
Kahlschlag im Ländle: Magna macht Werk in Rosenberg dicht – 220 Arbeitsplätze vor dem Aus
Es ist eine Nachricht, die wie ein Faustschlag in die Magengrube einer ganzen Region wirkt: Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer Magna schließt sein Werk im baden-württembergischen Rosenberg endgültig. Die verzweifelte Suche nach einem Investor, die monatelang wie ein letzter Strohhalm für die Belegschaft fungierte, ist gescheitert. Rund 220 Mitarbeiter stehen nun vor einer ungewissen Zukunft – und eine Gemeinde verliert ihren größten Arbeitgeber.
Das Ende einer langen Hängepartie
Bereits im Oktober 2024 hatte Magna die Schließung des Standorts angekündigt, der Getriebekomponenten für die Automobilindustrie fertigt. Damals waren noch rund 350 Stellen betroffen. Doch statt eines schnellen Schnitts begann ein quälendes Warten. Gespräche mit potenziellen Investoren wurden geführt, Namen wie die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares kursierten in Medienberichten. Die Hoffnung keimte – und verwelkte. Am 11. Februar informierte das Unternehmen seine Belegschaft schließlich über das, was viele insgeheim längst befürchtet hatten: Es ist vorbei.
Ein Konzernsprecher bestätigte die Entscheidung mit den üblichen Worthülsen der Konzernkommunikation. Man habe eine „umfassende Überprüfung der langfristigen Zukunftsfähigkeit" des Werkes vorgenommen. Schwankende Branchendynamiken und die allgemeinen Geschäftsaussichten hätten eine Rolle gespielt. Und dann der Satz, der für 220 Familien wie ein Urteil klingt: „Leider konnte keine tragfähige Alternative gefunden werden."
Vom stolzen Getrag-Werk zum Abwicklungsfall
Die Geschichte des Rosenberger Werks ist dabei eine Geschichte des schleichenden Niedergangs der deutschen Automobilzulieferindustrie im Zeitraffer. Ursprünglich gehörte der Standort zum traditionsreichen Getriebehersteller Getrag aus Untergruppenbach im Kreis Heilbronn – einem Unternehmen mit Wurzeln in der deutschen Ingenieurskunst. 2015 übernahm Magna den Getriebespezialisten, und Rosenberg wurde Teil eines globalen Konzerns. Was damals als Chance auf internationale Märkte und Investitionen gepriesen wurde, entpuppt sich nun als Einbahnstraße in die Werkschließung.
Bereits Anfang 2025 hatte Magna über ein sogenanntes Freiwilligenprogramm rund 100 Stellen abgebaut. Ein euphemistischer Begriff für das, was in Wahrheit bedeutet: Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, nur eben mit einer Abfindung statt einer betriebsbedingten Kündigung. Die verbliebenen 220 Beschäftigten müssen nun zusehen, wie ihr Werk in den kommenden zwei Jahren schrittweise heruntergefahren wird. Ein exaktes Datum für die endgültige Stilllegung gibt es bezeichnenderweise noch nicht – die Unsicherheit wird also zum Dauerzustand.
Ein Symptom der deutschen Deindustrialisierung
Wer glaubt, Rosenberg sei ein Einzelfall, der irrt gewaltig. Magna hat in den vergangenen Monaten gleich mehrere deutsche Standorte geschlossen oder zur Schließung angekündigt – darunter Werke in Köln und Roitzsch. Auch am Standort Untergruppenbach, der einstigen Getrag-Zentrale, sollen bis Ende 2026 weitere Arbeitsplätze wegfallen. Es ist ein regelrechter Dominoeffekt, der die deutsche Automobilzulieferindustrie erfasst hat.
Und man muss die unbequeme Frage stellen: Wer trägt die Verantwortung für diesen industriellen Kahlschlag? Die Antwort liegt auf der Hand. Jahrelang hat die deutsche Politik – allen voran die grün-ideologisch getriebene Energiewende und das dogmatische Festhalten am Verbrenner-Aus auf EU-Ebene – die Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie systematisch verschlechtert. Explodierende Energiekosten, eine erdrückende Bürokratie, immer neue Regulierungen und eine Infrastruktur, die den Namen kaum noch verdient: Deutschland macht es seinen Industrieunternehmen zunehmend unmöglich, wettbewerbsfähig zu produzieren.
Die Zeche zahlen die Arbeitnehmer
Während in Berlin und Brüssel über Klimaneutralität bis 2045 philosophiert und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen wird, das kommende Generationen mit Schulden belastet, verlieren in Rosenberg ganz konkrete Menschen ihren Arbeitsplatz. Menschen, die morgens aufstehen, ihre Kinder zur Schule bringen und dann in einer Fabrik Getriebekomponenten fertigen – Wertschöpfung im besten Sinne des Wortes. Doch für solche Menschen scheint in der politischen Agenda der vergangenen Jahre kein Platz mehr gewesen zu sein.
Für die Gemeinde Rosenberg im Neckar-Odenwald-Kreis ist die Werkschließung ein wirtschaftlicher Schlag, dessen Auswirkungen weit über die unmittelbar Betroffenen hinausreichen. Wenn der größte Arbeitgeber eines Ortes verschwindet, leiden Handwerker, Einzelhändler, Gastronomen – das gesamte lokale Wirtschaftsgefüge gerät ins Wanken. Die Kaufkraft sinkt, junge Familien ziehen weg, die Gemeinde blutet aus. Es ist ein Muster, das sich in immer mehr deutschen Regionen wiederholt.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht nun vor der gewaltigen Aufgabe, den industriellen Ausverkauf Deutschlands zu stoppen. Ob ihr das gelingt, darf angesichts der bisherigen politischen Weichenstellungen – man denke nur an die im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität – bezweifelt werden. Eines steht jedenfalls fest: Für die 220 Beschäftigten in Rosenberg kommen alle politischen Korrekturen zu spät. Ihr Werk stirbt. Und mit ihm ein weiteres Stück deutscher Industriekultur.
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