
Letzte GIs raus aus dem Irak: Wird jetzt Teheran zum heimlichen Sieger?

Mehr als 20 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins verlassen die letzten US-Soldaten den Irak. Der Abzug der zuletzt rund 2.500 Berater und Ausbilder soll am Mittwoch formell abgeschlossen sein. Washington hakt damit ein Kapitel ab, in dem es Billionen ausgegeben und Tausende Leben verloren hat. Die Rechnung dafür könnten nun andere bezahlen.
Ein Abschied mit Ansage
Vereinbart hatten Washington und Bagdad den Schritt bereits 2024. Im Juli bestätigten Präsident Donald Trump und Iraks Ministerpräsident Ali al-Saidi dann medienberichten zufolge den vollständigen Abzug bis Ende September. Den eigentlichen Kampfeinsatz hatten die USA schon 2021 beendet.
Ein Abschied für immer ist das nicht zwingend. Bereits 2011 hatten die Amerikaner das Land komplett geräumt. Drei Jahre später kehrten sie auf Bitten Bagdads zurück, weil die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weite Teile des Irak und Syriens überrannt hatte. Die Geschichte könnte sich wiederholen.
Der Krieg, der auf einer Lüge aufgebaut war
Im Jahr 2003 marschierten die USA mit Verbündeten ein. Begründet wurde die Invasion mit angeblichen Verbindungen Saddams zu Al-Kaida und mit Massenvernichtungswaffen. Beides erwies sich später als falsch.
Es folgten Aufstände, blutige Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten sowie der Folterskandal von Abu Ghraib. Etwa 4.500 US-Soldaten starben, die Zahl der toten Iraker liegt bei mehreren Zehntausend. Mit dem Regime verschwanden auch die staatlichen Strukturen. In dieses Vakuum stießen erst Al-Kaida, dann der IS und schließlich der Iran. Kein Wunder, dass viele Amerikaner laut Umfragen nicht glauben, der Krieg habe ihr Land sicherer gemacht.
Milizen behalten ihre Waffen
Hier wird es heikel. Die mit Teheran verbündeten Milizen hatten den Abzug lautstark gefordert. Im Gegenzug sollten sie parallel ihre Waffen abgeben. Doch daraus wurde nichts: Die Entwaffnung wurde auf Juni 2027 verschoben. Ob sie überhaupt jemals kommt, ist offen.
Das Ergebnis ist ein bemerkenswerter Deal: Die Amerikaner gehen, die Gewehre der Milizen bleiben. Kritiker befürchten, dass damit auch US-Einrichtungen und Infrastruktur in den Golfstaaten stärker ins Visier geraten könnten. Immerhin verlieren die Milizen ihr Lieblingsargument für den bewaffneten Widerstand. Washington will weiter Druck machen, allerdings aus der Ferne.
Der IS ist geschwächt, aber nicht tot
Große Gebiete kontrolliert die Terrormiliz nicht mehr. Nach einem aktuellen Bericht der internationalen Anti-IS-Koalition konzentriert sie sich im Irak aufs Überleben. Ihre Zellen können aber weiterhin zuschlagen. Tausende IS-Gefangene sitzen zudem in irakischen Gefängnissen. Die Frage ist, wie lange Bagdad dieses Pulverfass allein kontrollieren kann.
Kurden allein gelassen, Bundeswehr in der Warteschleife
Am härtesten trifft es die Kurden im Norden. Ihre Peschmerga-Kämpfer waren die verlässlichsten Partner im Kampf gegen den IS. Jetzt verlieren sie ihre wichtigste Schutzmacht. Wie berichtet wird, nannte der Ministerpräsident der Kurdenregion den Abzug eine „Schande“.
Und Deutschland? Die Bundeswehr ist seit 2015 Teil der mehr als 80 Staaten umfassenden Anti-IS-Koalition und bildet irakische Sicherheitskräfte aus. Voraussichtlich könnte sie vorerst in Erbil bleiben. Damit steht Berlin vor einer unbequemen Frage: Wie sicher sind deutsche Soldaten ohne den amerikanischen Schutzschirm? Eine klare Antwort aus Berlin steht noch aus.
Souveränität auf dem Papier
Bagdad will den Abzug mit einem Feiertag begehen. Symbolisch mag das ein Gewinn an Souveränität sein. Über die tatsächliche Stabilität des Landes sagt es allerdings wenig. Die Regierung muss nun zwischen Washington, Teheran und den eigenen Milizen lavieren. Für Trump ist der Abzug ein eingelöstes Versprechen, die „ewigen Kriege“ zu beenden. Ob die Region davon profitiert oder Teheran am Ende als lachender Dritter dasteht, wird sich erst noch zeigen.
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