
Merz sieht Lichtblicke – doch in den Fabriken gehen die Lichter aus

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat beim Unternehmertag des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA) von „ersten Lichtblicken“ für die deutsche Wirtschaft gesprochen. Er verweist auf steigende Reallöhne, eine bessere Stimmung und einen Gründungsrekord. Nur: In den Werkhallen der Republik kommt davon bislang wenig an.
Denn während im Kanzleramt die Zuversicht wächst, wächst draußen etwas anderes: die Arbeitslosigkeit. Wie passt das zusammen?
Wachstum, das kaum jemand im Geldbeutel spürt
Auf dem Papier sieht es tatsächlich besser aus. Das Handelsblatt Research Institute (HRI) hat seine Prognose angehoben und rechnet für 2026 mit 1,1 Prozent realem Wachstum, für 2027 sogar mit 1,4 Prozent. Klingt ordentlich. Der Haken steckt im Kleingedruckten.
Laut HRI speist sich das Plus zu einem wachsenden Teil aus staatlichem Konsum und staatlichen Investitionen. Mit anderen Worten: Der Staat kauft sich sein Wachstum zum Teil selbst – finanziert unter anderem über das 500-Milliarden-Sondervermögen, dessen Zinslast künftige Generationen tragen müssen. Den Wohlstand vieler Bürger hebe das kaum, so das Institut. Und es erwartet für 2026 rund 300.000 Erwerbstätige weniger als 2024.
Rückenwind aus Kriegsgebieten ist keine Strategie
Auch einzelne Branchenzahlen verlangen einen zweiten Blick. Die Chemie- und Pharmaindustrie legte im zweiten Quartal um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Das HRI nennt dafür allerdings einen Sondereffekt: Asiatische und nahöstliche Konkurrenten kämpften infolge des Iran-Konflikts mit Lieferproblemen, zudem hätten Kunden vorsorglich ihre Lager aufgefüllt.
Man könnte es so formulieren: Deutschland profitiert gerade von den Schwierigkeiten anderer. Das bringt kurzfristig Luft. Eine Gesundung des Standorts ist es nicht.
Die harte Bilanz vom Arbeitsmarkt
Im August waren 3,061 Millionen Menschen ohne Job – 36.000 mehr als ein Jahr zuvor. Das Verarbeitende Gewerbe verlor binnen zwölf Monaten mehr als 140.000 Beschäftigte. Besonders hart trifft es:
- Autohersteller und Zulieferer
- die Stahlindustrie
- die Chemie
- weitere energieintensive Branchen
Die 3.053 Start-up-Gründungen im ersten Halbjahr sind ein erfreulicher Rekord, keine Frage. Doch ein junges Unternehmen mit zehn Mitarbeitern ersetzt kein Werk mit Tausenden Arbeitsplätzen. Bis Gründungen nennenswerte Belegschaften aufbauen, vergehen oft Jahre. Entscheidend ist die Gesamtbilanz – und die fällt negativ aus.
Ungewohnte Allianz schlägt Alarm
Wie ernst die Lage ist, zeigt ein bemerkenswerter Schulterschluss. Markus Söder (CSU), Cem Özdemir (Grüne) und Olaf Lies (SPD), die Regierungschefs von Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, haben ein gemeinsames Papier vorgelegt. Darin warnen sie vor nachhaltigen und womöglich „irreversiblen Schäden“ für die deutsche Autoindustrie.
Die drei verweisen auf rund 52.000 verlorene Arbeitsplätze in der Branche innerhalb eines Jahres. Sie fordern von Bund und EU niedrigere Energiekosten, fairere Wettbewerbsbedingungen und mehr Schutz vor unfair subventionierter Konkurrenz. Medienberichten zufolge geht es dabei vor allem um Importe aus China und um flexiblere Regeln aus Brüssel. Wenn CSU, Grüne und SPD sich einig sind, dass es brennt, sollte das in Berlin niemand als Randnotiz abtun.
Wo die Wende bleibt
Merz liegt nicht völlig falsch: Die Reallöhne steigen, die Stimmung hellt sich auf, es wird mehr gegründet. Doch ein echter Aufschwung zeigt sich in privaten Investitionen, neuen Produktionskapazitäten und steigender Beschäftigung. Genau dort fehlt bislang der Beweis.
Die Strukturreformen bei Energiepreisen, Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie, die Wirtschaftsverbände seit Monaten verlangen, lassen weiter auf sich warten. Solange das so bleibt, ist der Aufschwung vor allem eine Hoffnung. Wer sein Erspartes in einem solchen Umfeld absichern will, setzt oft auf eine breite Streuung. Physisches Gold und Silber können dabei eine sinnvolle Beimischung sein, weil sie von politischen Versprechen unabhängig sind.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten. Jeder Anleger sollte sich eigenständig informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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