
Merz' Renten-Reform: Staatlich gefördertes Aktiendepot statt Riester-Rente – ein Schritt in die richtige Richtung mit gefährlichen Tücken
Die Bundesregierung unter Friedrich Merz hat sich endlich an das herangewagt, was die Vorgängerregierungen jahrzehntelang verschleppt haben: Eine grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge. Die staatlich geförderten Altersvorsorgedepots sollen das Trauerspiel namens Riester-Rente beerben. Doch wer glaubt, damit sei das Renten-Drama der Republik abgewendet, der irrt gewaltig. Die demografische Zeitbombe tickt unerbittlich weiter – und die neue Reform ist bestenfalls ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde.
Drei Varianten, ein altes Problem
Künftig sollen Sparer zwischen drei Varianten wählen können: einem Depot mit vollständiger Beitragsgarantie, einem Modell mit 80-prozentiger Absicherung sowie einer komplett ungesicherten Variante mit höheren Renditechancen. Zusätzlich soll ein staatliches Standarddepot unter öffentlicher Trägerschaft geschaffen werden. Die Förderkulisse präsentiert sich auf den ersten Blick großzügig: Für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro im Jahr legt der Staat 50 Cent obendrauf, zwischen 360 und 1800 Euro immerhin noch 25 Cent. Die Grundzulage könne bis zu 540 Euro pro Jahr erreichen, Familien erhielten zusätzlich 300 Euro pro Kind – sofern wenigstens 25 Euro im Monat eingezahlt würden.
Klingt verlockend? Erinnert verdächtig an die Riester-Rente – jenes Konstrukt aus dem Jahr 2002, das Millionen Deutscher in die Irre führte und dessen Scheitern selbst gestandene Rentenberater offen einräumen.
Warum Riester an die Wand fuhr
Der Münchner Rentenberater Alexander Siegmund von der KPM Pensions & Benefits GmbH bringt es auf den Punkt: Drei tödliche Faktoren hätten Riester zum Verlustgeschäft gemacht. Erstens habe der Garantiezwang im Niedrigzinsumfeld jede Renditechance erstickt. Zweitens hätten überzogene Vertriebskosten das Vorsorgevermögen aufgefressen, bevor überhaupt Zinsen entstehen konnten. Drittens sei das bürokratische Zulagensystem so kompliziert gewesen, dass viele Sparer ihre Förderung nicht einmal vollständig in Anspruch genommen hätten. Ein typisch deutsches Bürokratiemonster also – ausgedacht von Politikern, die offenbar noch nie selbst eine Steuererklärung ohne Beraterhilfe ausgefüllt haben.
Die Kostenobergrenze als echter Lichtblick
Immerhin: Eine echte Verbesserung gibt es. Die harte Kostenobergrenze von einem Prozent pro Jahr sei laut Siegmund ein „erheblicher Fortschritt". Zum Vergleich: Bei vielen betrieblichen Altersvorsorgeprodukten betrügen die effektiven Kosten zwei bis drei Prozent. Über drei Jahrzehnte Anlagedauer entwickle sich aus dieser Differenz „ein Vielfaches an Rendite". Es ist bezeichnend für den deutschen Finanzmarkt, dass eine solche Selbstverständlichkeit als revolutionärer Fortschritt gefeiert werden muss.
Positiv sei zudem, dass das angesparte Kapital wahlweise als lebenslange Leibrente oder als Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr bezogen werden könne. Restkapital dürfe an Erben weitergegeben werden – ein Punkt, den Riester-Sparer schmerzlich vermissten. Erstmals würden auch Selbstständige in den Genuss der Förderung kommen, die bei der alten Riester-Konstruktion weitgehend leer ausgingen.
Wo das Konstrukt brüchig wird
Doch die Schwächen sind gravierend. „Das Depot kennt keinen Generationenausgleich. Wer Pech mit dem Markt hat, trägt das Risiko allein", warnt Siegmund. Anders als bei der gesetzlichen Rente oder kollektiven Versorgungswerken stehe niemand bereit, der Verluste abfedere. Besonders heikel werde es bei einem Börsencrash kurz vor Renteneintritt: „Diesen Stoß federt im Depot niemand ab." Wer also Pech hat und just dann in Rente geht, wenn die Märkte einbrechen, dem droht im Alter ein böses Erwachen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer den Auszahlungsplan bis 85 wählt und das 90. Lebensjahr erreicht, lebt die letzten fünf Jahre allein von der gesetzlichen Rente. Bei den prognostizierten Rentenniveaus der kommenden Jahrzehnte dürfte das für viele auf Altersarmut hinauslaufen.
Bestandsschutz für 16 Millionen Riester-Verträge
Statt einen sauberen Schnitt zu vollziehen, schleppt die Bundesregierung den Ballast mit: Rund 16 Millionen Altverträge der Riester-Rente bleiben bestehen. Das Resultat: zwei parallele Systeme mit doppeltem Verwaltungsaufwand. Es ist die typisch deutsche Lösung – Altes nicht beerdigen, Neues halbherzig einführen und die Komplexität ins Unerträgliche steigern.
Die wahre Bewährungsprobe kommt erst in den 2050er Jahren
Der eigentliche Stresstest stehe noch aus, betont Siegmund. „In der stillen Phase, der Auszahlung" entscheide sich, ob das Altersvorsorgedepot sein Versprechen einlöse. Die BaFin prognostiziere bereits jetzt, dass mehr als die Hälfte der deutschen Lebensversicherer in der Rentenphase keine Risikoüberschüsse mehr ausschütten werden. Ob das neue Depot diese Prüfung bestehe, werde sich erst in den 2050er Jahren zeigen – wenn die ersten Sparer in die Auszahlungsphase eintreten. Bis dahin hat Friedrich Merz längst seine Memoiren geschrieben, und die Verantwortlichen für die Reform werden längst in ihren eigenen, üppigen Pensionen schwelgen.
Das eigentliche Problem bleibt unangetastet
So lobenswert einzelne Elemente der Reform auch sein mögen – sie ändern nichts am Grundproblem. Das umlagefinanzierte deutsche Rentensystem ächzt unter der demografischen Last. Immer weniger Beitragszahler stemmen die Versorgung einer wachsenden Zahl von Rentnern. Wer ernsthaft glaubt, ein staatlich gefördertes Depot mit maximal 540 Euro Zulage könne diese Lawine aufhalten, der hat die Dimension des Problems nicht begriffen. Hinzu kommen die explodierenden Staatsausgaben: 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur, die das Versprechen der Schuldenfreiheit pulverisieren, die im Grundgesetz festgezurrte Klimaneutralität bis 2045 und eine Inflation, die das Ersparte der Bürger schleichend entwertet. In einem solchen Umfeld auf Papierwerte und Versicherungsversprechen zu setzen, ist mutig – um es höflich auszudrücken.
Was bleibt dem Bürger?
Siegmunds nüchternes Fazit bringt es auf den Punkt: „Eine Säule trägt das Vorsorgegebäude nicht." Die private Vorsorge sei lediglich ein Hebel. Das Fundament der Altersabsicherung müsse jeder selbst legen – und zwar breit gestreut. Wer ausschließlich auf Aktiendepots, Lebensversicherungen oder die löchrige gesetzliche Rente setzt, baut sein Alterswohlstand auf Sand. Eine sinnvolle Beimischung physischer Edelmetalle wie Gold und Silber hat sich über Jahrhunderte als verlässlicher Schutz vor Inflation, Währungsreformen und politischen Verwerfungen bewährt. Während Papierwerte und politische Versprechen kommen und gehen, bleibt das Vertrauen in echtes, greifbares Edelmetall bestehen – ein Anker in stürmischen Zeiten, in denen die Politik längst die Kontrolle über die Finanzen verloren hat.
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