
Hurrikan Isaias: Ein Viertel des Golf-Öls steht still – droht Preisschock?

Der erste Hurrikan der Atlantiksaison legt die amerikanische Ölförderung im Golf von Amerika teilweise lahm. Nach Angaben aus der Branche ruhen rund 25 Prozent der Offshore-Rohölförderung und 16 Prozent der Erdgasproduktion. Isaias soll in der Nacht zu Samstag zwischen Mississippi und Florida an Land gehen – mitten in einem Ölmarkt, der ohnehin schon kaum noch Luft hat.
Plattformen geräumt, Küsten im Ausnahmezustand
Wie das National Hurricane Center in Miami mitteilte, erreichte Isaias zuletzt Windgeschwindigkeiten von etwa 75 Meilen pro Stunde, also rund 120 km/h. Das Zentrum des Sturms lag dabei rund 460 Meilen südsüdwestlich der Mississippi-Mündung. Spätere Meldungen sprechen bereits von rund 80 Meilen pro Stunde. Die Meteorologen gehen davon aus, dass Isaias sich weiter verstärkt.
Die Betreiber haben acht Förderplattformen und zwei Bohranlagen evakuiert. An Land rufen die Gouverneure von Florida und Alabama Medienberichten zufolge für Dutzende Bezirke den Notstand aus. Schulen schließen, für Teile der Küste gelten Evakuierungsanordnungen. Gefährdet sind Louisiana, Mississippi, Alabama und der Florida Panhandle.
Die Region weiß, was ein Sturm anrichten kann. Camille tötete 1969 mehr als 250 Menschen, Katrina kostete 2005 fast 1.400 Menschen das Leben. Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: Laut US-Wetterdienst bildete sich der erste Atlantik-Hurrikan eines Jahres zuletzt 1905 so spät, damals ebenfalls am 8. Oktober.
Die Achillesferse heißt Pascagoula
Brisant ist vor allem die Zugbahn. Die meisten Modelle sehen den Landfall östlich der großen Energieanlagen in Mississippi und Louisiana. Schon ein abrupter Schwenk nach Westen würde aber zentrale Raffinerien ins Visier nehmen, darunter Chevrons Werk in Pascagoula an der Golfküste von Mississippi.
Dort werden täglich 369.000 Barrel Rohöl zu Benzin, Diesel, Kerosin und hochwertigen Grundölen verarbeitet. Fällt so eine Anlage aus, fehlt das sofort an den Zapfsäulen. Die US-Raffinerien arbeiten ohnehin nahe an der Kapazitätsgrenze. Für Fehler bleibt da kaum Spielraum.
Der Golf ist für die USA alles andere als eine Randnotiz. Berichten zufolge kommen von dort fast 15 Prozent des jährlich in den Vereinigten Staaten geförderten Rohöls.
Ein Sturm, der auf einen angeschlagenen Markt trifft
Isaias kommt zur denkbar schlechtesten Zeit. Seit dem Beginn der US-israelischen Militäroperation gegen Iran Ende Februar ist der Ölmarkt im Krisenmodus. Angriffe auf Tanker und Pipelines im Nahen Osten haben die Preise nach oben getrieben. Laut US-Energiebehörde EIA lag Brent im September im Schnitt bei 114 Dollar je Barrel. Mitte des Monats waren es zeitweise sogar 131 Dollar.
Am Donnerstag stieg Brent wieder auf über 105 Dollar und lag damit mehr als 60 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Internationale Energieagentur will die Freigabe von Ölreserven beschleunigen und dabei vor allem Diesel bereitstellen. Ein Marktbeobachter bezeichnete Europa als „ground zero“ der Versorgungskrise. Für deutsche Pendler, Spediteure und Mittelständler ist das eine bittere Nachricht.
Entwarnung mit Fragezeichen
Etwas Hoffnung macht Chuck Watson, Risikomodellierer bei Enki Research. Wenn die vorhergesagte Zugbahn halte, würden die Ausfälle bei Öl und Gas wohl nicht länger als eine Woche dauern. Allerdings steht vor dieser Prognose ein großes „Wenn“, und Hurrikane richten sich nicht nach Modellen.
Fazit: Teure Energie trifft auf instabile Lieferketten
Isaias zeigt, wie anfällig die Energieversorgung der westlichen Welt geworden ist. Kriege, Engpässe bei Raffinerien und Naturgewalten verstärken sich gegenseitig. Für Sparer heißt das: Inflationsrisiken bleiben hoch. Physisches Gold und Silber können deshalb als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein, denn sie hängen weder an Pipelines noch an Wetterkarten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen.
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