
Künstliche Intelligenz treibt Anleihenmarkt: Spekulationen auf Zinssenkungen befeuern US-Staatsanleihen
Was bis vor Kurzem noch als reines Aktienmarkt-Phänomen galt, greift nun mit voller Wucht auf den Anleihenmarkt über: Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz hat die Renditen amerikanischer Staatsanleihen auf ihre Jahrestiefstände gedrückt. Die Spekulation ist so simpel wie gewagt – wenn KI tatsächlich einen massiven Produktivitätsschub auslöst, könnte die daraus resultierende disinflationäre Wirkung der US-Notenbank Federal Reserve den Weg für deutlich schnellere Zinssenkungen ebnen.
Ein Glaubenssprung mit weitreichenden Folgen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Fed-Futures-Kurve ist erstmals seit vier Monaten unter die Marke von drei Prozent gefallen. Das bedeutet im Klartext, dass der Markt mittlerweile eine dritte zusätzliche Zinssenkung einpreist – und manche Akteure wetten sogar auf noch mehr. Bemerkenswert ist dabei, dass weder der Arbeitsmarktbericht noch die Inflationsdaten vom Januar der Fed auch nur ansatzweise grünes Licht für eine Lockerung der Geldpolitik gegeben hätten. Die klassischen Fundamentaldaten rechtfertigen diese Bewegung schlicht nicht.
Was also treibt die Märkte? Es ist ein Cocktail aus scharfen Kurseinbrüchen bei Software-Aktien, einer Reihe von KI-Durchbrüchen Anfang Februar und der Aussicht auf einen neuen Fed-Vorsitzenden, der Präsident Trumps Wunsch nach tieferen Zinsen möglicherweise bereitwilliger nachkommen könnte.
Kevin Warsh: Trumps Mann an der Spitze der Fed
Ein entscheidender Faktor in dieser Gleichung ist Kevin Warsh, Trumps Kandidat für den Vorsitz der Federal Reserve, der im Mai das Ruder übernehmen soll. Warsh hat KI in Interviews als die „produktivitätssteigernste Welle unserer Lebenszeit" bezeichnet und prognostiziert, sie werde sich als „strukturell disinflationär" erweisen – vergleichbar mit der Ausbreitung des Internets in den 1990er Jahren.
Doch die Finanzwelt ist gespalten. Eine Umfrage der Bank of America unter globalen Fondsmanagern ergab, dass fast 40 Prozent der Befragten erwarten, dass Warshs Ernennung die Treasury-Renditen eher nach oben treiben und den Dollar schwächen werde. Die Skepsis ist also keineswegs unbegründet – und sie erinnert an eine Grundweisheit der Finanzmärkte: Hoffnung ist keine Strategie.
Die Gegenargumente wiegen schwer
Nicht alle teilen den Optimismus der Anleihenmärkte. Jason Thomas, Forschungschef beim Investmentriesen Carlyle, warnt eindringlich vor der Vereinfachung der Argumente, die KI-getriebene Produktivität automatisch mit niedrigeren Zinsen gleichsetzen. Sein Einwand ist bestechend logisch: KI fällt nicht einfach vom Himmel. Die Billionen Dollar an jährlichen Investitionen in gigantische, energiehungrige Rechenzentren wirken wie ein Raketentreibsatz für die gesamte Wirtschaft.
Wenn ein solcher Technologieschock einen derartigen Investitionsboom auslöst, müssten die realen Zinsen nach der ökonomischen Theorie sogar steigen – nicht fallen. Genau das geschah während des Internet- und Dotcom-Booms der späten 1990er Jahre, als die kurzfristigen Realzinsen um rund 300 Basispunkte kletterten. Ein historisches Beispiel, das den heutigen KI-Optimisten zu denken geben sollte.
Zwischen Produktivitätswunder und Überhitzungsgefahr
Thomas räumt zwar ein, dass KI langfristig die Betriebskosten von Unternehmen und das allgemeine Preisniveau drücken dürfte. Doch bei einer Inflation, die nach wie vor über dem Zielwert liegt, und einer Investitionsnachfrage, die regelrecht explodiert, erhöhe ein voreiliges Handeln ohne „klare und eindeutige Beweise" das Risiko einer wirtschaftlichen Überhitzung erheblich.
Für den deutschen Beobachter ist diese Debatte von besonderer Brisanz. Während die USA zumindest über einen möglichen KI-getriebenen Produktivitätsboom diskutieren, versinkt die deutsche Wirtschaft in bürokratischem Sumpf und ideologiegetriebener Regulierungswut. Statt die Chancen neuer Technologien zu nutzen, hat man hierzulande jahrelang lieber über Gendersprache und Klimakleber debattiert. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz steht vor der Herkulesaufgabe, Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen – doch das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen riecht verdächtig nach dem alten Rezept: Schulden machen und hoffen, dass es schon irgendwie gut geht.
Gold als Fels in der Brandung
Eines wird in dieser Gemengelage aus Spekulation, Hoffnung und technologischem Umbruch immer deutlicher: Die Unsicherheit an den Finanzmärkten nimmt zu, nicht ab. Ob der KI-Boom tatsächlich zu niedrigeren Zinsen führt oder – wie in den 1990ern – genau das Gegenteil bewirkt, weiß heute niemand mit Sicherheit. In solchen Zeiten erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker im Portfolio. Während Anleihenrenditen von Spekulationswellen hin- und hergeworfen werden und Aktienmärkte zwischen Euphorie und Panik schwanken, bietet Gold jene zeitlose Stabilität, die kein Algorithmus der Welt ersetzen kann.
Die Fed steht vor einer Grundsatzentscheidung: Soll sie einen Glaubenssprung wagen und auf die disinflationäre Kraft der KI setzen – oder abwarten, bis harte Daten die Theorie bestätigen? Die aktuelle Führung unter Jerome Powell tendiert klar zum Abwarten. Doch mit Warsh am Ruder könnte sich das ändern. Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Vorbereitet sein auf alle Szenarien.
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