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Kettner Edelmetalle
03.09.2026
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Gas-Alarm vor dem Winter: Speicher leer, Turkstream läuft heiß

Gas-Alarm vor dem Winter: Speicher leer, Turkstream läuft heiß
Symbolbild: KI-generiert

Europas Gasspeicher sind so schlecht gefüllt wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen – und ausgerechnet jetzt fließt wieder mehr russisches Pipeline-Gas in die EU. Nach Daten des Netzbetreiberverbands Entsog stiegen die Lieferungen über Turkstream im August auf 17.337 Gigawattstunden, ein Plus von rund 7,25 Prozent gegenüber Juli. Gleichzeitig brachen die gesamten LNG-Einfuhren der EU seit Januar um mehr als 41 Prozent ein.

Die letzte Röhre – und sie wird wichtiger

Turkstream ist die einzige verbliebene Pipeline, über die Russland noch direkt Gas nach Europa schickt. Nord Stream liefert seit 2022 nichts mehr, die Jamal-Route über Belarus und Polen spielt für Westeuropa keine Rolle, und Anfang 2025 endete auch der Transit durch die Ukraine.

Das Gas läuft durch das Schwarze Meer in die Türkei, von dort über Bulgarien weiter nach Südost- und Mitteleuropa. Hauptabnehmer sind Ungarn und die Slowakei; auch Serbien, Rumänien, Griechenland und Nordmazedonien können versorgt werden. Zum Vergleich: Im April 2022 lagen die Turkstream-Mengen erst bei 9502 GWh.

Rekordkäufe aus der Arktis – trotz aller Sanktionsrhetorik

Besonders pikant: Beim russischen Flüssigerdgas aus der Arktisanlage Jamal verzeichnet die EU laut Daten des Analysehauses Kpler ein Rekordhalbjahr. 9,89 Millionen Tonnen in sechs Monaten, 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Von 140 Ladungen sollen 136 in europäischen Häfen gelandet sein – im Schnitt alle 1,3 Tage ein Schiff.

Größte Abnehmer waren demnach Frankreich, Belgien und Spanien. Die Umweltorganisation Urgewald beziffert die Rechnung auf bis zu sechs Milliarden Euro. Die Botschaft aus Brüssel lautet Ausstieg – die Zahlen erzählen eine andere Geschichte.

65,6 Prozent: Ein Rekord, den niemand wollte

Nach Zahlen von Gas Infrastructure Europe liegen die EU-Speicher aktuell bei 65,6 Prozent – der niedrigste Wert für diesen Zeitpunkt seit Beginn der Erfassung 2011. Deutschland steht mit rund 53,6 Prozent noch schlechter da. Im Mittel der Jahre 2011 bis 2025 waren die Speicher fast 30 Prozentpunkte voller.

Die Energieplattform Montel News rechnet vor, dass Europa mehr als 420 zusätzliche LNG-Ladungen bräuchte, um bis Anfang November wenigstens 80 Prozent zu erreichen. Das EU-Ziel liegt eigentlich bei 90 Prozent. Das Kölner EWI beziffert die Lücke Ende Juli auf rund 275 Terawattstunden – die LNG-Importe müssten sich mehr als verdoppeln.

Und der Markt reagiert bereits: Medienberichten zufolge kletterte der europäische Gaspreis zuletzt auf über 73 Euro je Megawattstunde – den höchsten Stand seit rund drei Jahren, befeuert auch von der Eskalation im Nahen Osten.

Verbot beschlossen, Ersatz unbekannt

Ab dem 1. Januar 2027 gilt das komplette Importverbot für russisches LNG, ab Herbst 2027 folgt das Pipeline-Gas. Woher die Ersatzmengen kommen sollen, konnte die EU-Kommission auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht beziffern. Ein Schelm, wer hier Planungslücken vermutet.

Auch die Türkei macht nicht mit: Energieminister Alparslan Bayraktar habe den geforderten Herkunftsnachweis für schwer umsetzbar erklärt und Turkstream verteidigt. Ankara wolle weiter russisches Gas beziehen.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier das Grundproblem europäischer Energiepolitik: Verbote werden schneller beschlossen als Alternativen organisiert. Die Rechnung zahlen am Ende Industrie und Verbraucher – über Gaspreise, Strompreise und Netzentgelte.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren. Physische Edelmetalle können als Beimischung zur Vermögenssicherung dienen – eine Garantie für Wertentwicklungen gibt es nicht.

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