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Kettner Edelmetalle
06.08.2026
19:48 Uhr
KI-generiert

Gold trotzt der Zinsangst: Über 4.300 Dollar – während Notenbanken heimlich weiter horten

Gold trotzt der Zinsangst: Über 4.300 Dollar – während Notenbanken heimlich weiter horten
Symbolbild: KI-generiert

Der Goldpreis hält sich hartnäckig über der Marke von 4.300 US-Dollar je Unze. Am Donnerstag notierte der aktivste Comex-Dezemberkontrakt bei rund 4.301 Dollar – nach einem Sprung von vier Prozent am Vortag und damit auf dem höchsten Stand seit dem 17. Juni. Der Auslöser: enttäuschende Arbeitsmarktzahlen aus den USA und eine überraschende Entspannung am Persischen Golf. Beides zusammen ließ die Wetten auf eine weitere Zinserhöhung im September in sich zusammenfallen wie ein schlecht gebautes Kartenhaus.

Wenn schwache Jobdaten zum Treibstoff werden

Der Personaldienstleister ADP meldete für Juli lediglich 44.000 neu geschaffene Stellen in der US-Privatwirtschaft. Erwartet worden waren rund 70.000. Ein Fehlbetrag, der an den Terminmärkten sofort umgedeutet wurde: Wenn der Arbeitsmarkt schwächelt, hat die Federal Reserve weniger Argumente, die Zinsschraube weiter anzuziehen. Und genau das ist seit Jahren das Grundgesetz des Goldmarktes – weniger Zinsdruck, mehr Luft für das Edelmetall.

Doch die Notenbanker geben sich kämpferisch. Fed-Gouverneurin Lisa Cook stellte klar, man sei weiterhin bereit, die Zinsen anzuheben, sollte die Inflation nicht nachgeben. Man habe möglicherweise nicht den Luxus, geduldig auf das Zwei-Prozent-Ziel zu warten.

Man bereitet sich also darauf vor, die Inflation zu bekämpfen, die man selbst mit jahrelangem billigem Geld erst erschaffen hat. Ein bemerkenswertes Schauspiel.

Hormus, Öl und die Illusion der Entwarnung

Parallel dazu sorgte der Nahe Osten für Erleichterung – zumindest kurzfristig. Die Fortschritte bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückten die Ölpreise um rund zehn Prozent innerhalb einer Woche. US-Präsident Donald Trump sprach von „sehr guten Gesprächen" mit Teheran über eine Waffenruhe und den Schutz der Schifffahrt. Fallende Energiepreise bedeuten weniger importierte Inflation – theoretisch.

Praktisch gilt: Wer glaubt, dass eine Meerenge, die fünf Monate lang blockiert war, sich mit ein paar freundlichen Worten dauerhaft befrieden lässt, hat die Geschichte des Nahen Ostens nicht gelesen. Die Verwundbarkeit der westlichen Lieferketten wurde in diesen Monaten schonungslos offengelegt – ein Thema, das man in Berlin lieber ausblendet, während man weiter über Klimaneutralität im Grundgesetz und 500 Milliarden Euro neue Schulden philosophiert.

Die zwei Gesichter der Nachfrage

Der World Gold Council liefert Zahlen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken: Die globale Goldnachfrage sank im zweiten Quartal auf 942 Tonnen – der niedrigste Wert seit Ende 2021. Die Investmentnachfrage halbierte sich in etwa, goldgedeckte ETFs verloren rund 45 Tonnen. Papiergold wurde also abgestoßen.

Und wer kaufte? Die Notenbanken. 289 Tonnen wanderten in ihre Tresore, rund das 1,6-Fache des Vorjahrestempos. Chinesische institutionelle Investoren erhöhten ihre Goldquoten weiter, während die Technologieaktien schwankten. Man sollte diesen Punkt sehr genau lesen: Während westliche Kleinanleger über ETF-Anteile hin- und herspringen, bauen Staaten physische Bestände auf. Die Institutionen, die das Geldsystem verwalten, misstrauen ihm offenbar selbst am meisten.

Silber im Windschatten – und noch weit unter dem Rekord

Silber gab leicht um 0,92 Prozent auf 61,71 Dollar je Unze nach, nachdem es am Mittwoch erstmals seit sieben Wochen wieder über 62 Dollar geklettert war. Vom Januar-Rekord bei 121,67 Dollar ist das Metall weit entfernt. Auch Gold liegt rund 23 Prozent unter seinem Höchststand von knapp 5.600 Dollar aus dem Januar – bei einem Plus von etwa 25 Prozent auf Jahressicht. Wer die Geschichte der Edelmetalle kennt, weiß: Solche Konsolidierungsphasen nach parabolischen Anstiegen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Sie waren historisch oft die Ruhe vor der nächsten Bewegung.

Bei den Goldminenwerten ging es aufwärts. Die großen Produzenten legten zwischen einem halben und gut einem Prozent zu – ein Reflex auf den festen Metallpreis, nicht mehr.

Der Freitag als Lackmustest

Alles hängt nun am US-Arbeitsmarktbericht. Ein weiterer schwacher Wert würde die Erwartung einer lockereren Geldpolitik zementieren und dem Gold Rückenwind geben. Eine positive Überraschung könnte die Zinsangst zurückholen und den Preis kurzfristig belasten. Doch das ist Tagesgeschäft, Marktrauschen, Zahlenzirkus.

Das größere Bild bleibt unverändert: Staaten, die sich in Rekordtempo verschulden, Notenbanken, die zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturangst zerrissen sind, geopolitische Verwerfungen an den Nervenpunkten des Welthandels. In Deutschland kommt hinzu, dass die neue Große Koalition unter Friedrich Merz genau jene Schuldenpolitik betreibt, die sie im Wahlkampf noch verurteilte. Wer den Kaufkraftverlust seiner Ersparnisse dem Vertrauen in politische Versprechen überlässt, handelt riskant. Physisches Gold und Silber, außerhalb des Bankensystems verwahrt, kennen kein Emittentenrisiko und keine Wahlversprechen.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden öffentlich zugänglichen Informationen wider. Kursangaben und Marktdaten können sich jederzeit ändern. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen durchzuführen und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für Verluste, die aus Entscheidungen auf Grundlage dieses Textes entstehen, übernehmen wir keine Haftung. Bei individuellen Fragen wenden Sie sich bitte an einen unabhängigen Steuer- oder Rechtsberater.

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