
Hauptstadt gehackt: Erpresser fordern 30 Bitcoin von Berlin

Sechs Terabyte Daten, ein Countdown im Darknet und eine Forderung in Kryptowährung: Hinter dem Cyberangriff auf die Berliner Landesverwaltung steckt nach Informationen des "Spiegel" die Ransomware-Gruppe Rhysida. Auf ihrer Leak-Seite drohen die Täter, das erbeutete Material zu veröffentlichen, sollte das Land Berlin nicht zahlen. Sicherheitskreise bestätigten dem Magazin, dass es sich um diese Gruppierung handele.
Was die Angreifer erbeutet haben wollen
Die Liste, die die Erpresser präsentieren, ist beklemmend. Den Angaben zufolge sollen sich in ihrem Besitz befinden:
- Daten aus knapp 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren
- mehr als 46.500 Verträge
- Informationen zu Einrichtungen der kritischen Infrastruktur
- sensible Justizunterlagen, Notfallpläne und Passwörter
- rund 6.000 Dateien mit Login-Daten
Als Beleg veröffentlichten die Hacker Ausschnitte aus Dokumenten – darunter Seiten mit Überschriften wie »Vertrauliche Personalsache« sowie Briefköpfe des Bundesrats und der Senatsverwaltung für Mobilität. Unabhängig verifizieren ließ sich das zunächst nicht. Die Vorgeschichte der Gruppe legt allerdings nahe, dass man ihre Ankündigungen ernst nehmen sollte: Rhysida ist seit Jahren aktiv, verschlüsselte im Herbst 2023 die Systeme der British Library und traf laut Berichten auch die Welthungerhilfe sowie die Stadtverwaltung Stuttgart.
Zwei Senatsverwaltungen offline – und ein irritierendes Dementi
Öffentlich gemacht hatte die Senatskanzlei den Vorfall am 17. August. Betroffen sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie jene für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz; beide wurden bereits am Freitag zuvor vom Landesnetz getrennt. Medienberichten zufolge nutzten die Angreifer eine Schwachstelle im IT-Betrieb einer der beiden Häuser, die ihre Systeme teilweise außerhalb des landeseigenen Dienstleisters ITDZ betreiben.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte auf einer Pressekonferenz:
Zumindest nach jetzigem Kenntnisstand sind keine sensiblen Daten abgeflossen.
Wegner sprach zugleich von einem ernsten Angriff und davon, dass man in gefährlichen Zeiten lebe. Die Darknet-Liste der Erpresser lässt diese Beruhigungsformel nun in einem anderen Licht erscheinen – auch weil Behördenkreise gegenüber dem rbb schon früh von "zum Teil sehr sensiblen" abgeflossenen Daten gesprochen hatten.
Wohngeld gestoppt, Briefwahl gestört – kurz vor der Wahl
Die Folgen spüren die Bürger direkt: Beantragung und Auszahlung von Wohngeld seien vorerst nicht möglich, bestätigte Wegner. Die Online-Beantragung von Briefwahlunterlagen für die Abgeordnetenhauswahl im September war einen Tag lang unterbrochen; die Wahl selbst sei nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) nicht beeinträchtigt.
Das Berliner Landesnetz verbindet rund 600 Standorte – darunter Polizei, Feuerwehr und Kliniken. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein bitteres Muster: Während Milliarden in Sondervermögen und Prestigeprojekte fließen, hinkt die digitale Grundsicherung des Staates hinterher. Ein Grünen-Abgeordneter kritisierte laut rbb Versäumnisse bei der IT-Zentralisierung. Ermittelt wird von LKA, Staatsanwaltschaft und BSI, ein Krisenstab tagt.
Wenn der Staat den Stecker zieht
30 Bitcoin fordern die Täter – je nach Kurs ein Millionenbetrag, zahlbar in einer Währung, die sich der staatlichen Kontrolle entzieht. Der Vorfall führt vor Augen, wie verwundbar rein digitale Strukturen sind: Wo ein Netzwerk hängt, steht der Bürger vor verschlossenen Türen. Werte, die man physisch besitzt und die keinen Serverzugang brauchen, gewinnen in solchen Momenten an Charme.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Einschätzung der Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden.












