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17.08.2026
10:06 Uhr
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Jeder Zehnte ohne Job und Lehre: Deutschlands stille Bildungskrise

Jeder Zehnte ohne Job und Lehre: Deutschlands stille Bildungskrise
Symbolbild: KI-generiert

Zehn Prozent der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland waren im vergangenen Jahr weder erwerbstätig noch in Ausbildung, Schule oder Studium. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mit. 2022 lag der Anteil noch bei 8,8 Prozent — der Trend zeigt also nach oben, und zwar in die falsche Richtung.

Fachleute sprechen bei dieser Gruppe von "NEETs": Menschen, die sich weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung befinden. Die Kennzahl ist breiter als die Arbeitslosenquote — sie erfasst auch junge Menschen, die dem Arbeitsmarkt wegen familiärer Pflichten oder Krankheit vorübergehend nicht zur Verfügung stehen.

Im EU-Vergleich noch gut — aber gegen den Trend

Der EU-Durchschnitt lag laut Statistik bei 13,9 Prozent. Spitzenreiter im positiven Sinne sind die Niederlande mit 5,6 Prozent, Schweden mit 7,3 und Tschechien mit 7,6 Prozent. Am oberen Ende: Rumänien mit 22,8 Prozent, Bulgarien mit 17,3 und Frankreich mit 16,2 Prozent.

Deutschland steht damit im Mittelfeld — doch die Richtung irritiert. Beim breiter gefassten Indikator für die 15- bis 29-Jährigen sank die Quote europaweit zwischen 2015 und 2025 den Daten zufolge um 4,2 Punkte auf 11,0 Prozent. Deutschland gehörte laut Eurostat zu den wenigen Staaten, in denen sie stieg. Brüssel will bis 2030 unter neun Prozent kommen.

"Besorgniserregend": Experten schlagen Alarm

Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, verwies zunächst auf die Stärke des deutschen Modells:

"Das deutsche Ausbildungssystem, insbesondere das duale System, ist international dafür geschätzt, dass es sichere Übergänge zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt schafft."

Den Anstieg seit 2022 nannte sie jedoch "besorgniserregend". Er zeige, dass sich die Ausbildungsplatzsituation verschlechtert habe. Einem wachsenden Teil der Jugendlichen gelinge der Sprung von der Schule in die Lehre und von dort in den Beruf nicht mehr.

Das Paradox: Lehrstellen bleiben leer, Bewerber ohne Platz

Besonders bitter ist der Blick auf den Ausbildungsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit standen im Juli 2026 rund 147.000 gemeldeten Bewerbern ohne Platz etwa 162.000 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Angebot und Nachfrage finden also nicht zusammen — ein klassisches Passungsproblem.

Auch die Wirtschaft klagt: In der DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 gaben Medienberichten zufolge 49 Prozent der befragten Betriebe an, 2025 nicht alle Plätze besetzt zu haben. Zwei Drittel davon nannten fehlende geeignete Bewerbungen als Grund — die Einschätzung der Unternehmen, nicht ein amtlicher Befund.

Die Gründe der Betroffenen sind vielfältig: Laut Statistikamt nannten 20 Prozent der nicht erwerbsaktiven 20- bis 24-Jährigen Betreuungsaufgaben, 18 Prozent gesundheitliche Einschränkungen, 17 Prozent bildungsbezogene Gründe wie das Warten auf einen Platz. Ein Viertel suchte aktiv Arbeit.

Mehr Staat oder bessere Schulen?

Kohlrausch fordert eine "echte Ausbildungsgarantie" — ein Recht auf einen Ausbildungsplatz. Kritiker halten dem entgegen: Wo Lehrstellen zu Tausenden leer bleiben, fehle nicht der Rechtsanspruch, sondern die Grundfähigkeit vieler Schulabgänger. Aus Sicht unserer Redaktion ist das vor allem ein Zeugnis für eine Bildungspolitik, die über Jahre Symbole vor Substanz gestellt hat.

Und die Rechnung zahlt am Ende die Volkswirtschaft: Laut einer IAB-Auswertung stieg der Anteil der 20- bis 34-jährigen Erwerbspersonen ohne Berufsabschluss von 9,9 Prozent (2013) auf 13,0 Prozent (2024). Wer heute keine Qualifikation erwirbt, fehlt morgen als Beitragszahler. In einem Land mit alternder Bevölkerung ist das ein Risiko für Rente, Sozialkassen — und für die Kaufkraft des Ersparten. Wer sein Vermögen langfristig absichern will, hält daher physische Edelmetalle als Beimischung eines breit gestreuten Portfolios für erwägenswert.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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