
Milliarden für den Rückzug: Washington kauft RWE aus der Windkraft

Es ist ein Vorgang, den man sich vor wenigen Jahren kaum hätte ausmalen können: Die US-Regierung überweist dem deutschen Energieriesen RWE rund 1,22 Milliarden Dollar – dafür, dass der Konzern seine Offshore-Windpläne vor der amerikanischen Küste beerdigt. Der Vergleich zwischen der US-Tochter RWE U.S. Offshore und dem US-Innenministerium wurde Anfang August bekannt.
Im Gegenzug verzichtet RWE auf sämtliche Ansprüche gegenüber den Vereinigten Staaten und gibt die Pachtrechte vor New York, Kalifornien und Louisiana zurück. Erworben hatte der Konzern diese Flächen im Jahr 2022 – damals unter Präsident Joe Biden, der den Ausbau der Windkraft massiv förderte.
„Gesunder Menschenverstand“ – so nennt es der Innenminister
US-Innenminister Doug Burgum wird von der Nachrichtenagentur dpa mit deutlichen Worten zitiert:
„Die Amerikaner verdienen ein Energiesystem, das auf gesundem Menschenverstand beruht – und nicht eines, das von kostspieligen Subventionen oder Technologien abhängt, die den gegenwärtigen Energiebedarf unseres Landes nicht decken können.“
Ein Ministeriumssprecher habe zudem darauf verwiesen, dass Offshore-Windkraft besonders stark von ausländischen Lieferketten abhänge. Man setze stattdessen auf zuverlässige Grundlast und bezahlbaren Strom. Medienberichten zufolge ist der RWE-Deal bereits die fünfte – und mit Abstand größte – derartige Einigung der US-Regierung in diesem Jahr.
Aus Windrad wird Flüssiggas
RWE selbst begründet den Ausstieg nüchtern: Für die Projekte sei „auf absehbare Zeit keine Genehmigungsfähigkeit gegeben“, heißt es in der Konzernmitteilung. Man wolle Ressourcen auf Vorhaben mit „verlässlicher Umsetzungsperspektive“ konzentrieren.
Und diese Perspektive sieht der Konzern ausgerechnet dort, wo deutsche Energiepolitiker seit Jahren die Nase rümpfen: 900 Millionen Euro fließen in ein LNG-Terminal in Louisiana, weitere 300 Millionen Dollar in das Geschäft mit Gaskraftwerken. Insgesamt plane RWE Americas laut eigener Mitteilung rund 17 Milliarden Euro Investitionen in den USA binnen sechs Jahren – die Erzeugungskapazität soll von etwa 13 auf 22 Gigawatt bis 2031 steigen.
Die Börse jubelt – und das sagt viel
Bemerkenswert ist die Reaktion der Anleger: Die RWE-Aktie legte am Tag der Nachricht rund 2,2 Prozent zu; seit Ende 2025 hat sie etwa ein Viertel gewonnen. Der Markt bewertet den Rückzug aus der subventionsgetriebenen Offshore-Wind-Fantasie offenbar als betriebswirtschaftlichen Befreiungsschlag.
Die Projekte steckten ohnehin in einem sehr frühen Stadium und wären erst in den 2030er-Jahren ans Netz gegangen. Der Deal ist kein Einzelfall: Wie die Financial Times bereits im Mai berichtete, blockierte das US-Verteidigungsministerium die Genehmigung für 165 Windparkprojekte – mit Verweis auf mögliche Störungen militärischer Radarsysteme.
Was das für Deutschland bedeutet
Für die deutsche Energiewirtschaft ist das eine unbequeme Botschaft. Während Berlin die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert hat und Milliarden in Transformationsprojekte lenkt, zieht einer der größten deutschen Energiekonzerne sein Kapital aus der Windkraft ab – freiwillig, gegen Entschädigung und mit steigendem Aktienkurs.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang vor allem eines: Wo politische Förderung die Rendite ersetzt, kann ein Regierungswechsel ganze Geschäftsmodelle über Nacht entwerten. Wer sein Vermögen langfristig sichern will, tut daher gut daran, es breit zu streuen – physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind dabei seit jeher eine bewährte, politikunabhängige Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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