaubt, dass ein Land mit 40 Millionen Einwohnern den amerikanischen Markt mit seinen 330 Millionen Konsumenten ersetzen könnte, der betreibt Wunschdenken auf höchstem Niveau. Die deutsche Autoindustrie braucht keine neuen Kooperationsgruppen. Sie braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Und die kann nur Berlin schaffen – nicht Ottawa.
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