
Kupfer-Schock: Amerika gehen die Lagerhallen aus!

Der Kupferpreis kennt nur eine Richtung: nach oben. Am Montag legte das Industriemetall die fünfte Sitzung in Folge zu und kratzte wieder am Rekord vom 10. September. Der Grund ist so banal wie brisant: In den USA ist schlicht kein Platz mehr für das Metall — und in China fehlt es an allen Ecken.
Rekordjagd in New York und London
Der Dezember-Kontrakt an der Comex kletterte zeitweise um 3,3 Prozent auf 6,8410 Dollar je Pfund, den höchsten Stand seit dem 10. September. An der Londoner Metallbörse LME touchierte der Dreimonatskontrakt 14.710,50 Dollar je Tonne. Das Allzeithoch liegt bei 14.875 Dollar — Kupfer notiert also weniger als zwei Prozent darunter.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 20 Prozent zu Buche. Elf der vergangenen zwölf Wochen endeten im Plus. Dass die US-Notenbank Fed vergangene Woche erstmals seit Juli 2023 die Zinsen um einen Viertelpunkt anhob und weitere Schritte in Aussicht stellte, bremste die Rally nur kurz.
Wenn Käufer nicht mehr warten können
Das aussagekräftigste Warnsignal liefert die LME selbst. Kassaware kostet inzwischen 26 Dollar je Tonne mehr als Material mit Lieferung in drei Monaten — vor einer Woche war es noch ein Abschlag von 86 Dollar. Diese sogenannte Backwardation bedeutet im Klartext: Wer Kupfer braucht, kann nicht warten.
Ein Blick in die Lagerbestände erklärt, warum. Von 255.900 Tonnen in LME-Lagern sind 115.450 Tonnen bereits zur Auslieferung vorgemerkt. Frei verfügbar bleiben nur noch 133.725 Tonnen. Chinesische Käufer zahlen kräftige Aufschläge: Die Yangshan-Prämie erreichte zuletzt 124 Dollar je Tonne, den höchsten Wert seit fast vier Jahren.
Trumps Zoll-Poker mit Nebenwirkungen
Auf der anderen Seite des Atlantiks stapelt sich das Metall. In Comex-Lagern liegen 696.204 Tonnen — 69 Prozent aller börsenüberwachten Kupferbestände weltweit. Importeure hatten das Material in Erwartung angekündigter US-Zölle auf raffinierte Metalle ins Land geschafft. Nur: Washington hat diese Zölle bis heute nicht verhängt.
Jetzt rächt sich die Hamsterei. Der Hafen von New Orleans, wichtigster Comex-Lieferpunkt, ist Berichten zufolge weitgehend ausgelastet, weitere 100.000 Tonnen aus Afrika und Südamerika sind für September und Oktober unterwegs. Die Bestände sanken vergangene Woche erstmals seit April — um 65 Tonnen. Ein Musterbeispiel dafür, wie politische Ankündigungen ganze Warenströme verzerren.
Die Minen liefern nicht mehr
Hinzu kommen handfeste Produktionsprobleme. Die Schwierigkeiten von Freeport-McMoRan in Grasberg und die Förderkürzung von Ivanhoe Mines in Kamoa-Kakula haben dem Weltmarkt Schätzungen zufolge rund 600.000 Tonnen entzogen. Ein Vermögensverwalter warnte, die Minenproduktion könne 2026 erstmals seit 2017 sinken.
- Chiles Förderung brach im Juli um 9,4 Prozent ein
- BHPs Escondida meldete für Juli ein Minus von 22 Prozent
- Sambias Nchanga-Schmelze stand 106 statt geplanter 60 Tage still
Auch die Edelmetalle ziehen an
Bemerkenswert: Am selben Handelstag legten auch Gold und Silber deutlich zu — Silber-Futures sprangen um mehr als sieben Prozent. Knappe Rohstoffe, Zollchaos, Notenbanken im Blindflug: Wer verstehen will, warum reale Werte gefragt sind, findet hier das Anschauungsmaterial. Physisches Gold und Silber bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Beimischung für alle, die ihr Vermögen breit absichern wollen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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