
Milliarden-Coup in London: Merck greift nach Blutkrebs-Hoffnung

Der Darmstädter Dax-Konzern Merck kauft die britische Biotechfirma Silence Therapeutics und zahlt dafür rund 1,1 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 980 Millionen Euro. Bekanntgegeben wurde der Deal am 19. Oktober 2026. Im Mittelpunkt steht ein Wirkstoff gegen eine seltene Form von Blutkrebs. Bezahlt wird mit neuen Krediten, und es ist bereits die nächste Übernahme in einer langen Reihe.
Ein Aufschlag, der die Börse elektrisiert
Merck bietet nach eigenen Angaben 20 US-Dollar je US-Aktienhinterlegungsschein. Das liegt 82 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Ein solcher Aufpreis kommt selten vor.
Die Börse reagierte entsprechend. Laut Finanzmedien schoss das Papier von Silence Therapeutics zeitweise um mehr als 100 Prozent nach oben. Das Management der Briten hat der Übernahme bereits zugestimmt. Abgeschlossen sein soll der Deal im ersten Quartal 2027.
Worum es medizinisch geht
Der wichtigste Wert des Londoner Unternehmens heißt Divesiran. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der sogenannten siRNA-Therapien. Diese Medikamente bremsen gezielt die Aktivität von Genen, die eine Krankheit auslösen. Die Krankheit wird also an ihrem Ursprung angegriffen.
Eingesetzt werden soll Divesiran gegen die Polycythaemia vera, kurz PV. Bei diesem seltenen Blutkrebs bildet der Körper zu viele rote Blutkörperchen, und das kann das Sterberisiko erhöhen. Viele Patienten müssen regelmäßig zum Aderlass. Nach Angaben von Merck-Pharmachef Danny Bar-Zohar hat der Wirkstoff in einer Phase-II-Studie die Zahl der nötigen Aderlässe deutlich gesenkt. Als Nächstes steht die entscheidende Studienphase III an.
„Mit der geplanten Akquisition von Silence Therapeutics wollen wir unsere Kompetenzen erweitern, um noch mehr Menschen mit seltenen Erkrankungen zielgerichtete Behandlungsoptionen zur Verfügung stellen zu können.“
So begründete Merck-Chef Kai Beckmann den Kauf. Bar-Zohar zufolge kommt der Konzern seinem Ziel damit einen großen Schritt näher, ein weltweit führender Anbieter innovativer Spezialmedikamente zu werden. Silence Therapeutics beschäftigt Berichten zufolge rund 80 Mitarbeiter in Großbritannien, den USA und Deutschland.
Einkaufstour unter neuem Chef
Beckmann hat erst am 1. Mai 2026 die Nachfolge von Belén Garijo an der Konzernspitze angetreten. Seitdem kauft Merck in hohem Tempo zu:
- Juni 2026: Übernahme des US-Laborausrüsters Bio-Techne für knapp 10 Milliarden Euro, mit 73 Dollar je Aktie in bar
- Davor: Kauf des US-Krebsspezialisten Springworks für mehrere Milliarden, um die Position bei seltenen Tumoren auszubauen
- Jetzt: Silence Therapeutics für rund 1,1 Milliarden Dollar
Auf Pump in die Zukunft?
Die Strategie ist nachvollziehbar. Bei seltenen Krankheiten gibt es wenig Konkurrenz und hohe Preise. Dazu kommen oft Sonderregeln der Zulassungsbehörden. Trotzdem bleibt ein Risiko: Merck finanziert den Kauf vollständig mit neuen Schulden. Ob sich das auszahlt, hängt an einer einzigen Phase-III-Studie, und solche Studien scheitern in der Pharmabranche regelmäßig.
Auffällig ist auch, wohin das Geld fließt. Ein deutsches Traditionsunternehmen investiert Milliarden in Minneapolis, Connecticut und London. Kritiker des Standorts Deutschland dürften darin ein bekanntes Muster sehen. Hohe Energiekosten, viel Bürokratie und langsame Genehmigungen sorgen dafür, dass Innovation lieber im Ausland eingekauft als im eigenen Land entwickelt wird. Die Merz-Regierung hatte versprochen, das zu ändern. Dieser Deal zeigt, wie weit der Weg dorthin noch ist.
Fazit: Hoffnung für Patienten, Wette für Aktionäre
Für Menschen mit PV könnte der Deal ein echter Fortschritt sein. Für Anleger ist er vor allem eine kreditfinanzierte Wette auf künftige Studiendaten. Wer sein Vermögen nicht allein von solchen Wetten abhängig machen will, kann zusätzlich auf Sachwerte setzen. Physisches Gold und Silber sind unabhängig vom Ausgang klinischer Studien und können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Finanzprodukte. Bitte recherchieren Sie selbst, bevor Sie investieren. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie allein verantwortlich.
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