
Industrie auf der Flucht: 60 Prozent der großen Unternehmen kehren Deutschland den Rücken

Es ist keine schleichende Erosion mehr, es ist ein Exodus. Eine neue Erhebung der Deutschen Industrie- und Handelskammer unter rund 3.100 Betrieben liefert Zahlen, die man in einem Industrieland eigentlich für unmöglich halten würde: Bei den großen Industrieunternehmen beschäftigen sich etwa 60 Prozent mit der Verlagerung ins Ausland oder mit der Einstellung ihrer Aktivitäten hierzulande – und jedes dritte dieser Unternehmen setzt entsprechende Maßnahmen bereits um. Nicht "prüft", nicht "erwägt". Setzt um.
Der Preis der Ideologie steht jetzt auf der Stromrechnung
Knapp die Hälfte der befragten Betriebe berichtet, dass die Stromkosten in den vergangenen zwölf Monaten erneut gestiegen seien. Bei Gas und Öl sprechen sogar zwei Drittel von höheren Belastungen. Das DIHK-Energiewende-Barometer, das nach dem Tiefpunkt von 2023 zwei Jahre lang eine zaghafte Erholung zeigte, rutscht wieder auf minus elf Punkte ab. Mehr als 40 Prozent aller Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende und deren Kosten beschädigt – in der Industrie sind es rund zwei Drittel, im Handel 40 Prozent.
DIHK-Präsident Peter Adrian formuliert es so, dass globale Krisen auf ungelöste strukturelle Probleme des Standorts träfen und dies die Energiekosten hochhalte. Die Folgen seien sinkende Wettbewerbsfähigkeit, verschobene Investitionen und abwandernde Produktion. Man darf das übersetzen: Wer Kernkraftwerke abschaltet, Kohle verteufelt, Gas politisch verknappt und dann noch Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Reststrom stapelt, bekommt am Ende genau das, was Deutschland gerade erlebt.
Wenn nicht mehr investiert wird, ist die Zukunft schon verkauft
Besonders bitter: Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in die eigenen Kernprozesse. Jeder vierte Betrieb legt Klimaschutzinvestitionen auf Eis – nicht aus Trotz, sondern weil das Geld fehlt. Und 16 Prozent schieben Forschung und Innovation auf. Adrian nennt es besorgniserregend, dass hohe Energiekosten nicht mehr nur das laufende Geschäft belasteten, sondern auch Zukunftsinvestitionen verhinderten. Wer heute nicht investiere, verliere morgen Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.
Ein Land, das seine eigene Substanz verheizt, um moralisch als Vorbild dastehen zu können, wird am Ende weder wohlhabend noch vorbildlich sein.
Die Wunschliste der Wirtschaft – und das Schweigen der Politik
Vier von fünf Unternehmen fordern Priorität und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur. 78 Prozent verlangen eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis. Rund drei Viertel wollen, dass Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit endlich zu Leitprinzipien werden. Adrian selbst spricht von weniger staatlicher Detailsteuerung und mehr Markt. Man hat der Bundesregierung also längst aufgeschrieben, was zu tun wäre – die versprochene Stromsteuersenkung für alle wartet bis heute auf ihre Umsetzung, während parallel 500 Milliarden Euro Sondervermögen durch die Republik geschoben werden und die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz zementiert wurde. Schulden für Beton, Ideologie im Grundgesetz, aber keine wettbewerbsfähigen Strompreise. Das ist die Bilanz.
Bemerkenswert bleibt die Wortwahl
Auch der DIHK betont brav, dass die Unternehmen hinter dem Ziel der Klimaneutralität stünden und dass Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam gedacht werden müssten. Man möchte sich offenbar mit niemandem verscherzen. Doch wenn die Kosten der Transformation die Transformation selbst erwürgen – und genau das räumt der Verband indirekt ein –, dann ist der freundliche Ton womöglich das Problem. Klartext klingt anders. Ein Leser aus Andalusien brachte es unter dem Ursprungsbericht auf den Punkt: Kein Vorstand könne langfristige Investitionen über 40 oder 50 Jahre mit Ideologien begründen, ohne persönlich haftbar zu werden.
Was das für Sparer bedeutet
Deindustrialisierung ist kein abstraktes Wort. Sie bedeutet weniger Arbeitsplätze, sinkende Steuereinnahmen, wachsende Staatsschulden und – am Ende der Kette – eine Währung, deren Fundament brüchig wird. Wer die eigene Kaufkraft nicht ausschließlich einer Politik überlassen möchte, die den Wohlstand von morgen für die Symbolik von heute verpfändet, sollte über eine breite Streuung seines Vermögens nachdenken. Physisches Gold und Silber haben in Zeiten industrieller und monetärer Umbrüche seit Jahrhunderten ihre Rolle als Vermögensanker bewiesen – als Ergänzung eines gesunden Portfolios, ohne Gegenparteirisiko und ohne Abhängigkeit von politischen Kursen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche; für Entscheidungen und deren Folgen ist jeder Anleger selbst verantwortlich. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.
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