
Nach Aiwangers Tod: Sein Staatssekretär übernimmt – unter Tränen

Bayern hat einen seiner markantesten Politiker verloren, und das Wirtschaftsministerium in München muss trotzdem weiterarbeiten. Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) führt seit dem Tod von Hubert Aiwanger kommissarisch die Amtsgeschäfte. Bei einer Pressekonferenz am Freitag hat er versprochen, dass die Arbeit ohne Unterbrechung weitergeht.
Ein Ministerium unter Schock
Vor dem Ministerium legen Menschen Blumen, Kerzen und einen Kranz ab. Drinnen wollen die Mitarbeiter einfach weitermachen, obwohl der Schock tief sitzt. Gotthardt rang auf dem Podium sichtlich um Fassung und kämpfte mit den Tränen.
„Es fehlt nicht bloß der Chef, es fehlt ein großer Mensch.“
Auch Amtschefin Sabine Jarothe fand kaum Worte. Sie sprach von einer „Riesenlücke, die wir noch nicht fassen können“. Mit diesem Satz beschrieb sie wohl auch, wie es gerade vielen im Freistaat geht.
„Genau das, was Hubert von uns erwartet hätte“
Trotz der Trauer gab Gotthardt eine klare Linie vor. Der Kurs des verstorbenen Ministers soll fortgesetzt werden. Vorhaben, die schon begonnen haben, würden weder gestoppt noch verzögert, kündigte er an.
„Wir werden unsere Arbeit fortsetzen. Ich glaube auch, dass das genau das ist, was Hubert von uns erwartet hätte.“
Das Ministerium wolle der bayerischen Wirtschaft weiter Verlässlichkeit bieten. Die Interessen Bayerns sollen auch künftig mit starker Stimme in Berlin und Brüssel vertreten werden. Das ist gerade jetzt ein wichtiges Signal. Die Betriebe leiden unter hohen Energiepreisen, einer Flut von Vorschriften und einer schwachen Konjunktur. Ein Machtvakuum in Bayerns Wirtschaftspolitik wäre da das Letzte, was sie brauchen.
Wer ist der Mann, der jetzt übernimmt?
Gotthardt stammt aus Regensburg und hat Politikwissenschaft und Germanistik studiert. Seit November 2023 war er Aiwangers Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Er übernimmt die Leitung nur übergangsweise, bis offiziell ein Nachfolger feststeht. Wer das Ressort dauerhaft bekommt, ist noch offen.
Gotthardt tritt in große Fußstapfen. Aiwanger war seit 2018 Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident in der Koalition aus CSU und Freien Wählern unter Markus Söder (CSU). Außerdem führte er die Freien Wähler in Bayern und im Bund. Er galt als bodenständig, war streitbar und redete mit niederbayerischem Akzent, ohne sich dafür je zu entschuldigen. Für viele Bürger auf dem Land, viele Handwerker und Mittelständler war er einer, der ihre Sprache sprach. Seine Gegner fanden ihn unbequem. Für seine Anhänger war er eine der wenigen echten Gegenstimmen zum Berliner Politikbetrieb.
Die letzten Stunden in Berlin
Der 55-Jährige wurde am Mittwoch leblos in einem Hotel in Berlin-Mitte gefunden. Medienberichten zufolge sollte er dort an diesem Tag das neue Hauptstadtbüro der Freien Wähler eröffnen. Wegen gesundheitlicher Probleme musste er absagen, für ihn sprang Digitalminister Fabian Mehring ein. Später war Aiwanger nicht mehr erreichbar.
Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis gibt es laut der Berliner Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf Fremdverschulden. Weitere rechtsmedizinische Untersuchungen laufen aber noch, deshalb sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Aiwanger lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen und hatte zwei Kinder.
Was jetzt auf dem Spiel steht
Für die Freien Wähler kommt der Verlust zur Unzeit. Die Partei war in Bayern eng mit Aiwanger verbunden und wollte gerade auch in Berlin stärker auftreten. Wer seine Rolle übernimmt, im Ministerium und an der Parteispitze, wird die bayerische Politik in den kommenden Monaten prägen. Eines hat Gotthardt am Freitag aber gezeigt: Er will Aiwangers Erbe bewahren und nicht nur verwalten.
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