
Krieg im Nahen Osten zwingt Bank of England in die Knie: Zinssenkung auf Eis gelegt
Was noch vor wenigen Wochen als ausgemachte Sache galt, ist nun Makulatur. Die Bank of England, die britische Zentralbank, wird ihre für März geplante Zinssenkung aller Voraussicht nach verschieben müssen – und schuld daran ist einmal mehr die explosive Lage im Nahen Osten. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran, einen der weltweit bedeutendsten Ölproduzenten, hat die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt und die ohnehin fragile wirtschaftliche Erholung Großbritanniens empfindlich getroffen.
Öl, Gas und die Achillesferse der britischen Wirtschaft
Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um zu verstehen, warum ausgerechnet das Vereinigte Königreich besonders verwundbar ist. Das Land importiert rund 40 Prozent seines Öls und bis zu 60 Prozent seines Erdgases. Die eigene Förderung in der Nordsee? Schwindet seit Jahren dahin wie Schnee in der Frühlingssonne. Wenn nun durch die faktische Schließung der Straße von Hormus – jener maritimen Lebensader, durch die ein erheblicher Teil der globalen Energielieferungen fließt – die Versorgung ins Stocken gerät, trifft das britische Verbraucher und Unternehmen mit voller Wucht.
Dabei hatte sich die Lage gerade erst zaghaft entspannt. Die Inflationsrate war im Januar auf 3 Prozent gesunken, nach noch 3,4 Prozent im Vormonat. Die Hoffnung keimte, dass sich die Teuerung endlich dem Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank annähern würde. Doch diese Hoffnung dürfte sich nun als trügerisch erweisen.
Ökonomen warnen: Frühestens April – wenn überhaupt
Allan Monks, Chefökonom für Großbritannien bei JPMorgan, brachte es auf den Punkt: Eine Zinssenkung im März sei „vom Tisch", und selbst der April setze eine „deutliche Beruhigung der geopolitischen Spannungen" voraus. Die Risiken verschöben sich bereits in Richtung einer längeren Pause und stärkerer Wachstumseinbußen, so Monks weiter. Eine Einschätzung, die man durchaus als diplomatische Umschreibung für „es wird richtig ungemütlich" lesen darf.
Auch Anna Titareva von der UBS Investment Bank prognostizierte, dass die nächsten Zinssenkungen nun frühestens im April und Juli zu erwarten seien – statt wie ursprünglich angenommen im März und Juni. Die Sitzung des geldpolitischen Ausschusses am 19. März werde von „erhöhter Unsicherheit" über die Entwicklung der Energiepreise überschattet. Die Notenbanker würden es vorziehen, „auf mehr Klarheit zu warten und abzuwarten".
Das Dilemma der Zentralbank
Die Bank of England steckt in einer klassischen Zwickmühle. Einerseits schwächelt die britische Wirtschaft spürbar: Das Wachstum lahmt, der Arbeitsmarkt zeigt Risse, und die noch immer restriktiven Zinsen von 3,75 Prozent bremsen Investitionen und Konsum. Andererseits droht nun eine neue Inflationswelle, ausgelöst durch explodierende Energiepreise. Senkt die Bank die Zinsen, riskiert sie, die Inflation weiter anzuheizen. Hält sie still, würgt sie die ohnehin angeschlagene Konjunktur ab.
JPMorgans Monks verwies darauf, dass die Bank of England durch die hartnäckig hohe britische Inflation – die sich deutlich zäher zeigte als in anderen Volkswirtschaften – regelrecht „traumatisiert" sei. Die hohe Abhängigkeit des Landes von Erdgas mache es besonders anfällig für externe Preisschocks.
Regierung gibt sich hilflos – und ehrlich
Die britische Regierung reagierte mit einer bemerkenswert offenen Einschätzung der eigenen Machtlosigkeit. In einem am Freitag veröffentlichten Informationsblatt hieß es wörtlich, der Preis für Öl und Gas werde von internationalen Märkten bestimmt, nicht von Großbritannien. Man sei „Preisnehmer, nicht Preismacher". Eine Ehrlichkeit, die man sich von so mancher deutschen Regierung wünschen würde, die stattdessen lieber mit Subventionen und Preisdeckeln an den Symptomen herumdoktert.
Immerhin: Der bestehende Energiepreisdeckel schütze britische Haushalte bis Anfang Juli, wenn die Obergrenze turnusmäßig überprüft werde. Danach allerdings könnten die Rechnungen steigen – eine Formulierung, die angesichts der aktuellen Entwicklung fast schon euphemistisch klingt.
Lehren für den Kontinent – und für Deutschland
Was sich in Großbritannien abspielt, sollte auch auf dem europäischen Festland aufmerksam verfolgt werden. Die Abhängigkeit von Energieimporten ist kein exklusiv britisches Problem. Deutschland, das sich unter der Ampelregierung mit ideologisch motiviertem Eifer von der Kernenergie verabschiedet hat und nun noch stärker am Tropf russischen und internationalen Gases hängt, dürfte bei einer weiteren Eskalation im Nahen Osten ähnliche Verwerfungen erleben. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, die energiepolitischen Versäumnisse der Vorgängerregierung aufzuarbeiten – und das in einem Umfeld, das feindseliger kaum sein könnte.
In Zeiten solcher geopolitischer Unsicherheit zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Stabilitätsanker im Portfolio. Während Währungen schwanken, Energiepreise explodieren und Zentralbanken zwischen Pest und Cholera wählen müssen, bewährt sich Gold seit Jahrtausenden als verlässlicher Wertspeicher. Wer sein Vermögen gegen die Unwägbarkeiten einer zunehmend instabilen Weltordnung absichern möchte, tut gut daran, physische Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios in Betracht zu ziehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen entsprechen ausschließlich der Meinung unserer Redaktion. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











