
Krisenunterricht an Schulen: Werden unsere Kinder auf den nächsten Krieg vorbereitet?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will den Zivilschutz fest im deutschen Schulalltag verankern. Was auf den ersten Blick nach vernünftiger Vorsorge klingt, wirft bei genauerem Hinsehen unbequeme Fragen auf. Denn hinter der Forderung nach „Krisenunterricht" verbirgt sich ein beunruhigendes Eingeständnis: Die politische Klasse in Deutschland scheint sich längst auf Szenarien vorzubereiten, die noch vor wenigen Jahren als undenkbar galten.
Doppelstunde Angst: Was Dobrindt plant
Der CSU-Politiker fordert eine verpflichtende Doppelstunde pro Halbjahr, in der Schüler lernen sollen, wie sie sich bei Stromausfällen, Naturkatastrophen und – man höre und staune – kriegerischen Bedrohungen richtig verhalten. Warnsignale erkennen, Notfallkontakte kennen, Vorsorge zu Hause treffen. Dobrindt formulierte es so: „Zivile Verteidigung gehört in die Schulen. Vorsorge schafft Sicherheit." Die Schüler würden zu „klugen Krisenvorsorge-Kennern" und trügen das Wissen direkt in ihre Familien.
Klingt harmlos. Fast schon fürsorglich. Doch wer zwischen den Zeilen liest, erkennt die eigentliche Botschaft: Deutschland bereitet sich auf einen möglichen Konflikt vor – und zwar nicht irgendwo in der Ferne, sondern einen, der auch die Bundesrepublik direkt treffen könnte. Der Irankrieg, der Ukraine-Konflikt, die zunehmenden Spannungen mit Russland – die geopolitische Lage hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft.
Die unbequeme Wahrheit hinter der Fürsorge-Rhetorik
Man muss sich die Frage stellen: Warum jetzt? Warum mit dieser Dringlichkeit? Jahrzehntelang hat die deutsche Politik den Zivilschutz sträflich vernachlässigt. Bunker wurden zurückgebaut, Sirenen abmontiert, die Bundeswehr kaputtgespart. Und nun sollen ausgerechnet Schulkinder die Versäumnisse einer ganzen politischen Generation kompensieren?
Es ist bezeichnend, dass dieselbe politische Klasse, die Deutschland über Jahrzehnte in eine sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA und eine energiepolitische Abhängigkeit von Russland manövriert hat, nun die Jüngsten der Gesellschaft auf Krisenszenarien vorbereiten will. Statt die eigentlichen Ursachen zu bekämpfen – eine desaströse Außenpolitik, eine chronisch unterfinanzierte Landesverteidigung, eine naive Energiepolitik – setzt man auf Symptombekämpfung im Klassenzimmer.
Gemischte Reaktionen: Zwischen Zustimmung und Panikmache-Vorwürfen
Die Reaktionen auf Dobrindts Vorstoß fallen erwartungsgemäß gespalten aus. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper von den Grünen begrüßte die Idee – was angesichts der grünen Begeisterung für alles Staatstragende kaum überrascht. Kinder und Jugendliche sollten lernen, „in einer entsprechenden Lage das Richtige zu tun", so Schopper.
Deutlich kritischer äußerte sich der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber von der SPD. Er halte von dem Vorschlag nichts, weil er Kindern und Eltern „unnötig Angst einflößt". Schule solle Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, nicht Panik. Ein nachvollziehbarer Einwand – allerdings einer, der die Realität ausblendet. Denn die Bedrohungslage ist real, ob man sie nun im Klassenzimmer thematisiert oder nicht.
Der Blick nach Osten beschämt Deutschland
Während hierzulande noch debattiert wird, ob eine Doppelstunde Zivilschutz pro Halbjahr zumutbar sei, haben andere europäische Staaten längst Fakten geschaffen. Finnland setzt seit dem Beginn des Ukraine-Krieges auf Resilienztraining ab der Grundschule. Schweden hat seine Krisenvorbereitung an Schulen massiv ausgebaut. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen – allesamt Nachbarn Russlands – haben den Zivilschutz fest in ihren Lehrplänen verankert.
Besonders bemerkenswert ist das Beispiel Polen: Dort wurde bereits 2022 das Unterrichtsfach „Sicherheitsausbildung" eingeführt, das neben Erste-Hilfe-Kursen und Verteidigungsausbildung sogar Schießtraining für Oberschüler umfasst. Man mag davon halten, was man will – aber es zeigt, wie ernst unsere östlichen Nachbarn die Bedrohung durch Russland nehmen.
Die eigentliche Frage: Wer hat Deutschland in diese Lage gebracht?
Es wäre zu einfach, Dobrindts Vorstoß isoliert zu betrachten. Er ist Teil eines größeren Bildes, das sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 immer deutlicher abzeichnet. Die vielzitierte „Zeitenwende" des damaligen Kanzlers Scholz hat sich als das entpuppt, was Kritiker von Anfang an befürchteten: ein rhetorisches Strohfeuer ohne nachhaltige Substanz.
Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Regierung unter Friedrich Merz soll nun richten, was jahrzehntelange Vernachlässigung angerichtet hat. Doch statt die Infrastruktur wirklich krisenfest zu machen, werden die Kosten auf kommende Generationen abgewälzt – dieselben Generationen, die nun im Klassenzimmer lernen sollen, wie man sich bei einem Stromausfall verhält. Die Ironie könnte kaum bitterer sein.
Was Deutschland wirklich braucht, ist keine Doppelstunde Krisenunterricht, sondern eine politische Führung, die Krisen verhindert, statt Kinder darauf vorzubereiten. Eine Regierung, die in Verteidigung investiert, bevor der Ernstfall eintritt. Eine Außenpolitik, die auf Stärke statt auf Appeasement setzt. Solange das nicht geschieht, bleibt der Zivilschutzunterricht das, was er ist: ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde, die die Politik selbst geschlagen hat.
In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und wachsender Bedrohungslagen erweist sich einmal mehr, dass physische Edelmetalle wie Gold und Silber zu den wenigen Anlageklassen gehören, die auch in Krisenszenarien ihren Wert behalten – ein Aspekt, den jeder verantwortungsbewusste Bürger bei seiner Vermögenssicherung berücksichtigen sollte.

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