
Konjunktur-Wunder mit Haken: Ökonomen verdoppeln Wachstumsprognose!

Endlich mal eine gute Nachricht für Friedrich Merz: Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 mehr als verdoppelt, von 0,6 auf 1,3 Prozent. Das geht aus der am 24. September vorgelegten Gemeinschaftsdiagnose für den Herbst hervor. Allerdings enthält das Gutachten auch eine deutliche Warnung an Berlin.
Schon der Titel des Gutachtens verrät, dass die Ökonomen wenig zu feiern finden: „Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen“.
Die Zahlen: Erst hoch, dann wieder tief
Für 2027 rechnen die Institute mit einem Plus von 1,1 Prozent. Das sind 0,2 Punkte mehr als im Frühjahr. Danach geht es wieder steil bergab: Für 2028 erwarten sie nur noch magere 0,4 Prozent. Als Hauptgrund nennen sie die Demografie, denn es scheiden mehr Menschen aus dem Arbeitsleben aus, als nachkommen.
Laut dem Gutachten liegt die Wirtschaftsleistung erstmals wieder über dem Stand von 2022, also vor der damaligen Gaspreiskrise. Vier Jahre Stillstand sind damit gerade erst aufgeholt. Einen Grund zum Jubeln sehen die Ökonomen darin nicht.
Wer den Aufschwung trägt
Den Instituten zufolge kommt der Schwung vor allem von den Exporten und der Industrie. Geholfen hätten eine robuste Weltnachfrage, der Boom um künstliche Intelligenz und die hohen Staatsausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klima. Ein großer Teil des Wachstums ist also auf Pump finanziert.
„Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten.“
So fasst es Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zusammen.
Die Bürger merken vom Aufschwung wenig
Der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen bleiben laut den Ökonomen schwach. Die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs schmälern die Kaufkraft der Haushalte. Eine Entlastung ist nicht in Sicht, denn die Inflation soll in diesem Jahr auf 2,8 Prozent steigen und 2027 sogar auf 3,2 Prozent. Erst 2028 soll sie wieder auf 2,0 Prozent sinken.
Für Sparer heißt das: Das Geld auf dem Konto verliert Jahr für Jahr an Wert.
Reformen im Rückwärtsgang
Brisant wird das Gutachten beim Blick auf die Politik. Die AfD ist Medienberichten zufolge bei zwei Landtagswahlen im Osten stärkste Kraft geworden, darunter in Mecklenburg-Vorpommern. Die Union erlitt historische Niederlagen. Seitdem zweifeln Teile der Koalition, vor allem in der SPD, an Merz' Reformkurs. Die Ökonomen befürchten, dass nötige, aber unbeliebte Reformen bei Rente und Gesundheit auf die lange Bank geschoben werden.
Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft kritisiert diesen Zickzackkurs. Wenn Reformpakete jedes Quartal angekündigt, wieder aufgeschnürt und dann vertagt würden, verfielen Investoren in eine abwartende Haltung. Niemand wisse, welche Rahmenbedingungen in Deutschland künftig gelten. Die unklare Wirtschaftspolitik sei deshalb ein Grund für die insgesamt schwache Entwicklung.
Die Schuldenfalle schnappt zu
Den schärfsten Befund liefern die Staatsfinanzen. Das Defizit soll von 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigen. Wenn die Ausnahmeregel im EU-Regelwerk ausläuft, drohen laut den Instituten Konflikte mit den europäischen Fiskalregeln.
Holtemöller sieht darin eine große Gefahr. Spare Deutschland nicht, gebe es nicht nur Probleme mit den Zinslasten der öffentlichen Haushalte, sondern auch ein „Stabilitätsproblem im Euroraum“. Das wiegt schwer, weil Merz im Wahlkampf solide Finanzen versprochen hatte. Mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen hat Schwarz-Rot diese Schuldendisziplin nach Ansicht von Kritikern jedoch aufgegeben.
Fazit: Ein Aufschwung auf Kredit
Die höhere Prognose ist für die Regierung eine Atempause, aber noch keine Wende. Hohe Energiepreise, eine alternde Bevölkerung, verschleppte Reformen und wachsende Schulden bleiben bestehen. Wer sein Erspartes vor Inflation und Schuldenpolitik schützen will, kann physisches Gold und Silber als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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