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Harry Potter raus, Kung Fu Panda rein: Uni-Filmabend sorgt für Wirbel

Harry Potter raus, Kung Fu Panda rein: Uni-Filmabend sorgt für Wirbel
Symbolbild: KI-generiert

Göttingen hat seinen eigenen kleinen Kulturkampf. Die Muslimische Hochschulgruppe (MHG) an der Universität Göttingen hat „Harry Potter und der Stein der Weisen“ aus dem Programm eines Filmabends für Erstsemester gestrichen, weil sie sich von J. K. Rowling distanzieren will. Der gesamte Erlös des Abends soll an Islamic Relief Deutschland gehen. Die Bundesregierung hatte dieser Organisation schon 2019 „signifikante personelle Verbindungen“ zur Muslimbruderschaft attestiert.

„Sorgfältige Recherche“ mit einem Schönheitsfehler

Medienberichten zufolge geht der Vorgang aus einer Nachricht in der Chatgruppe der Göttinger Neustudenten hervor. Unter dem Stichwort „Filmänderung“ teilte die MHG dort mit, man habe sich nach sorgfältiger Recherche dazu entschlossen, sich von der „Regisseurin“ und den von ihr vertretenen Werten zu distanzieren. Statt des Zauberlehrlings läuft am Dienstag im Hörsaal nun „Kung Fu Panda“.

Ganz so sorgfältig war die Recherche allerdings nicht. J. K. Rowling hat den Film gar nicht gedreht. Sie schrieb die Romanvorlage, Regie führte 2001 Chris Columbus. Ausgerechnet an einer Universität, die sich gern als Ort der Wissenschaft feiert, kann man über diese Schlamperei nur schmunzeln.

Warum Rowling zur Zielscheibe wurde

Mit ihren Büchern hat die Britin Generationen von Kindern zum Lesen gebracht. Seit Jahren gilt sie trotzdem als Feindbild des linken Aktivistenmilieus. Ihr „Vergehen“: Sie hält daran fest, dass es zwei biologische Geschlechter gibt, und kritisiert Teile der Transgender-Bewegung. Immer wieder werden deshalb Vorführungen der Harry-Potter-Filme abgesagt oder Kinos unter Druck gesetzt, zuletzt etwa in Kiel, wie berichtet wurde.

Dass sich nun ausgerechnet eine religiöse Hochschulgruppe diesem Boykott anschließt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Seit wann ist das Bekenntnis zu Mann und Frau an deutschen Hochschulen ein Grund für Ausgrenzung? Für viele Beobachter zeigt der Fall, wie weit die Cancel Culture inzwischen in den Universitätsalltag vorgedrungen ist.

Die Spenden gehen an einen umstrittenen Empfänger

Brisanter als die Filmauswahl ist das Ziel der Spenden. Laut einem Werbeposter der MHG auf Instagram soll der Erlös „im Rahmen der Charity Week an Bedürftige und Waisenkinder durch Islamic Relief Deutschland e.V.“ fließen. Die Charity Week ist eine jährliche Spendenaktion des Vereins. Nach eigenen Angaben beteiligen sich weltweit mehr als 8.000 Menschen direkt daran.

Bei den Sicherheitsbehörden ist die Organisation jedoch alles andere als unbekannt. Das zeigt ein Überblick über die Vorwürfe:

  • 2019: In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion sah die Bundesregierung sowohl bei Islamic Relief Worldwide als auch beim deutschen Ableger signifikante personelle Verbindungen zur Muslimbruderschaft oder ihr nahestehenden Organisationen. Nach einem Prüfbericht des Bundesrechnungshofs stellte das Auswärtige Amt seine Förderung ein.
  • 2014: Israel stufte die Organisation als terroristisch ein und verbot sie, weil sie Teil des Finanzsystems der Hamas sei.
  • 2020: Das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ setzte die Mitgliedschaft von Islamic Relief Deutschland vorübergehend aus.
  • 2026: Laut Medienberichten aus dem Mai rügte der Bundesrechnungshof frühere Zahlungen des Auswärtigen Amtes in Millionenhöhe. Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll dem „Focus“ mitgeteilt haben, die personellen Verflechtungen bestünden weiterhin.

Der Verein weist alle Vorwürfe zurück

Islamic Relief Deutschland bestreitet die Anschuldigungen entschieden. Der Verein verweist auf einen Reformprozess und betont, man habe keinerlei Kontakte zur Muslimbruderschaft und keine Verbindung zur Hamas. Gegen die israelische Einstufung wehrt sich die Dachorganisation nach eigenen Angaben vor Gericht.

Wo bleibt die Universität?

Am Ende bleibt ein schales Gefühl. Eine Autorin wird wegen ihrer Meinung aus dem Hörsaal verbannt. Gleichzeitig fließen Gelder an eine Organisation, die der Verfassungsschutz Berichten zufolge kritisch sieht. Das passiert in den Räumen einer staatlich finanzierten Hochschule. Ob die Universitätsleitung dazu etwas zu sagen hat, ist bislang nicht bekannt. Gerade ihr Schweigen dürfte viele Steuerzahler mehr beunruhigen als jeder Kinderfilm.

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