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09.10.2026
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Geheimpoker um Nord Stream: Kassieren bald die USA an Putins Gas?

Geheimpoker um Nord Stream: Kassieren bald die USA an Putins Gas?
Symbolbild: KI-generiert

Washington und Moskau sollen hinter verschlossenen Türen über die Zukunft der Nord-Stream-Pipelines verhandeln. Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich auf fünf Personen, die mit den Vorgängen vertraut seien. Demnach geht es um den Einstieg eines US-Investors, der an russischen Gaslieferungen nach Europa mitverdienen könnte, sobald der Ukraine-Krieg endet. Wer dabei nicht am Tisch sitzt? Deutschland.

Kushner trifft Putins Vertrauten

Auf amerikanischer Seite spricht laut dem Bericht Jared Kushner, Sondergesandter und Schwiegersohn von Präsident Donald Trump. Sein Gegenüber ist Kirill Dmitrijew, ein enger Berater von Wladimir Putin. Die beiden hätten sich in den vergangenen Wochen in Moskau und New York getroffen. Wie ausführlich es dabei um Nord Stream ging, ist unklar. Zwei Quellen zufolge steht das Thema aber weiter auf der Tagesordnung.

Kushner sieht Geschäfte offenbar als Weg zum Frieden. Wenige Tage nach den Treffen in Moskau habe er in Kiew für sogenannte „Wohlstandsabkommen“ geworben. Die sollten den Regierenden etwas geben, worauf sie hinarbeiten könnten.

Das Weiße Haus antwortet ausweichend. Ein Regierungsvertreter erklärte laut Reuters, jeder Deal müsse von Russland mit der staatlichen Entwicklungsbank DFC und dem US-Finanzministerium ausgehandelt werden. Er müsse amerikanischen Steuerzahlern und Firmen nützen. Gleichzeitig habe es „zuletzt“ keine Gespräche über Nord Stream gegeben. Ein klares Dementi klingt anders.

Der zweite Deal: Lukoils Europageschäft

Nord Stream ist nicht das einzige Thema. Kushner und Dmitrijew sollen auch über den Verkauf von Geschäften des russischen Ölkonzerns Lukoil sprechen, von Raffinerien bis zu Tankstellen in Europa und anderswo. Kaufen soll laut Insidern ein Konsortium aus der DFC und Investoren aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Gegenzug würden die USA Sanktionen aufheben. Das Weiße Haus erklärte, man habe eine erhebliche Vorauszahlung und eine Gewinnbeteiligung für die USA ausgehandelt.

Berlin sagt Nein

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt ab. Nord Stream und russisches Gas seien in Europa sanktioniert, erklärte eine Sprecherin. Deutschland habe Alternativen gefunden. Für eine Wiederinbetriebnahme brauche es eine Genehmigung der Regierung, und die sei nicht gewollt. Der Grünen-Politiker Michael Kellner, der nach Kriegsbeginn für die Energiepolitik zuständig war, warnte vor einem schmutzigen Deal, der Europa teuer zu stehen komme. Amerikaner und Russen würden sich die Gewinne teilen.

Auch Polen und das Baltikum sind strikt dagegen. Die AfD dagegen will die Pipelines wieder öffnen. Laut Reuters will sich Dmitrijew Anfang kommenden Jahres mit der Parteiführung treffen.

Wer müsste zustimmen?

  • Sanktionen: Die USA und die EU haben Nord Stream sanktioniert, ein Neustart wäre derzeit illegal. Trump könnte die US-Sanktionen lockern. Gewinnen die Demokraten im November die Mehrheit im Kongress, wird das schwieriger.
  • Eigentümer: Gazprom hält 51 Prozent der Betreibergesellschaft, zwei deutsche Firmen zusammen 31 Prozent. Der Rest gehört einem französischen und einem niederländischen Unternehmen. Die deutschen Anteilseigner wollen ihre Anteile behalten.
  • Schäden: Im September 2022 wurden die Röhren durch Unterwasser-Explosionen schwer beschädigt.

Ein US-Regierungsvertreter hält einen Deal mittelfristig deshalb für unwahrscheinlich.

Deutschland als Zaungast

Vor dem Krieg bezog Deutschland mehr als die Hälfte seines Gases über Nord Stream aus Russland. Heute zahlen Industrie und Haushalte deutlich mehr für teures Flüssiggas, das zu einem großen Teil aus den USA kommt. Sollte der Plan aufgehen, könnten die Amerikaner also zweimal an Europas Energiehunger verdienen.

Ob Deutschland wieder russisches Gas kaufen sollte, darüber lässt sich streiten. Doch über die wichtigste Energieleitung des Landes entscheiden womöglich andere. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt das, wie wenig Gewicht Berlin bei geopolitischen Großgeschäften noch hat. Die Bundesregierung lehnt ab, hat aber kein eigenes Konzept dafür, wie Energie wieder bezahlbar werden soll.

Wer sein Vermögen vor solchen politischen Risiken schützen will, setzt oft auf Werte, die nicht von Pipelines, Sanktionen oder Absprachen zwischen Regierungen abhängen. Physisches Gold und Silber können dabei als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sinnvoll sein.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Bitte informieren Sie sich vor jeder Anlageentscheidung selbst. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.

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