
Grenzkontrollen bleiben: Dobrindt verlängert bis März 2027

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Kontrollen an den deutschen Grenzen ein weiteres halbes Jahr aufrechterhalten. Wie die "Bild" in ihrer Mittwochausgabe berichtet, ging das entsprechende Gesuch bereits am Dienstag an die EU-Kommission in Brüssel. Verlängert sich nichts, laufen die Kontrollen über den 15. September hinaus bis Mitte März 2027 weiter.
Der Mechanismus ist bemerkenswert simpel: Widerspricht die Kommission nicht, gilt die Verlängerung automatisch. Dobrindt begründete den Schritt gegenüber der Zeitung mit der Lage an den europäischen Außengrenzen.
"Die Entwicklungen an den europäischen Außengrenzen zeigen: Das Zurückdrängen der illegalen Migration braucht weiterhin Kontrollen"
Brüssel drängt, die SPD bremst
Rückenwind bekommt der Minister dafür nicht von allen Seiten. EU-Innenkommissar Magnus Brunner hatte im Juni gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe ein schrittweises Zurückfahren der Binnengrenzkontrollen angemahnt.
Auch aus dem eigenen Kabinett kommt Gegenwind: Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) sprach sich im Juni gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" gegen eine Verlängerung aus. Mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) seien die Kontrollen perspektivisch überflüssig, so ihre Argumentation.
Man darf die Frage stellen, wie belastbar dieses "perspektivisch" ist. Das GEAS wurde jahrelang verhandelt, mehrfach verschoben und funktioniert an den Außengrenzen bislang bestenfalls in Teilen. Wer darauf die Sicherheit der deutschen Binnengrenzen setzt, verlässt sich auf ein Versprechen — nicht auf einen Zustand.
Was die Zahlen der Bundespolizei zeigen
Die Bilanz der verschärften Kontrollen, die im Mai 2025 begannen, lässt sich mit offiziellen Daten belegen. Nach Angaben der Bundespolizei wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 13.900 Personen an den Grenzen zurückgewiesen oder zurückgeschoben. 2025 waren es insgesamt etwa 42.200 Menschen, davon rund 24.400 seit Mai.
Noch deutlicher ist der Rückgang bei den Asylgesuchen im Grenzgebiet:
- 2023: knapp 57.000
- 2024: rund 18.200
- 2025: rund 7.500
- 1. Halbjahr 2026: rund 3.300
Ein Kollaps der Zahlen innerhalb von drei Jahren. Für die Befürworter der Kontrollen ist das der schlagende Beweis, dass Grenzen wirken.
Der Preis: Tausende Beamte im Dauereinsatz
Umsonst ist all das nicht. Medienberichten zufolge binden Kontrollen und Zurückweisungen bis zu 14.000 Einsatzkräfte der Bundespolizei — Personal, das anderswo fehlt. Gewerkschaftsvertreter kritisieren die Dauerbelastung seit Monaten.
Hinzu kommt: Kontrollen an Binnengrenzen sind nach dem Schengener Grenzkodex eigentlich nur befristete Ausnahmen. In Deutschland dauert diese "Ausnahme" an der österreichischen Grenze mit Unterbrechungen seit 2015 an, an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz seit Oktober 2023.
Symptom statt Ursache
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart die Verlängerung vor allem eines: Der Schutz der EU-Außengrenzen funktioniert nach wie vor nicht — sonst bräuchte es keine Schlagbäume mitten in Europa. Deutsche Polizisten übernehmen im Dauerbetrieb eine Aufgabe, die eigentlich Frontex und die Randstaaten der Union erfüllen müssten.
Für Pendler, Spediteure und Grenzregionen bedeutet das: Wartezeiten bleiben Alltag. Und die Debatte, ob Deutschland kontrollieren darf, dürfte spätestens im Frühjahr 2027 erneut aufflammen.

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