
Kretschmers Steuerfantasien: Wenn der CDU-Mann die SPD links überholt

Es ist schon bemerkenswert, in welch atemberaubender Geschwindigkeit sich die einst bürgerliche Union ihrer marktwirtschaftlichen Wurzeln entledigt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung nun eine Tür weit aufgestoßen, die im Wahlkampf noch sorgsam verriegelt schien: die Tür zu höheren Steuern. Sein Begründungsmuster ist so abgegriffen wie ein Groschenroman aus den siebziger Jahren: „Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache“, ließ der CDU-Politiker verlauten. Ein Satz, der aus dem Munde eines SPD-Genossen niemanden überraschen würde – aus dem Munde eines Christdemokraten ist er ein politisches Erdbeben.
Vom Modernisierer zum Mehrbelaster
Kretschmer wickelt seinen Vorstoß zwar geschickt in wattige Floskeln ein. Steuererhöhungen seien nicht der erste Schritt, sondern könnten allenfalls „ein letzter Baustein in einer richtigen Modernisierungsagenda“ sein, ließ er wissen. Doch die rhetorische Verpackung ändert nichts am Inhalt: Wer einmal verbal nachgibt, hat das Terrain bereits geräumt. Wer in Berlin und Dresden die Augen offen hält, weiß: Aus dem „letzten Baustein“ wird in der politischen Praxis erfahrungsgemäß der erste, sobald die Haushaltslöcher größer werden – und die werden sie ganz gewiss.
Die unbequemen Zahlen, die niemand hören will
Ein Blick auf die nackte Realität entlarvt das Gerede von den angeblich zu wenig belasteten „starken Schultern“ als billige Klassenkampfrhetorik. Die oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher in Deutschland tragen rund 60 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens. Die obere Hälfte der Steuerzahler schultert über 90 Prozent. Die untere Hälfte? Lediglich einstellige Prozentwerte. Wer in diesem System ernsthaft behauptet, oben werde noch zu wenig gezahlt, der betreibt entweder bewusste Irreführung oder hat sich in seinem eigenen ideologischen Echoraum verirrt.
Die wahre Krankheit heißt Verschwendung
Das eigentliche Problem dieses Landes ist nicht zu geringe Einnahmen, sondern eine grotesk ausufernde Ausgabenpolitik. Während Brücken bröckeln, Schulen zerfallen und die Bundeswehr seit Jahrzehnten am Tropf hängt, werden Milliarden in fragwürdige Auslandsprojekte, ideologisch motivierte NGO-Strukturen und einen aufgeblähten Verwaltungsapparat gepumpt. Die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz hat sich obendrein ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen genehmigt – ein Schuldenberg, der kommende Generationen knebeln wird, obwohl der Kanzler im Wahlkampf das genaue Gegenteil versprochen hatte. Und jetzt sollen also die Steuerzahler bluten, um die politischen Versäumnisse von Jahrzehnten auszugleichen?
Rentenpolitik mit doppeltem Boden
Auch beim Thema Rente schloss sich Kretschmer dem Reformgeraune an. Wer länger studiere, solle später in Rente gehen, eine stärkere Orientierung an Beitragsjahren könne „mehr Gerechtigkeit schaffen“, meinte der Ministerpräsident. Das mag auf den ersten Blick vernünftig klingen. Doch wer genauer hinhört, erkennt den eigentlichen Subtext: Die gesetzliche Rentenversicherung wankt, weil Millionen Menschen ins System einwandern, die nie eingezahlt haben, während die Beitragszahler immer weniger werden. Statt diese strukturelle Ursache zu benennen, wird an Stellschrauben gedreht, die den Fleißigen weiter zur Last fallen.
Sparen? Bloß nicht beim Staat selbst!
Bezeichnend ist auch Kretschmers Reaktion auf die Vorschläge von Unionsfraktionschef Jens Spahn, Subventionen pauschal um fünf Prozent zu kürzen. Die „Rasenmäher-Methode“ sei keine kluge Politik, hieß Kretschmer das ab. Übersetzt: Sparen ja, aber bitte nicht dort, wo es wehtut. Lieber den Bürger zur Kasse bitten, als am eigenen politischen Klientelismus zu rütteln. Es ist genau diese Haltung, die Wähler in Scharen aus der Union vertreibt – und die kommenden Landtagswahlen werden den Verantwortlichen wohl die Quittung präsentieren.
Die Erosion des bürgerlichen Lagers
Was Kretschmer in dieser Woche geliefert hat, ist mehr als ein politischer Vorstoß – es ist eine offene Selbstaufgabe. Eine Partei, die einst für Eigentum, Leistungsbereitschaft und ein Vertrauen in den mündigen Bürger stand, übernimmt nun Eins zu Eins die Rhetorik ihres Koalitionspartners. Die Konsequenzen sind absehbar: Wer Steuern erhöht in einer Rezession, würgt die Konjunktur weiter ab. Wer Leistungsträger weiter belastet, sorgt für Abwanderung und Demotivation. Und wer dem Mittelstand das Lebensblut entzieht, zerstört das Fundament, auf dem dieses Land jahrzehntelang gebaut war.
Edelmetalle: Der stille Profiteur politischer Fehlentscheidungen
Wer in Zeiten wie diesen sein hart erarbeitetes Vermögen schützen will, sollte sich nicht auf die Versprechen der Politik verlassen. Wenn der Staat immer hungriger wird und die Notenpresse zur Lösung aller Probleme erklärt wird, gewinnen jene Werte an Bedeutung, die seit Jahrtausenden Bestand haben. Physisches Gold und Silber sind nicht beliebig vermehrbar, keinem politischen Zugriff so leicht ausgeliefert wie ein Sparbuch und bewähren sich gerade in Krisenzeiten als verlässlicher Anker eines breit gestreuten Vermögensportfolios.
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