
Gysi warnt vor Selbstzerstörung: Antisemitismus-Debatte zerreißt die Linke
Was von der einst stolzen Linkspartei noch übrig ist, droht nun auch noch an einem erbitterten internen Kulturkampf zu zerbrechen. Gregor Gysi, das politische Urgestein und einstige Aushängeschild der Partei, schlägt Alarm – und das mit gutem Grund. Der Antisemitismus-Streit, der seit Monaten in der Linken schwelt, könnte der Partei den endgültigen Todesstoß versetzen.
Gysi fordert klare Kante gegen Judenhass
In einem Interview mit dem „Spiegel" drängte der frühere Fraktionsvorsitzende seine Partei zu einer unmissverständlichen Positionierung gegen Antisemitismus. „Solche Machtkämpfe sind nie gut für eine Partei", räumte Gysi ein, fügte jedoch hinzu, dass dieser Konflikt nun zwingend zu Ende geführt werden müsse. Auf dem Bundesparteitag im Juni müssten sich alle Beteiligten „sehr genau überlegen, welchen Weg sie gehen und welche Konsequenzen das hat". Am Ende müsse sich die Mehrheit klar gegen Antisemitismus stellen.
Man muss kein Sympathisant der Linkspartei sein, um zu erkennen, dass Gysi hier einen wunden Punkt trifft. Denn was sich in den vergangenen Monaten innerhalb der Partei abgespielt hat, ist symptomatisch für ein weit größeres Problem in der deutschen Gesellschaft: die schleichende Normalisierung antisemitischer Positionen unter dem Deckmantel vermeintlicher „Israelkritik".
Kernthemen im Schatten des Nahostkonflikts
Besonders bemerkenswert ist Gysis Warnung, dass die permanente Beschäftigung mit dem Nahostkonflikt von den eigentlichen Kernthemen der Partei ablenke. Soziale Gerechtigkeit, bezahlbares Wohnen, der Kampf gegen die AfD – all das gerate in den Hintergrund, während sich die Linke in endlosen Debatten über Israel und Palästina verzettele. „Sonst werden sich viele Menschen wieder von uns abwenden", mahnte der 77-Jährige. Angesichts der ohnehin desolaten Umfragewerte der Partei eine durchaus realistische Befürchtung.
Dass die Linke überhaupt noch wichtige Wahlen vor sich habe, wie Gysi betonte, dürfte mancher Beobachter bereits mit einem Fragezeichen versehen. Nach der Abspaltung des Bündnisses Sahra Wagenknecht und dem desaströsen Abschneiden bei der Bundestagswahl im Februar 2025 bewegt sich die Partei am Rande der politischen Bedeutungslosigkeit.
Rassismusvorwürfe gegen den Partei-Veteranen
Pikant wird die Angelegenheit durch die Gegenattacke aus den eigenen Reihen. Gysi hatte in einem früheren Interview darauf hingewiesen, dass viele Menschen mit „spezifischem Migrationshintergrund" in die Partei gekommen seien, die Sichtweisen auf Israel mitbrächten, die zum Teil falsch seien. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: In einem Brandbrief der parteiinternen Bundesarbeitsgemeinschaft „Migrantische Linke" warfen ihm mehr als 200 Mitglieder vor, „rassistische Narrative" zu reproduzieren.
Gysi wies dies als „so etwas von absurd" zurück, übte gleichzeitig aber auch Selbstkritik. Seine Wortwahl sei „nicht so glücklich" gewesen, räumte er ein. Er hätte nicht nur über migrantische Mitglieder sprechen sollen, sondern auch erwähnen müssen, dass es ebenso junge deutsche Mitglieder ohne Migrationshintergrund gebe, die Israel pauschal als koloniales und imperialistisches Projekt betrachteten – so wie es auch die Linksjugend kürzlich beschlossen habe. Dies zeuge von einem „ungeheuren Mangel an Geschichtswissen".
Dialog statt Denunziation?
Gysis Versuch, den Dialog zu suchen, verlief bislang im Sande. Er habe seinen Kritikern geschrieben, dass er bereit sei, mit ihnen zu reden. Eine Antwort stehe bis heute aus. Ein bezeichnendes Bild für den Zustand einer Partei, in der offenbar lieber übereinander als miteinander gesprochen wird.
Was dieser Vorgang einmal mehr offenbart, ist die tiefe Zerrissenheit der politischen Linken in Deutschland. Statt sich auf die drängenden sozialen Fragen zu konzentrieren – steigende Lebenshaltungskosten, explodierende Mieten, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich –, verliert sich die Partei in identitätspolitischen Grabenkämpfen. Es ist genau diese Prioritätenverschiebung, die viele Bürger von den etablierten Parteien entfremdet hat und weiter entfremdet.
Ob der Bundesparteitag im Juni tatsächlich die erhoffte Klärung bringt, darf bezweifelt werden. Zu tief sind die Gräben, zu verhärtet die Fronten. Eines steht jedoch fest: Eine Partei, die nicht in der Lage ist, sich klar und unmissverständlich gegen Antisemitismus zu positionieren, hat in der deutschen Parteienlandschaft nichts verloren. Das gilt nicht nur für die Linke, sondern für jede politische Kraft in diesem Land. Die Lehren der deutschen Geschichte dulden in dieser Frage keinen Interpretationsspielraum.

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