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19.01.2026
06:51 Uhr

Island setzt auf Bücher statt Bildschirme: Bildungsministerin fordert Social-Media-Verbot für Jugendliche

Island setzt auf Bücher statt Bildschirme: Bildungsministerin fordert Social-Media-Verbot für Jugendliche

Während Deutschland noch darüber debattiert, ob Smartphones im Klassenzimmer nun Fluch oder Segen sind, schreitet der kleine Inselstaat im Nordatlantik zur Tat. Islands frisch ernannte Bildungsministerin Inga Sæland hat eine klare Kampfansage formuliert: Die Lesekompetenz der Jugend soll wieder in den Mittelpunkt rücken – und soziale Medien für unter 15-Jährige verboten werden.

Alarmierende Defizite bei der Lesefähigkeit

Die Diagnose der Ministerin ist schonungslos. In einem Interview mit dem isländischen Staatssender RÚV erklärte Sæland, dass ein erheblicher Teil der isländischen Kinder schlichtweg die Chance auf eine vernünftige Bildungszukunft verspiele – weil man es versäumt habe, ihnen das Lesen beizubringen. Technisch könnten viele Schüler zwar Buchstaben entziffern, doch am Textverständnis hapere es gewaltig.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: In einem der wohlhabendsten und am besten entwickelten Länder der Welt scheitern Kinder an einer Grundfertigkeit, die seit Jahrhunderten als Fundament jeder Bildung gilt. Sæland blickt dabei nach Finnland, dessen Schulsystem sie als Vorbild bezeichnet. Ein interessanter Ansatz, bedenkt man, dass auch dort die PISA-Ergebnisse in den letzten Jahren deutlich nachgelassen haben.

Widerstand aus dem Bildungsestablishment

Erwartungsgemäß stößt die Ministerin auf Gegenwind – und zwar ausgerechnet aus den Reihen jener, die für die Misere mitverantwortlich sein dürften. Rannveig Oddsdóttir, Dozentin an der Bildungsfakultät der Universität Akureyri, wirft Sæland vor, das Vertrauen in den Lehrerberuf zu untergraben. Die Ministerin sage damit im Grunde, dass ein Drittel der Schulen und Lehrer auf der untersten Stufe völlig falsch liege und gefährliche Methoden anwende.

Eine bemerkenswerte Reaktion. Statt die offensichtlichen Probleme anzuerkennen und nach Lösungen zu suchen, flüchtet man sich in Empörung über vermeintlich verletzte Berufsehre. Dieses Muster kennt man auch aus Deutschland zur Genüge: Kritik an Zuständen im Bildungswesen wird reflexartig als Angriff auf die Lehrerschaft umgedeutet.

Altersgrenze für soziale Medien im Einklang mit anderen nordischen Ländern

Besonders beachtenswert ist Sælands Ankündigung, eine Altersgrenze von 15 Jahren für die Nutzung sozialer Medien einzuführen. Damit folgt Island dem Beispiel anderer nordischer Staaten, die erkannt haben, welchen Schaden die permanente digitale Berieselung bei Heranwachsenden anrichtet. Konzentrationsstörungen, Suchtverhalten, psychische Probleme – die Liste der negativen Auswirkungen ist lang und wissenschaftlich gut dokumentiert.

Es ist erfrischend zu sehen, dass es noch Politiker gibt, die den Mut aufbringen, gegen den Zeitgeist anzuregieren. Während andernorts jede Regulierung des digitalen Raums als Einschränkung der Freiheit verteufelt wird, setzt Island auf den Schutz seiner Jugend vor den Auswüchsen einer Technologie, deren Geschäftsmodell auf Aufmerksamkeitsraub basiert.

Ein Vorbild für Deutschland?

Die Entwicklung in Island sollte auch hierzulande aufhorchen lassen. Die deutschen Bildungsergebnisse sind seit Jahren rückläufig, die Lesekompetenz vieler Schüler erschreckend schwach. Gleichzeitig verbringen Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in sozialen Netzwerken, deren Algorithmen gezielt auf Suchtpotenzial optimiert sind.

Doch während ein kleiner Inselstaat mit gerade einmal 380.000 Einwohnern entschlossen handelt, verliert sich die deutsche Bildungspolitik in endlosen Debatten über Digitalisierung, Inklusion und Gendersternchen. Die Prioritäten scheinen völlig verschoben. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: Lesen, Schreiben, Rechnen – die Grundlagen, ohne die keine weiterführende Bildung möglich ist.

Islands Vorstoß mag manchem als rückwärtsgewandt erscheinen. In Wahrheit ist er ein mutiger Schritt zurück zu bewährten Werten und traditionellen Bildungsidealen. Bücher statt Bildschirme, Konzentration statt Zerstreuung, echtes Wissen statt oberflächlichem Scrollen. Man kann nur hoffen, dass dieser Ansatz Schule macht – im wahrsten Sinne des Wortes.

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