
Nvidia sprengt alle Erwartungen – und die Aktie fällt trotzdem

Was für ein Schauspiel an der Wall Street: Der Chipgigant Nvidia lieferte am Mittwochabend Quartalszahlen ab, die selbst die kühnsten Optimisten verblüffen mussten – nur um dann zu erleben, wie die eigene Aktie nach einem kurzen Freudensprung von fünf Prozent wieder auf Null zurückfiel und zwischenzeitlich sogar ins Minus rutschte. Ein Lehrstück darüber, wie fragil das Vertrauen der Anleger in den KI-Hype mittlerweile geworden ist.
Rekordzahlen, die sich gewaschen haben
Die nackten Zahlen sind beeindruckend, daran gibt es nichts zu deuteln. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,62 Dollar – die Analysten hatten lediglich 1,53 Dollar erwartet. Der Umsatz erreichte mit 68,13 Milliarden Dollar ein neues Allzeithoch, ein Anstieg von satten 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wall Street hatte mit knapp 66 Milliarden gerechnet und wurde um mehr als zwei Milliarden Dollar übertroffen. Das Rechenzentrumsgeschäft, das Herzstück von Nvidias KI-Imperium, explodierte auf 62,31 Milliarden Dollar – ein Plus von 75 Prozent.
Noch beeindruckender als die historischen Zahlen war der Ausblick. Nvidia prognostizierte für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 76,44 und 79,56 Milliarden Dollar. Der Mittelwert von 78 Milliarden liegt damit satte fünf Milliarden Dollar über den Konsensschätzungen der Analysten. Der freie Cashflow verdoppelte sich auf nahezu 35 Milliarden Dollar. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein einzelnes Unternehmen generiert in einem Quartal mehr freien Cashflow als manches europäische Land an Steuereinnahmen.
Warum die Euphorie dennoch verpuffte
Doch dann kam die Analystenkonferenz – und mit ihr die Ernüchterung. Finanzchefin Colette Kress räumte ein, dass chinesische Wettbewerber „Fortschritte machen" und das Potenzial hätten, die globale KI-Industrie langfristig zu stören. Ein Satz, der wie ein Eimer kaltes Wasser wirkte. Hinzu kam, dass das Unternehmen kaum Details zum angekündigten Umsatzpotenzial von über 500 Milliarden Dollar durch seine Blackwell- und Rubin-Chips lieferte. Vage Versprechen reichen offenbar nicht mehr, um die verwöhnten Investoren bei Laune zu halten.
Die Aktie, die nach Börsenschluss zunächst um fünf Prozent nach oben geschossen war, gab sämtliche Gewinne wieder ab und notierte zwischenzeitlich sogar im Minus. Ein klassisches „Sell the News"-Szenario, wie es im Lehrbuch steht. Die Optionsmärkte hatten eine Bewegung von 4,4 Prozent eingepreist – viele Optionshändler dürften an diesem Abend mit leeren Händen dastehen.
China bleibt die große Unbekannte
Besonders brisant ist die Situation rund um das China-Geschäft. Die US-Regierung hat Nvidia zwar eine Lizenz erteilt, geringe Mengen des H200-Chips an bestimmte chinesische Kunden zu liefern. Doch bislang wurde unter diesem Programm kein einziger Dollar Umsatz generiert. Ob Peking seinen Unternehmen überhaupt erlauben wird, Nvidia-Chips zu importieren, steht in den Sternen. Zudem unterliegen etwaige Lieferungen einem Inspektionsprozess in den USA und einem 25-prozentigen Zoll bei der Wiedereinfuhr – ein direktes Ergebnis der aggressiven Handelspolitik unter Präsident Trump.
Nvidia hat in seiner Prognose wohlweislich keinerlei Umsätze aus dem chinesischen Rechenzentrumsgeschäft einkalkuliert. Eine kluge Vorsichtsmaßnahme, die gleichzeitig zeigt, wie unberechenbar das geopolitische Umfeld geworden ist. Trumps Zollpolitik – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf China – mag aus protektionistischer Sicht nachvollziehbar sein, doch sie schafft für Technologieunternehmen ein Minenfeld der Unsicherheit.
Der KI-Hype auf dem Prüfstand
CEO Jensen Huang versuchte auf der Konferenz, die Erzählung zu kontrollieren. „Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst exponentiell", verkündete er und betonte, dass nicht nur die großen Cloud-Anbieter kaufen würden, sondern zunehmend auch klassische Unternehmen. Das souveräne Geschäft – also Aufträge von Staaten und staatlichen Institutionen – habe sich im laufenden Geschäftsjahr mehr als verdreifacht. Huang pries seinen neuen Grace-Blackwell-Chip als „König der Inferenz" an.
Doch die Frage, die wie ein Damoklesschwert über der ge
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