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08.09.2026
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Ifo-Warnung: Dem Osten droht der Verlust der Zulieferindustrie

Ifo-Warnung: Dem Osten droht der Verlust der Zulieferindustrie
Symbolbild: KI-generiert

Kurz nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt trifft sich in Potsdam die ostdeutsche Wirtschaft zum Unternehmertag. Die Stimmung ist gedrückt – und ein Ökonom des Ifo-Instituts Dresden legt in einem Interview den Finger tief in die Wunde. Sein Befund: Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise sehe er schwarz.

„Hier droht die ganze Zuliefererindustrie zu verschwinden"

Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Dresdner Ifo-Niederlassung, zeichnet ein düsteres Bild. Die Autoindustrie sei der größte Industriezweig Ostdeutschlands – und stehe durch den erzwungenen Umstieg auf Elektromobilität vor enormen Belastungen. Seine Warnung im Wortlaut:

Hier droht also die ganze Zuliefererindustrie zu verschwinden.

Der Ökonom verweist zudem auf die Chemie. Sollte der US-Konzern Dow sein Werk im sächsischen Böhlen tatsächlich stilllegen, hänge nach seiner Einschätzung der halbe Chemiepark Leuna in der Luft – wegen des engen Stoffverbunds über Pipelines. Medienberichten zufolge will Dow den Steamcracker in Böhlen und Anlagen in Schkopau bis Ende 2027 schließen; rund 550 Beschäftigte seien betroffen.

Ein Aufschwung auf Pump

Besonders bemerkenswert: Ragnitz hält die derzeitige leichte Konjunkturbelebung für trügerisch. Was der Bund über Rüstungsausgaben und das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz in den Markt pumpe, sei aus seiner Sicht eher ein künstlicher Aufschwung. Die private Binnennachfrage – Investitionen und Konsum – komme dagegen überhaupt nicht in Gang.

Ein Satz, der es in sich hat. Denn er beschreibt exakt das Muster, das Kritiker der Berliner Schuldenpolitik seit Monaten anprangern: Staatlich finanzierte Strohfeuer ersetzen keine echte Wettbewerbsfähigkeit. Die Rechnung für das 500-Milliarden-Paket zahlen künftige Generationen.

Bildung als blinder Fleck

Auch beim Nachwuchs sieht der Ökonom Alarmzeichen. Sachsen-Anhalt habe bundesweit die höchste Schulabbrecherquote von gut 14 Prozent und zugleich die niedrigste Abiturientenquote aller Bundesländer. Wer studiere, verlasse die Region häufig nach dem Abschluss. Das Ergebnis sei paradox: Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel gleichzeitig.

Sonderwirtschaftszonen – Polens Rezept für den Osten?

Sein Gegenmittel klingt erfrischend unideologisch: eine Deregulierungsinitiative für ganz Deutschland. Und falls das im Bund nicht gelinge, könne man im Osten anfangen – mit Sonderwirtschaftszonen, wie Polen sie intensiv nutze. Ein Teil der polnischen Dynamik komme genau daher. Schon vor 20 Jahren habe es einen solchen Vorschlag gegeben, die Politik habe damals nichts davon hören wollen.

Funktioniere das Modell, ließe es sich später auf die gesamte Republik übertragen. Auch Genehmigungsverfahren gehören auf den Prüfstand: Die Bündelung der zahllosen beteiligten Behörden wäre laut Ragnitz bereits ein Fortschritt.

Politische Unsicherheit als Investitionsbremse

Zur Landtagswahl äußert sich der Ökonom zurückhaltend. Nach ersten Wahlanalysen habe gut die Hälfte der Unternehmer in Sachsen-Anhalt die AfD gewählt; im Handwerk habe man von der Politik der Bundesregierung die Nase voll. Ob sich daraus Verbesserungen ergäben, stehe für ihn auf einem anderen Blatt – viele Vorhaben ließen sich mangels landespolitischer Kompetenzen gar nicht umsetzen. Laut vorläufigem Ergebnis kam die AfD auf 43,8 Prozent, eine Mehrheit verfehlte sie.

Instabile Regierungsverhältnisse, so seine Befürchtung, könnten die Investitionsbereitschaft lähmen. Aus Sicht unserer Redaktion ist die eigentliche Ursache aber älter: Jahre der Energie- und Regulierungspolitik, die Industrie verteuert statt gesichert hat.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Anlageentscheidungen – auch der Erwerb physischer Edelmetalle als Beimischung zur Vermögenssicherung – erfordern eigene Recherche und liegen in der Verantwortung jedes Einzelnen.

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