
„Krieg ohne Bomben": Kubas Diplomatin klagt Washington an

Havanna wirft der US-Regierung vor, die Insel mit einer Ölblockade in die Knie zu zwingen. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste Diplomatin in den Vereinigten Staaten, sprach gegenüber einem US-Wirtschaftsmedium von einem „Krieg ohne Bomben". Die Gesprächskanäle nach Washington seien vollständig blockiert.
Nicht einmal auf eine gemeinsame Tagesordnung könnten sich beide Seiten noch einigen, so die Diplomatin. Dialog? Fehlanzeige.
Ein Land ohne Treibstoff
Der Hintergrund ist eine der härtesten Sanktionsmaßnahmen der jüngeren Geschichte. Nach dem US-Vorgehen gegen Venezuela und die Festsetzung von Präsident Nicolás Maduro wurden die venezolanischen Öllieferungen an Kuba gekappt. Medienberichten zufolge setzte Washington zusätzlich Mexiko unter Druck, seine Energieexporte auf die Insel einzustellen.
Die Folgen sind drastisch. Deutsche Medien berichteten im Frühjahr über Stromausfälle, Müllberge in Havanna, eingeschränkten Flugbetrieb und ein Gesundheitssystem am Rand des Zusammenbruchs. Torres Rivera formulierte es so:
„Welches Land kann normal funktionieren, wenn es in 200 Tagen nur eine einzige Treibstofflieferung erhalten hat? Das ist Kollektivstrafe. Das ist ein Krieg ohne Bomben."
In einem Beitrag auf der Plattform X erklärte sie zudem, die Ölblockade habe die Säuglingssterblichkeit pro 1.000 Lebendgeburten auf mehr als das Doppelte getrieben. Diese Angabe stammt von der kubanischen Seite und ist unabhängig kaum überprüfbar.
Steht die nächste Intervention bevor?
Präsident Donald Trump hat wenig Zweifel daran gelassen, dass er Kuba als nächstes Ziel amerikanischer Härte sieht. Außenminister Marco Rubio, der die Kuba-Politik verantwortet, wies einem Bericht zufolge die Idee einer „friedlichen Einigung" mit der Regierung in Havanna zurück.
Ein US-Nachrichtenportal meldete zuletzt, die CIA habe ihre Präsenz auf der Insel ausgeweitet — ein Muster, das dem Vorgehen vor der Venezuela-Operation ähnele. Dem Bericht zufolge halte man es in Washington nicht für nötig, erst den Konflikt mit dem Iran zu beenden, bevor militärische Schritte gegen Kuba erwogen würden.
Havanna beteuert derweil, keine Bedrohung zu sein. Man wolle ein Verhältnis des Respekts, sagte Torres Rivera.
Was das fĂĽr Europa bedeutet
Man muss die sozialistische Planwirtschaft Kubas nicht schönreden — sie hat das Land über Jahrzehnte selbst ruiniert. Doch der Fall zeigt eindrücklich, wie Energie und Zahlungsströme heute als Waffe eingesetzt werden. Erst Russland-Sanktionen, dann Zölle gegen Europa, jetzt eine Ölblockade in der Karibik.
Für Anleger ist das keine Randnotiz. Jede neue Eskalation in Lateinamerika, im Nahen Osten oder in Osteuropa schlägt auf Rohstoffpreise, Lieferketten und Währungen durch. Wer glaubt, deutsche Sparer stünden außerhalb dieser Schusslinie, verkennt die Verflechtung der Weltwirtschaft.
Genau in solchen Phasen zeigt sich der Wert von Substanz: Physisches Gold und Silber kennen kein Sanktionsregime, keinen Kontrahenten und keinen politischen Beschluss, der sie über Nacht entwertet. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben Edelmetalle aus unserer Sicht ein nüchterner Anker in einer Welt, die immer unberechenbarer wird.
Hinweis
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