
Linke Influencerin ruft zu mittelalterlicher Selbstjustiz auf – und das Netz applaudiert

Was sich derzeit in den sozialen Medien abspielt, lässt einen fassungslos zurück. Eine Influencerin mit dem selbstgewählten Kampfnamen „Frau Löwenherz" hat in einem Videoclip auf Instagram nichts Geringeres gefordert als die öffentliche Kastration und Hinrichtung des Moderators Christian Ulmen – und gleich aller Männer, die es wagen, auf die Unschuldsvermutung hinzuweisen. Das Video erreichte Hunderttausende Aufrufe und sammelte knapp 17.000 Likes ein. Man reibt sich die Augen.
Gewaltfantasien als feministische Tugend?
Die Aktivistin, die auf Instagram rund 87.000 Follower erreicht und sich als queere Historikerin, Journalistin und „Content Creatorin" bezeichnet, ließ in ihrem Wutausbruch keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen soll. Wörtlich forderte sie, Christian Ulmen und „alle anderen Täter" an ihren Zehen auf den Marktplätzen der Nation aufzuhängen und öffentlich zu kastrieren. Allen Männern, die in Kommentarspalten das Wort „Unschuldsvermutung" verwendeten, solle man das Wort „Täterschützer" auf die Stirn tätowieren. Man fragt sich unwillkürlich: Ist das noch Aktivismus oder bereits ein Fall für den Staatsanwalt?
Doch damit nicht genug. Die Influencerin machte unmissverständlich klar, dass sich ihre Tiraden nicht nur gegen einen einzelnen Mann richteten, sondern gegen das gesamte männliche Geschlecht. „Männer sind das Problem", verkündete sie mit der Selbstgewissheit einer Inquisitorin. Kein Mann habe je den Mund aufgemacht – nicht bei Ulmen, nicht bei Pelicot, nicht bei Epstein. Eine Pauschalverurteilung von atemberaubender Dreistigkeit, die in ihrer Absolutheit an die dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte erinnert.
Der Rechtsstaat als Feindbild
Besonders alarmierend ist die offene Ablehnung rechtsstaatlicher Grundprinzipien, die aus den Äußerungen spricht. „Verurteilungen reichen nicht mehr", erklärte die Aktivistin und fügte hinzu, sie wolle „das ganze scheiß Täterschutzsystem brennen sehen". Was sie als „Täterschutzsystem" diffamiert, ist nichts anderes als unser Rechtsstaat – jenes fragile Gebilde aus Gewaltenteilung, Unschuldsvermutung und ordentlicher Gerichtsbarkeit, das Generationen vor uns unter enormen Opfern erkämpft haben.
Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass ausgerechnet jene, die sich als Vorkämpferinnen für Gerechtigkeit und Menschenrechte inszenieren, bereit sind, die fundamentalsten Errungenschaften der Zivilisation über Bord zu werfen, sobald es ihrem ideologischen Narrativ dient. Die Unschuldsvermutung gilt – oder sie gilt nicht. Ein Rechtsstaat, der nur dann funktioniert, wenn einem das Ergebnis passt, ist kein Rechtsstaat mehr.
Doppelmoral mit System
Was bei dieser ganzen Debatte besonders bitter aufstößt, ist die schreiende Doppelmoral, die sich wie ein roter Faden durch das linke Milieu zieht. Dieselben Kreise, die bei jedem kritischen Kommentar über die Migrationspolitik sofort „Hass und Hetze" wittern und nach dem Staatsanwalt rufen, schweigen beharrlich, wenn eine ihrer Protagonistinnen öffentlich zu mittelalterlicher Selbstjustiz aufruft. Man stelle sich nur einen Moment lang vor, ein konservativer Kommentator hätte die öffentliche Kastration und Hinrichtung irgendeiner Personengruppe gefordert – die Empörungsmaschinerie würde innerhalb von Minuten auf Hochtouren laufen, Hausdurchsuchungen inklusive.
Dass die Klimaaktivistin Luisa Neubauer als angekündigte Teilnehmerin einer von Collien Fernandes organisierten Demonstration am Brandenburger Tor auftritt, überrascht dabei kaum. Es ist das übliche Netzwerk der ewig Empörten, das sich gegenseitig die Bälle zuspielt und jede Gelegenheit nutzt, um die eigene Agenda voranzutreiben – sei es die Einführung einer Klarnamenpflicht im Internet oder die weitere Aushöhlung bürgerlicher Freiheitsrechte.
Wenn der digitale Mob den Richter ersetzt
Hintergrund der Eskalation sind die Vorwürfe von Christian Ulmens Ex-Ehefrau Collien Fernandes, die ihm unter anderem „virtuelle Vergewaltigung" vorwirft. Die Vorwürfe wiegen schwer, keine Frage. Doch genau dafür haben wir Gerichte, Staatsanwaltschaften und ein funktionierendes Justizsystem. Was wir nicht brauchen, sind digitale Lynchmobs, die auf Basis von Instagram-Videos über Schuld und Unschuld befinden und dabei Forderungen erheben, die selbst im finstersten Mittelalter als barbarisch gegolten hätten.
Die Verrohung der öffentlichen Debatte hat längst ein Ausmaß erreicht, das jeden besonnenen Bürger zutiefst beunruhigen muss. Wenn explizite Gewaltfantasien nicht mehr als das benannt werden, was sie sind – nämlich potenzielle Straftatbestände wie Volksverhetzung oder öffentliche Aufforderung zu Straftaten –, sondern mit Hunderttausenden Klicks belohnt werden, dann steht es schlecht um die Zivilisationsschicht, auf die wir uns so gerne berufen.
Ob die Äußerungen der Influencerin rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen werden, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt leider, dass die Justiz bei Aufrufen aus dem linken Spektrum traditionell beide Augen zudrückt – während sie bei vergleichsweise harmlosen Äußerungen aus dem konservativen Lager mit der vollen Härte des Gesetzes zuschlägt. Diese Asymmetrie der Strafverfolgung ist eines Rechtsstaates unwürdig und untergräbt das Vertrauen der Bürger in die Institutionen nachhaltig.
Deutschland braucht keine selbsternannten Richterinnen auf Instagram. Deutschland braucht eine Rückbesinnung auf rechtsstaatliche Prinzipien, auf Vernunft und auf die Erkenntnis, dass Hass nicht dadurch legitim wird, dass er sich als Gerechtigkeit verkleidet.

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