
Frankreichs Schuldenberg: Wird Paris zum Sprengsatz für den Euro?

Frankreich muss für zehnjährige Staatsanleihen derzeit rund 150 Basispunkte mehr zahlen als Deutschland. Einen so großen Abstand gab es zuletzt 2012, als die Euro-Schuldenkrise auf ihrem Höhepunkt war. Manche Anleger halten das für eine Kaufgelegenheit. Ein Anleihe-Experte warnt in einer viel beachteten Analyse dagegen vor einem gefährlichen Trugschluss.
Billig ist nicht gleich günstig
Die Überlegung klingt verlockend: Frankreich gehört zum Kern der Euro-Zone, also werde sich der Aufschlag schon wieder normalisieren. Nach Einschätzung des Analysten verlassen sich Investoren damit aber auf eine Vergangenheit, die als Maßstab nichts mehr tauge. Ein Risikoaufschlag könne historisch hoch sein und trotzdem zu wenig für das bieten, was noch kommen könnte.
Die Zahlen sind deutlich. Laut dem Statistikamt INSEE lagen Frankreichs Staatsschulden Ende Juni 2026 bei 3.595,5 Milliarden Euro. Das sind 119 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Wirtschaftsministerium in Paris rechnet für 2027 sogar mit 121,7 Prozent. Medienberichten zufolge stieg die Rendite zehnjähriger Papiere Anfang Oktober zeitweise auf rund 5 Prozent, so hoch wie seit 2002 nicht mehr.
Der Blick nach Italien
Der Experte schlägt deshalb einen anderen Vergleich vor: Italien. In der Schuldenkrise lag der Aufschlag italienischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen zeitweise bei mehr als 500 Basispunkten. Eine Prognose für Frankreich sei das ausdrücklich nicht. Es zeige aber, wie weit die Aufschläge steigen können, wenn Märkte das Vertrauen in solide Staatsfinanzen verlieren.
Ausgerechnet die früheren Sorgenkinder stehen heute besser da. Berichten zufolge hat Italien seine Schuldenquote seit 2020 um 15 Prozentpunkte gesenkt, Spanien sogar um 20. Frankreich hat sie dagegen weiter erhöht. Es wirkt wie ein Rollentausch, den in Brüssel lange niemand wahrhaben wollte.
Die Zwickmühle der EZB
Im Kern geht es um das sogenannte Moral-Hazard-Problem. Hilft Europa Frankreich ohne Bedingungen, hat Paris wenig Grund zum Sparen. Andere Hauptstädte würden dann die gleiche Großzügigkeit erwarten. Bleibt die Hilfe aus, treiben steigende Zinsen das Defizit weiter nach oben. Der Druck könnte sich dann auf die gesamte Währungsunion übertragen.
Das Notfallinstrument der Europäischen Zentralbank löst dieses Dilemma nach Ansicht des Analysten nicht. Das sogenannte TPI greift nur bei ungerechtfertigten, ungeordneten Marktbewegungen. Steigen die Zinsen, weil sich die Haushaltslage tatsächlich verschlechtert, ist ein Eingreifen viel schwerer zu begründen. Hinzu kommt: Gegen Frankreich läuft ein EU-Defizitverfahren.
Die Wahl als Unsicherheitsfaktor
Im Frühjahr 2027 wählt Frankreich einen neuen Präsidenten. Europäische Institutionen müssten sicher sein, dass Zusagen der jetzigen Regierung auch von der nächsten eingehalten werden, so der Experte. Diese Klarheit gibt es bisher nicht. Gleichzeitig steigen die Zinskosten im Budget laut Planung von etwa 79 auf rund 91 Milliarden Euro.
Und Deutschland? Der Zahlmeister wird schwächer
Für deutsche Bürger ist eine Sorge besonders wichtig: Der Analyst bezweifelt, dass Berlin noch die Kraft und den Willen hat, die Nachbarn aufzufangen. Deutschland könne zwar der sichere Hafen Europas bleiben und trotzdem als Retter ausfallen. Aus Sicht unserer Redaktion kommt das nicht überraschend. Die Regierung Merz hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro beschlossen, obwohl sie solide Finanzen versprochen hatte. Damit hat sie selbst Spielraum aufgebraucht.
Auch Spanien sieht der Experte als Risiko. Der Aufschlag dort sei noch gering, obwohl die Schulden bei rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Zudem regiert eine Minderheitsregierung. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat inzwischen vorgezogene Neuwahlen für den 29. November angekündigt.
Fazit: Das Gestern kommt nicht zurück
Gemessen an früheren Jahren mag Frankreich bei 150 Basispunkten billig erscheinen. Wer aber auf die Rückkehr der alten Ordnung setzt, wettet gegen die Rechenregeln. Viele Sparer achten deshalb auf Werte, die nicht vom Haushalt eines Staates abhängen. Physisches Gold und Silber haben in Schuldenkrisen schon oft als Absicherung gedient. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Bitte informieren Sie sich selbst, bevor Sie Geld anlegen. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie allein verantwortlich.
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