
Jemen-Poker: Ruft Riad jetzt Peking zu Hilfe – und Washington schaut zu?

Saudi-Arabien soll China offiziell gebeten haben, im eskalierenden Krieg mit der Huthi-Regierung in Sanaa zu vermitteln. Das berichten jemenitische Quellen seit dem Wochenende. Eine Bestätigung aus Riad oder Peking gibt es bislang nicht. Doch schon die Meldung allein zeigt, wie sich die Gewichte am Golf verschieben.
Den Berichten zufolge habe Riad den Chinesen signalisiert, einem Waffenstillstand zuzustimmen. Der solle sämtliche Militäroperationen umfassen, ausdrücklich auch die Luftangriffe. Sanaa reagiere jedoch kühl und knüpfe eine Bedingung daran: Erst müsse Saudi-Arabien seine Verpflichtungen für eine friedliche Lösung erfüllen. Welche genau, bleibt offen.
Raketen auf Riad, Offensive im Jemen
Die angebliche Friedensfühler kommen mitten im Feuer. Laut CNN flammte der Konflikt im Juli 2026 wieder auf, nachdem die seit April 2022 geltende UN-Waffenruhe die Gewalt jahrelang gedämpft hatte. Die Huthis attackierten saudische Ölanlagen und Tanker, Riad schlug aus der Luft zurück.
Im Oktober eskalierte die Lage weiter. Der Konflikt-Tracker des Council on Foreign Relations verzeichnet für den 6. Oktober Angriffe auf die Flughäfen Jazan und Najran. Am 8. Oktober schlugen ballistische Raketen am King-Khalid-Flughafen in Riad ein – Berichten zufolge mit Todesopfern. Saudische Kräfte meldeten im Gegenzug Schläge gegen Ziele in Sanaa.
Parallel rüstet Riad diplomatisch auf. Bei einem Krisentreffen am 5. Oktober vereinbarten Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan laut chinesischer Staatsagentur Xinhua die rasche Verlegung von Streitkräften im Rahmen eines erst zwei Monate alten Verteidigungspakts. Pakistan bestätigte nach CNN-Angaben, Truppen im Königreich stationiert zu haben.
Schlecht vorbereitet und von Washington enttäuscht?
Selbst CNN kommt zu einem wenig schmeichelhaften Urteil: Riad habe den Wiederausbruch des Krieges offenbar schlecht vorbereitet. Der von Saudi-Arabien verlangte schnelle Abzug der Emirate habe bei den verbündeten jemenitischen Kräften ein Vakuum hinterlassen. Zudem sei das Königshaus enttäuscht von der Verlässlichkeit der USA.
Und genau hier wird es spannend. Ein Land, das seit 2015 Krieg aus der Luft führt, bittet ausgerechnet Peking um Hilfe – nicht Washington, nicht Brüssel, nicht Berlin. Europa? Sitzt nicht einmal am Katzentisch.
Warum China – und warum Sanaa misstrauisch bleibt
Peking hat in der Region Kredit. Im März 2023 vermittelte China die historische Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Im Dezember 2023 verkündete UN-Sondergesandter Hans Grundberg dann ein Paket, das alles verändern sollte:
- landesweiter Waffenstillstand
- Auszahlung der öffentlichen Gehälter
- Wiederaufnahme der Ă–lexporte
- Lockerungen am Flughafen Sanaa und im Hafen Hodeidah
Umgesetzt wurde davon nichts. Beobachter vermuten, dass Sanaas Bedingung genau darauf zielt. Hamid Asim, Mitglied der Huthi-Verhandlungsdelegation, ließ sich dem Portal The Cradle zufolge so ein: Die Tür für Gespräche sei offen, für eine bloße Absichtserklärung werde man die Kampagne aber nicht stoppen. Ein weiterer Vertreter verlange Garantien von außerhalb der Region – etwa durch den UN-Sicherheitsrat, Russland oder China.
WidersprĂĽchliche Signale aus Riad
Vorsicht ist angebracht. Noch am 9. Oktober hatte eine regionale Quelle der Nachrichtenagentur AFP erklärt, Saudi-Arabien werde keinen Waffenstillstand schließen, bis die international anerkannte jemenitische Regierung das ganze Land kontrolliere. Man beuge sich keinen militärischen Drohungen. Friedenswille sieht anders aus.
Beide Seiten haben zudem ein Interesse, Härte oder Gesprächsbereitschaft zu inszenieren. Eine Bitte um Vermittlung ist noch lange kein Frieden.
Was das fĂĽr Ihren Geldbeutel bedeutet
Für deutsche Autofahrer, Spediteure und Betriebe ist das kein fernes Wüstendrama. Angriffe auf Förder- und Verladeanlagen auf der Arabischen Halbinsel wirken auf Öl- und Dieselpreise oft lange nach – selbst wenn die Waffen schweigen. Wer auf schnelle Entlastung an der Zapfsäule hofft, dürfte Geduld brauchen.
Solche geopolitischen Beben erinnern einmal mehr daran, warum viele Sparer auf physisches Gold und Silber als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen setzen: Sie hängen weder von Versprechen aus Riad noch aus Peking oder Washington ab.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in alleiniger Verantwortung.
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