
Kletter-Coup an der CDU-Zentrale: Aktivisten fordern Linkskurs von Merz

Am Mittwochmorgen haben Aktivisten der Umweltorganisation „Robin Wood“ das Dach des Konrad-Adenauer-Hauses in Berlin-Tiergarten besetzt. Etwa zehn bis zwölf Personen seilten sich an der Glasfassade der CDU-Parteizentrale ab. Sie verlangen von der Union eine „klare Kante gegen rechts“, und das ausgerechnet drei Tage nach dem schlimmsten Wahlabend der Partei seit Jahrzehnten.
Höhenretter statt Hausmeister
Kurz nach sieben Uhr entdeckten Kräfte des Zentralen Objektschutzes die ungebetenen Gäste. Rund 30 Beamte rückten an, darunter Höhenretter der Berliner Polizei. Diese sollten die Kletterer nach Angaben eines Polizeisprechers auf X zunächst „sichern“ und danach den weiteren polizeilichen Maßnahmen zuführen. Gegen alle Beteiligten werde wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch ermittelt.
Laut Polizei hatten die Aktivisten eigene Ankerpunkte gesetzt und Kletterausrüstung ausgebreitet. An der Front hing schließlich ein riesiges Transparent: „Klare Kante gegen rechts: Sozialabbau beenden, Klimakrise bekämpfen!“ Vor dem Eingang zeigten zwei weitere Protestler ein Banner mit der Aufschrift „Demokratie heißt Klimaschutz“. Ein Mann, der eine Drohne steigen ließ, wurde wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Luftverkehrsrecht festgenommen.
Die Rechnung nach dem Wahldebakel
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag hat die CDU die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt. Nach Angaben des Vereins lag sie bei 4,9 Prozent und flog damit aus dem Schweriner Landtag. Medienberichten zufolge verdoppelte die AfD ihr Ergebnis und landete vor der SPD. CDU-Landeschef Daniel Peters trat ab, Philipp Amthor soll den Landesverband vorerst übernehmen.
„Robin Wood“ hat dafür eine eigene Erklärung. In einer Pressemitteilung heißt es, die CDU-geführte Bundesregierung lasse den Klimaschutz „hinten runterfallen“ und habe keine Konzepte gegen den Aufstieg der AfD. Schuld sei vor allem die Politik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Sprecher Johannes Probst wird so zitiert:
„Wenn Reiche und Merz mit der Gas-Lobby Politik an den Menschen vorbei machen, dürfen sie sich über die Quittung bei Wahlen nicht wundern.“
Man darf sich darüber wundern. Wählerinnen und Wähler in Vorpommern sollen die Union also abgestraft haben, weil sie zu wenig Klimapolitik gemacht habe, und dann ausgerechnet die AfD gewählt haben? Diese Deutung wirkt, vorsichtig gesagt, wie ein Blick durch die eigene ideologische Brille. Bei vielen Bürgern dürften eher Energiepreise, Migration und die Schuldenpolitik der Koalition den Ausschlag gegeben haben.
Wiederholungstäter mit Steuervorteil?
Der 1982 gegründete Verein ist für spektakuläre Kletteraktionen bekannt. Erst im Mai spannten Mitglieder im Ruhrgebiet Transparente zwischen den Kühltürmen eines Gaskraftwerks auf, schon damals gegen Reiches Energiepolitik. 2024 besetzten Aktivisten ein Waldstück beim Tesla-Werk in Grünheide.
Pikant ist ein anderer Punkt: „Robin Wood“ ist als gemeinnützig anerkannt und genießt damit Steuervorteile. Kritiker fragen seit Langem, warum Organisationen, die mit Besetzungsaktionen Druck auf demokratisch gewählte Parteien ausüben, vom Steuerzahler begünstigt werden. Der Bundesfinanzhof hatte 2019 im Fall Attac klargestellt, dass allgemeinpolitische Kampagnenarbeit kein gemeinnütziger Zweck ist. Die Union selbst hatte Anfang 2025 mit einer umfangreichen parlamentarischen Anfrage die staatliche Förderung politisch aktiver NGOs ins Visier genommen, und musste sich dafür heftige Empörung anhören.
Die eigentliche Frage an die CDU
Bleibt die Frage, was die Parteispitze aus diesem Morgen macht. Nach Mecklenburg-Vorpommern steht die Union vor einer Richtungsentscheidung. Kommt sie den Forderungen von der Straße, sprich vom Dach, entgegen, dürfte sie weitere Wähler an die AfD verlieren. Ein Transparent an der Fassade ersetzt keinen politischen Kompass. Den muss Friedrich Merz jetzt selbst finden.
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