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22.09.2026
10:38 Uhr
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KassenÀrzte kontern Merz: "Politische Orientierungslosigkeit"

KassenÀrzte kontern Merz: "Politische Orientierungslosigkeit"
Symbolbild: KI-generiert

Der Chef der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat Bundeskanzler Friedrich Merz in der Debatte ĂŒber Privat- und Kassenpatienten scharf widersprochen. In der "Rheinischen Post" warf er dem Kanzler vor, plötzlich eine GerechtigkeitslĂŒcke zu entdecken — wĂ€hrend die eigene Regierung der ambulanten Versorgung ab 2027 Milliarden entziehe.

Ein Satz, der sitzt

Gassens Formulierung ist ungewöhnlich direkt fĂŒr einen Verbandschef, der sonst diplomatisch taktiert:

"Es ist offenbar der Ausdruck einer gewissen politischen Orientierungslosigkeit, wenn der Bundeskanzler nun plötzlich eine vermeintliche GerechtigkeitslĂŒcke zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung entdeckt"

Eine solche LĂŒcke könne nach seiner Darstellung ĂŒberhaupt erst dadurch entstehen, dass das Spargesetz ab 2027 rund drei Milliarden Euro aus der ambulanten Versorgung gesetzlich Versicherter herausziehe. Die Praxen wĂŒrden gezwungen, AblĂ€ufe und Leistungsangebot anzupassen — im Klartext: weniger Behandlungen, engere Budgets.

Komfort oder QualitÀt? Der feine Unterschied

Bislang habe es in Deutschland keine qualitativen Unterschiede in der Versorgung gesetzlich und privat Versicherter gegeben, sagte Gassen. Wo Patienten Unterschiede spĂŒrten, gehe es um Komfort — vor allem um die Terminvergabe.

Genau dort setzte der Kanzler an. Vor Journalisten im Konrad-Adenauer-Haus nannte Merz Medienberichten zufolge das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Kasse ein Gerechtigkeitsproblem, weil Privatversicherte hĂ€ufig schneller drankĂ€men. Beschlossene Reformen mĂŒssten kĂŒnftig "wirkungsgleich" auf die private Krankenversicherung ĂŒbertragen werden. Ein konkretes Modell nannte er nicht. Aus dem Kanzleramt folgte laut den Berichten eine Klarstellung: Eine Abschaffung oder Zusammenlegung sei nicht geplant.

Die Zahlen: Rund 74,5 Millionen Menschen sind gesetzlich, rund 9 Millionen privat versichert. Eine Erhebung einer Berliner Online-Terminvermittlung ergab Berichten zufolge, dass Kassenpatienten im Schnitt etwa drei Wochen lÀnger auf einen Termin warten.

Wer zahlt die Rechnung fĂŒr die Beitragsbremse?

Der Streit lĂ€sst sich nicht von dem im Juli 2026 verabschiedeten "Beitragssatzstabilisierungsgesetz" trennen. Bundestag und Bundesrat zogen die Notbremse, weil die Leistungsausgaben der Kassen auf gut 336 Milliarden Euro gestiegen waren. Das Sparziel fĂŒr 2027 wurde auf 18,8 Milliarden Euro hochgeschraubt. FĂŒr die Versicherten bedeutet das unter anderem:

  • Apotheken-Zuzahlungen kĂŒnftig 7,50 bis 15 Euro statt 5 bis 10 Euro
  • Festzuschuss fĂŒr Zahnersatz sinkt von 60 auf 50 Prozent
  • Homöopathie nicht mehr auf Kassenkosten
  • Beitragsbemessungsgrenze 2027 zusĂ€tzlich um 300 Euro nach oben
  • kostenlose Partner-Mitversicherung eingeschrĂ€nkt, ab 2028 mit Beitragszuschlag von 2,5 Prozent

Auch der Bund spart bei sich: Der regulÀre Zuschuss sinkt 2027 von 14,5 auf 13,15 Milliarden Euro. Die KBV rechnet nach eigenen Angaben mit Mindereinnahmen von durchschnittlich rund 3.629 Euro je Arzt.

Ablenkung statt Reform?

Aus Sicht unserer Redaktion wirkt die Debatte wie ein Manöver: Erst werden Leistungen gekĂŒrzt und Zuzahlungen erhöht, dann wird die Wartezeit-Frage zum Gerechtigkeitsthema erklĂ€rt. Gassen lehnt eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung ab — das sei bisher eine Forderung der politischen Linken gewesen, die rechtlichen, finanziellen und zeitlichen HĂŒrden seien praktisch unĂŒberwindlich. Der PKV-Verband verweist darauf, dass Privatversicherte jĂ€hrlich 15,5 Milliarden Euro zusĂ€tzlich ins System brĂ€chten. Eine Kommission soll im Dezember StrukturvorschlĂ€ge vorlegen.

FĂŒr BĂŒrger bleibt die nĂŒchterne Bilanz: höhere Belastungen bei unsicherer Versorgung. Wer in solchen Zeiten Vermögen absichern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt weder Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar, ebenso keine Rechts- oder Steuerberatung. Er spiegelt unsere EinschÀtzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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