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Kettner Edelmetalle
17.02.2026
18:06 Uhr

Genfer Doppelgipfel: Wie die USA die Weltpolitik diktieren – und Europa nur zusehen darf

Es ist ein diplomatisches Schauspiel von historischer Dimension, das sich an diesem Dienstag am Genfer See abspielt. Innerhalb weniger Stunden prallen dort zwei der gefĂ€hrlichsten Konflikte unserer Zeit aufeinander: die Verhandlungen ĂŒber das iranische Atomprogramm und die GesprĂ€che zur Beendigung des Ukraine-Krieges. Und wĂ€hrend die Vereinigten Staaten auf beiden BĂŒhnen die Regie fĂŒhren, bleibt Europa – einmal mehr – auf der ZuschauertribĂŒne sitzen. Ein Armutszeugnis fĂŒr einen Kontinent, der sich so gerne als geopolitischer Akteur inszeniert.

Atompoker mit Teheran: Diplomatie im Schatten der FlugzeugtrÀger

Am Vormittag eröffneten die GesprĂ€che zwischen Washington und Teheran. US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von PrĂ€sident Donald Trump, vertreten die amerikanische Seite. Trump selbst sei „indirekt" eingebunden, wie er vorab verkĂŒndete. Irans Außenminister Abbas Araghtschi betonte, er bringe „reale Ideen fĂŒr ein faires und ausgewogenes Abkommen" mit – eine Kapitulation unter Drohungen komme jedoch nicht in Frage.

Die Mullahs in Teheran hĂ€tten in den vergangenen Tagen Bereitschaft signalisiert, ihr hochangereichertes Uran zu verdĂŒnnen. Im Gegenzug verlange der Iran umfassende Sanktionslockerungen. Das Raketenprogramm stehe aus iranischer Sicht nicht zur Disposition. Araghtschi traf zudem den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, zu „tiefgehenden technischen GesprĂ€chen" ĂŒber Irans BestĂ€nde.

Doch wer glaubt, Washington setze allein auf die Macht des Wortes, der irrt gewaltig. Parallel zur diplomatischen Charmeoffensive hat das Pentagon seine Luft- und SeestreitkrĂ€fte in der Region massiv verstĂ€rkt. Die Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich: Entweder Teheran lenkt ein – oder die militĂ€rische Option liegt auf dem Tisch. Diplomatie und Drohkulisse als zwei Seiten derselben Medaille. Eine Strategie, die an die Zeiten der Kanonenbootpolitik erinnert, aber in der RealitĂ€t des 21. Jahrhunderts womöglich die einzige Sprache ist, die das Regime der Mullahs versteht.

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu machte derweil keinen Hehl aus seinem Misstrauen. Ein tragfĂ€higes Abkommen mĂŒsse aus seiner Sicht die vollstĂ€ndige Entfernung angereicherten Urans, den Abbau der Anreicherungsinfrastruktur sowie harte BeschrĂ€nkungen des iranischen Raketenprogramms beinhalten. US-Außenminister Marco Rubio Ă€ußerte sich ebenfalls zurĂŒckhaltend ĂŒber die Erfolgsaussichten. Die Skepsis ist berechtigt – schließlich hat die Geschichte gezeigt, dass Abkommen mit dem iranischen Regime die Haltbarkeit von Milch bei Zimmertemperatur haben.

Ukraine-Verhandlungen: Moskau will Territorien, Kiew will Garantien

Kaum waren die AtomgesprĂ€che angelaufen, richtete sich der Fokus auf das Hotel Intercontinental, unweit des UN-Sitzes. Dort fand die dritte Runde trilateraler GesprĂ€che zwischen Russland, der Ukraine und den USA statt – nach vorangegangenen Treffen in Abu Dhabi.

Der Zeitpunkt hĂ€tte kaum zynischer gewĂ€hlt sein können. Nur Stunden vor Verhandlungsbeginn meldete Kiew massive russische Angriffe. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sprach von fast 400 eingesetzten Drohnen und Dutzenden Raketen binnen 24 Stunden. Energie- und zivile Infrastruktur seien gezielt attackiert worden. Verhandeln, wĂ€hrend die Bomben fallen – das ist die brutale RealitĂ€t dieses Krieges.

Auf russischer Seite fĂŒhrt Putin-Berater Wladimir Medinski die Delegation an. Moskau wolle vor allem ĂŒber Territorien sprechen – also ĂŒber die 2014 und 2022 annektierten ukrainischen Gebiete, darunter Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Russland kontrolliert derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets. Kiew hingegen fordere zunĂ€chst belastbare Sicherheitsgarantien durch die USA und europĂ€ische Partner, bevor ĂŒberhaupt ĂŒber territoriale Fragen gesprochen werden könne. Auch der Status des Atomkraftwerks Saporischschja und mögliche westliche Truppen im Fall eines Waffenstillstands zĂ€hlten zu den heikelsten Punkten.

Trump drĂ€nge offenbar auf eine rasche Einigung, inklusive Wahlen in der Ukraine bis Mitte Mai. Ukrainische Vertreter klagten in der einheimischen Presse, dass gerade Washington den grĂ¶ĂŸten Druck auf sie ausĂŒbe, ZugestĂ€ndnisse zu machen. Man mag von Trumps Verhandlungsstil halten, was man will – aber zumindest verfolgt der amerikanische PrĂ€sident eine klare Linie: Ergebnisse statt endloser GesprĂ€chsrunden.

Europas geopolitische Bedeutungslosigkeit

Und wo bleibt Europa in diesem Machtpoker? Genau dort, wo es in den letzten Jahren immer stand: am Katzentisch. Weder Frankreich noch Deutschland noch Großbritannien – allesamt selbsternannte WortfĂŒhrer der sogenannten „Koalition der Willigen" – nehmen offiziell an den GesprĂ€chen teil. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron hatte im Vorfeld noch tapfer betont, Frieden ohne Europa werde keinen dauerhaften Bestand haben. Schöne Worte, die in Genf allerdings niemanden interessieren.

UrsprĂŒnglich sei der Verhandlungsort Genf vor allem in Paris als Chance verstanden worden, die EuropĂ€er nĂ€her an den GesprĂ€chstisch zu bringen als frĂŒhere Treffen in der TĂŒrkei oder im Golfraum. Doch Pustekuchen. Auch in der Schweiz bleibt der EU nur die Beobachterrolle – und das bei einem Konflikt, der unmittelbar die europĂ€ische Sicherheitsarchitektur betrifft.

Man muss sich diese AbsurditĂ€t auf der Zunge zergehen lassen: Ein Krieg tobt auf europĂ€ischem Boden, europĂ€ische Steuerzahler finanzieren Milliarden an Hilfsgeldern, europĂ€ische BĂŒrger tragen die wirtschaftlichen Konsequenzen der Sanktionen – und trotzdem sitzen die EuropĂ€er nicht mit am Tisch, wenn ĂŒber Frieden verhandelt wird. Das ist die bittere Quittung fĂŒr Jahre außenpolitischer Selbstverzwergung, fĂŒr eine EU, die sich lieber mit Genderrichtlinien und Heizungsverboten beschĂ€ftigt hat, als eine ernstzunehmende Sicherheits- und Verteidigungspolitik aufzubauen.

Deutschland als geopolitischer Zwerg

Besonders beschĂ€mend ist die Rolle Deutschlands. Unter der neuen Großen Koalition von Friedrich Merz wurde zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen, doch die Bundesrepublik spielt auf der weltpolitischen BĂŒhne weiterhin keine nennenswerte Rolle. Die jahrelange VernachlĂ€ssigung der Bundeswehr, die naive Energiepolitik der VorgĂ€ngerregierungen und die chronische UnfĂ€higkeit, nationale Interessen klar zu formulieren, rĂ€chen sich nun. WĂ€hrend Trump in Genf gleichzeitig zwei Krisen managt, steht Berlin am Spielfeldrand und schaut zu.

Die Genfer Doppelverhandlungen sind ein Weckruf – nicht nur fĂŒr die europĂ€ische Diplomatie, sondern fĂŒr jeden BĂŒrger, der verstehen will, wie die MachtverhĂ€ltnisse in der Welt tatsĂ€chlich verteilt sind. Die USA diktieren, Russland und China agieren, und Europa reagiert. Bestenfalls. In Zeiten solcher geopolitischer Unsicherheit, in denen Konflikte eskalieren und die Weltwirtschaft unter dem Druck von Sanktionen, Zöllen und militĂ€rischen Spannungen Ă€chzt, zeigt sich einmal mehr der Wert krisenfester Vermögenswerte. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch stets ihre Funktion als sicherer Hafen unter Beweis gestellt – als Schutzschild gegen die UnwĂ€gbarkeiten einer Welt, in der diplomatische Lösungen alles andere als garantiert sind.

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