
Kälte als Waffe: Kiew warnt vor Putins brutalem Winter-Plan

Russland will den kommenden Winter offenbar nutzen, um die Ukraine ins Dunkle zu stürzen. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj plane Moskau, Kiew, Charkiw, Odessa und Lwiw vom Rest des Landes abzuschneiden und die Atomkraftwerke vom Stromnetz zu trennen. Das sagte er in einem Interview mit der Financial Times. Die Folgen könnten bis nach Deutschland reichen.
Isolieren, zermürben, vertreiben
Nach Darstellung Selenskyjs und einer ukrainischen Geheimdienstanalyse, die ukrainische und europäische Beamte der Zeitung beschrieben, verfolge der Kreml mehrere Ziele. Die Großstädte sollten isoliert, die Moral der Bevölkerung gebrochen und Chaos gestiftet werden. Hauptziele seien Kiew, Charkiw und Odessa. Auch Lwiw, das logistische Drehkreuz nahe der polnischen Grenze, stehe auf der Liste.
Die Angriffe auf die Atomanlagen sollen dem Bericht zufolge den Druck auf Kiew erhöhen, Anfang 2027 die Bedingungen Moskaus zu akzeptieren. Kurz gesagt: Die Ukrainer sollen frieren, bis die Regierung nachgibt.
1.000 Raketen und Drohnen gegen Umspannwerke
Kiew will die Pläne schwarz auf weiß haben. Energieminister Denys Schmyhal erklärte am 25. September, man habe zwei russische Planungsdokumente in die Hände bekommen. Darin seien Kraftwerke, Heizungs-, Wasser- und Abwassersysteme sowie die Stromverbindungen nach Europa als Ziele aufgelistet, samt Tabellen über die nötigen Raketen und Drohnen. Die Papiere seien nach seinen Worten sehr kühl und sehr klar verfasst.
Die New York Times, der eine Kopie vorliegen soll, berichtete von einer Kampagne mit bis zu 1.000 Raketen, Drohnen und Bomben. Russland wolle die drei laufenden Atomkraftwerke der Ukraine zum Abschalten zwingen, indem es die Schaltanlagen beschießt, die sie mit dem Netz verbinden. Diese lägen weniger als 1,6 Kilometer von den Reaktoren entfernt. Ein Spiel mit dem Feuer, und zwar mitten in Europa.
Ein Stromnetz, das schon jetzt am Limit läuft
Wie viel lässt sich überhaupt noch zerstören? Vor dem Krieg verfügte die Ukraine Regierungsangaben zufolge über rund 54,5 Gigawatt Kraftwerksleistung. Übrig seien etwa 12 Gigawatt. Allein im vergangenen Winter habe Russland 9 Gigawatt vernichtet. In der Nacht zum 30. September folgte laut Berichten der größte Angriff auf das Energiesystem seit dem Frühjahr. Getroffen wurden unter anderem das Kraftwerk Trypillja und das Heizkraftwerk CHP-5 in Kiew.
Die Kiewer School of Economics beziffert die direkten Kriegsschäden bis Februar auf 197,5 Milliarden Dollar. Die gesamten wirtschaftlichen Verluste schätzt das Institut auf 1,7 Billionen Dollar, etwa das Dreifache der ukrainischen Wirtschaftsleistung vor dem Krieg.
Das Kalkül zielt auf Europa
Brisant für Berlin ist der dritte Baustein des mutmaßlichen Plans. Moskau wolle eine neue Flüchtlingswelle in die EU auslösen, und zwar gezielt in Länder, in denen der Unmut über Zuwanderung wächst. In Polen haben die Spannungen der Financial Times zufolge in diesem Jahr zugenommen, ebenso die Angriffe auf Ukrainer.
Deutschland hat bereits mehr als eine Million ukrainische Kriegsflüchtlinge aufgenommen. Kommunen klagen seit Langem über überfüllte Unterkünfte und Schulen. Ein weiterer Ansturm im Winter würde aus Sicht vieler Beobachter ein System treffen, das kaum noch Reserven hat. Hat die Bundesregierung dafür einen Plan, oder setzt sie wieder auf Improvisation?
Merz rechnet mit hybriden Angriffen
Kanzler Friedrich Merz sagte laut Financial Times, Europa bereite sich auf weitere, auch schwere hybride Angriffe Russlands vor und würde darauf schnell und sehr deutlich reagieren. Zuvor hatte Wladimir Putin gewarnt, der Konflikt mit dem Westen könne einen fatalen Punkt ohne Wiederkehr erreichen. Bei seinem Besuch in Kiew sagte Merz Medienberichten zufolge weitere 1,3 Milliarden Euro an Hilfen zu.
Fazit: Ein Winter der Unsicherheit
Ob Moskau den Plan in vollem Umfang umsetzt, ist offen. Klar ist aber: Der Krieg hat sich längst zu einem Feldzug gegen die zivile Wirtschaft entwickelt, und Europa bekommt die Folgen über Energiepreise, Migration und Sicherheitsrisiken zu spüren. In solchen Zeiten setzen viele Bürger auf Werte, die nicht von Stromnetzen und politischen Versprechen abhängen. Physisches Gold und Silber können dabei als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen für Stabilität sorgen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.












