
Krömers Ticket-Bann: Wenn Humor zur Gesinnungsprüfung wird

Der Berliner Komiker Kurt Krömer will AfD-Wähler nicht bei seiner neuen Lesetour sehen. In einem Instagram-Video, das er am Donnerstag veröffentlicht und mit einer Clownsmelodie unterlegt hat, nennt der 51-Jährige die Anhänger der Partei „Schweinegesichter“. Ihr Geld wolle er nicht haben.
Es geht um eine Tour, auf der es eigentlich um Depressionen, Verletzlichkeit und Selbsterkenntnis gehen soll. Ausgerechnet dafür sortiert der Künstler sein Publikum nach dem Wahlzettel.
„Euer Geld stinkt“: Der Wortlaut
Krömer, mit bürgerlichem Namen Alexander Bojcan, wendet sich in dem Clip direkt an die „geistig abgehängten Freunde von der AfD“. Die Ansage lautet: keine Tickets für AfD-Wähler. Dann legt er nach:
„Euer Geld möchte ich nicht, das stinkt, genauso wie ihr.“
Er habe „keine Lust“, auf der Bühne zu stehen und „in irgendwelche Schweinegesichter zu gucken“, sagt Krömer. Seine Shows seien und blieben „halal“. Unter einem weiteren Beitrag schreibt er, er lasse sich seinen Couscous nicht „von dieser rechtsextremen Losertruppe“ wegnehmen, und hängt „Heilt Höcke!“ an.
Wie er an der Abendkasse herausfinden will, wer welches Kreuz gemacht hat, verrät er nicht. Soll es künftig eine Gesinnungsabfrage am Einlass geben? Oder vertraut er darauf, dass sich die Betroffenen beleidigt genug fühlen, um von selbst fernzubleiben?
Millionen Bürger als Zielscheibe
Hier ist die Mathematik ernüchternd. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erhielt die AfD rund 20,8 Prozent der Zweitstimmen, also mehr als zehn Millionen Wähler. Krömer spricht damit pauschal etwa jedem fünften Wähler die Menschenwürde ab, mit einem Tiervergleich, der in jedem anderen Zusammenhang einen Aufschrei auslösen würde.
Viele Bürger dürften sich fragen, wo die Empörung der üblichen Wächter des Anstands bleibt. Wer sonst bei jeder unglücklichen Formulierung „Hass und Hetze“ wittert, schweigt auffällig, wenn sich die Verachtung gegen die „Richtigen“ richtet. Für Beobachter zeigt sich darin ein doppelter Maßstab, der das gesellschaftliche Klima seit Jahren vergiftet.
Ein Gesicht aus dem Gebührenfernsehen
Bekannt wurde Krömer vor allem durch Formate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bezahlt werden die mit dem Rundfunkbeitrag, und den zahlen AfD-Wähler genauso wie alle anderen Haushalte. Gut genug, um die Karriere mitzufinanzieren, aber nicht gut genug für einen Platz im Saal: Kritiker dürften diese Ironie kaum übersehen.
Kein Einzelfall
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Krömer so scharf gegen die Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla stellt. Besonders laut wurde er Anfang 2024 nach dem sogenannten Potsdamer Treffen. Ein Bericht des Recherchenetzwerks Correctiv hatte damals bundesweit Proteste ausgelöst. Seine Darstellung ist in Teilen bis heute umstritten und wurde auch juristisch angegriffen.
Krömer steht mit seiner Haltung auch nicht allein. 2024 sorgte der Chef der Diakonie für Schlagzeilen, als er erklärte, AfD-Wähler hätten in dem kirchlichen Sozialverband keinen Platz. Zuerst kam die Brandmauer im Parlament, jetzt kommt sie offenbar an der Theaterkasse.
Lachen über Depressionen, aber nicht mit allen
Die Tour trägt den Titel „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“. Krömer stellt darin sein 2022 erschienenes Buch vor, in dem er über seine Depressionen und seinen Aufenthalt in einer psychiatrischen Tagesklinik schreibt. Dass die Lesungen erst Jahre später beginnen, erklärt er damit, dass er Abstand gebraucht habe, um die Erfahrungen zu verarbeiten. Er wolle zeigen, dass man über Depressionen sehr gut lachen könne.
Das Anliegen ist ehrenwert. Psychische Erkrankungen betreffen Menschen jeder politischen Couleur. Deshalb wirkt es umso befremdlicher, wenn ausgerechnet eine Tour über Offenheit und Heilung mit einem Ausschluss beworben wird. Der Buchtitel klingt fast wie ein Rat, den sich der Künstler selbst einmal zu Herzen nehmen könnte.
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